Neues Buch über die Stadt: Jülich ist auch heute noch steinreich

Neues Buch über die Stadt : Jülich ist auch heute noch steinreich

„Jülich steinreich – Historische Festungsstadt im Bild“ heißt das Buch, das im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum 150. Firmenjubiläum der Buchhandlung Fischer als Nr. 29 in der Heimatkundlichen Schriftenreihe des Jülicher Landes vorgestellt wurde – in einer „schönen Familienrunde Jülicher Geschichtsfreunde“.

Um die Pointe gleich vorwegzunehmen, Jülich ist reich an Steinen, verbaut in der Festung Zitadelle und im Brückenkopf, der Stadtbefestigung aus der Renaissance und dem mittelalterlichen Hexenturm. Der Titel bereitete im Übrigen dem Jülicher Bürgermeister sichtlich Freude, der den Reichtum der Herzogstadt stetes betont, mit Blick auf die engagierten Bürger der Stadt, ihre Kultur und Geschichte.

Autor Wolfgang Hommel hatte für seinen Bildband ein „kleines Team stadtbekannter Jülicher Fotografen“ angeworben, die „sowieso“ stets gerne mit der Kamera um den Hals in Jülich unterwegs sind. Das Team besteht aus Dieter Benner, Bernhard Dautzenberg, Michael Greve, Wolfgang Hommel, Hans Launer und Paul Wirtz. Des Weiteren stellten Hans-Peter Bochem, Dr. Ulrich Eckardt, Marcel Kanehl, Siegfried Peters, Günter Pick, Gisa Stein und Dr. Rüdiger Urban Bilder zur Verfügung.

Die Texte stammen aus der Feder von Wolfgang Hommel, und sind „so vielleicht ein bisschen leseleichter“, wie letzterer in der Buchvorstellung augenzwinkernd betonte. Redigiert wurden sie von den Jülicher Historikern Marcell Perse und Berhard Dautzenberg. Als Layouter fungierte Buchhändler Jürgen Schmitte Die ausdrucksstarken großformatigen Fotografien zeigen die „aktuelle Sichtweise auf die historische Festungsstadt aus der Renaissance. Der Hexenturm gehört eigentlich nicht dazu, aber das hätten die Jülicher nicht verstanden“, betonte Hommel in seiner Einführung.

Die 19-seitige Einleitung thematisiert Jülichs Vorgeschichte mit dem Jülicher Kastell, der zweiten Befestigung und der Renaissancefestung Jülich, und deren Weiterentwicklung bis hin zur Preußischen Festung und deren Ende. Hier sind kleinere Fotos, Gemälde, Kartenmaterial und Modellansichten in den laufenden Text eingefügt. Ein Beispiel ist hier ein um den Aufwuchs reduziertes Luftbild, das die historischen Strukturen der Schwedenschanze freilegt.

Die erste Doppelseite unter der Rubrik „Gesamtansichten“ hat Hans Launer mit einer Drohne aufgenommen. Sie zeigt die Rurbefestigung Brückenkopf, dahinter Rur und Stadt, am Horizont die Sophienhöhe. Ein zweites Exempel einer Doppelseite ist links die Zitadelle von Osten mit den Bastionen Wilhelmus, Johannes, Salvator und Marianne mit dem Schlossflügel in ihrer Mitte, rechts ein Modell der Zitadelle im 19. Jahrhundert aus Richtung Osten, mit dem vorne liegenden Ravelin Lyebeck.

In diesem Zusammenhang klärte Hommel auch Fragen wie, „warum das Waldstück noch da ist. Da ist ein Ravelin drunter“. Was war der Zweck der Gebäude? Abgebildet ist etwa links eine sonnenumstrahlte Ansicht der Zitadellenbastion Johannes, die als Andeutung eines früheren Beobachtungshäuschens überhöht ist, mit Blick bis hin zu den Kanonenhöfen der benachbarten Bastionen Salvator und Wilhelmus. Rechts wird die nördliche Bastion des Brückenkopfs gezeigt, die „Zoobastion“, mit Schießscharten der Defensionsgalerie und Belüftungsschächten für die innen liegenden Kasematten.

Im Kapitel „Blickbeziehungen“, vergleicht der Blick vom Turm der Propsteikirche den Marktplatz im Sommer mit den Bäumen im Laubkleid mit dem durch die kahlen Baumstämme wesentlich größer wirkenden Platz in vorweihnachtlicher Beleuchtung. Ein Kapitel ist der renaissancezeitlichen Pracht gewidmet, wie den dekorativ aus Blausteinen errichteten Portale und Ecken der Hohltraverse III im Brückenkopf oder dem feldseitigen Portal des Aachener Tores, das den „früheren Gesamteindruck nur erahnen lässt“. Sehr interessant ist auch das Thema „Details“. So glaubten Experten etwa, im Relief über dem hofseitigen Stadtportal zwischen der Göttin Ceres und dem rechten Füllhorn einen Gehenkten zu entdecken. Es folgen spektakuläre Aufnahmen in der Dunkelheit und im Winter.

Eine Fotoserie nutzte Dautzenberg, die archäologische Untersuchungsfläche im Innenhof der Zitadelle aus verschiedenen Blickrichtungen zu betrachten und präsentierte die Befunde. Weitere Kapitel widmen sich der Natur – Beispiel Fledermausvorkommen in der Zitadelle – den Schäden an und in der Zitadelle und im Brückenkopf und der Nachnutzung der Gebäude.

(ptj)
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