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Jülich: Neues Forschungsprojekt: Ein Region schnellstmöglich evakuieren

Jülich : Neues Forschungsprojekt: Ein Region schnellstmöglich evakuieren

Wenn viele Menschen ein Gebiet schlagartig verlassen müssen, sind überfüllte Straßen und Bahnen vorprogrammiert. Ein möglicher Grund für ein solches Szenario könnte etwa eine drohende nukleare Katastrophe sein, oder auch ein Chemieunfall oder Hochwasser. Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich erforschen nun am Beispiel des Dortmunder Hauptbahnhofs, wie sich die Abläufe für einen solchen Notfall optimieren lassen.

Mithilfe von Computersimulationen wollen sie erstmals tragfähige Daten für eine großräumige Evakuierung gewinnen, die Ingenieure und Behörden für die weitere Planung nutzen können. Das Projekt KapaKrit startete am 1. August und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt etwa 1,1 Mio. Euro über eine Laufzeit von drei Jahren gefördert.

„Im Falle einer Katastrophe wären die Straßen und Autobahnen nach kurzer Zeit dicht und dadurch für die meisten Menschen unbenutzbar. Eine Vielzahl von ihnen wäre daher auf die Bahn als Transportmittel angewiesen, um sich bei einer Evakuierung weiträumig aus dem Gefahrengebiet zu entfernen“, erklärt Projektkoordinator Dr.-Ing. Stefan Holl vom Forschungszentrum Jülich.

Im Projekt KapaKrit wollen Forscher und Verkehrsbetreiber diese Lücke nun schließen. Gemeinsam werden sie untersuchen, wie viele Menschen im Notfall maximal über einen großstädtischen Bahnhof evakuiert werden können. „Wir können mittlerweile ziemlich genau vorhersagen, wie schnell sich Menschen aus einem Raum durch festgelegte Ausgänge evakuieren lassen. Aber der Fall, den wir jetzt betrachten, ist viel komplexer“, erläutert Stefan Holl. „Die Leute müssen überhaupt erst einmal zum Bahnhof kommen. Dort müssen sie zum richtigen Gleis gelotst werden. Und dann muss ein Zug bereitstehen, in den sie einsteigen können, um in Sicherheit gebracht zu werden“, so Holl.

Für ihre Untersuchung haben sich die Forscher den Dortmunder Hauptbahnhof ausgesucht, einen der zentralen Schienenknotenpunkte. Im Fall einer Evakuierung müssten mehrere Hunderttausend Menschen innerhalb kurzer Zeit in Sicherheit gebracht werden. Ein wichtiges Instrument für das Vorhaben ist die Software JuPedSim.

Das am Forschungszentrum Jülich entwickelte Programm enthält verschiedene mikroskopische Modelle zur Bewegung von Fußgängern und für deren Routenwahl. Im Projekt soll es für die Simulation des Evakuierungsfalls noch erweitert werden. Ziel ist die Entwicklung eines Open-Source-Werkzeugs, das künftig auch die Betreiber von Bahnhöfen, Planungsbüros und Behörden kostenfrei nutzen können.