Linnich: Neue Linnicher Unterkunft für Asylsuchende und Flüchtlinge

Linnich : Neue Linnicher Unterkunft für Asylsuchende und Flüchtlinge

Der Zustrom ist da. Seit in Linnich mit Wegfall der Zentralen Unterbringungseinrichtung ebenfalls die Zuweisungsbefreiung aufgehoben wurde, werden der Stadt wieder Flüchtlinge und Asylsuchende zugeteilt. „78 Menschen sind allein im April/Mai hinzugekommen“, sagt Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker und weiß, dass diese Zahl nur einen Zwischenstand wiedergibt.

„Nächste Woche kommen weitere 36 Zuweisungen.“ Aktuell betreut die Stadt „227 Flüchtlinge und Asylsuchende mit 26 Nationalitäten“, zeigt Asylbeauftragter Stefan Helm auf. Diesen Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben, fällt der Stadt Linnich leichter als manch anderer Kommune.

Mit dem ehemaligen Warnamt in Welz und der Unterkunft in Gevenich wurde der überwiegende Teil der Asylsuchenden in Häusern untergebracht. Auf (Turn)Hallen zugreifen zu müssen, wollte die Stadt „unter allen Umständen vermeiden“, betont die Bürgermeisterin. Das wird auch in Zukunft nicht notwendig. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes (BLB) hat der Stadt mietfrei Haus 7 der ehemaligen Polizeischule zur Verfügung gestellt.

Der Backsteinbau der ehemaligen Polizeischule wird gerade als Unterkunft hergerichtet. 130 Menschen können hier eine Bleibe finden — bei Nutzung des gesamten Gebäudes sogar 187. Ab Montag sollen die ersten Menschen einziehen. Alles gut? Eher nicht. Denn die neuen Bewohner der Stadt brauchen Menschen, die ihnen helfen, sich in ihre neue Lebenssituation einzufinden.

Diese Aufgabe hatte vor zwei Jahren der Initiativkreis Asyl übernommen und „viele Projekte initiiert“, wie die Leiterin der Steuerungsgruppe, Sylvia Karger, nicht ohne Stolz erzählt. Das Ehrenamtler-Team hat viel geleistet. Aber: „Die Kapazitätsgrenzen sind voll ausgereizt. Durch weitere Zuweisungen werden wir überfordert“, bringt es Karl Lohmer auf den Punkt. Die Helfer brauchen dringen Helfer.

Da wäre zu allererst die „Sprachwerkstatt“ zu nennen. Die Ehrenamtler um Mechthild Koehnen und Gerd Gottwald haben für die beiden Unterkünfte Welz und Gevenich schon einen richtigen Stundenplan ausgearbeitet. In kleinen Gruppen von vier bis maximal acht Teilnehmern werden die „Schüler“ mit der deutschen Sprache vertraut gemacht.

„Wir brauchen einfach Leute, die Deutsch sprechen und Zeit aufbringen können, sich mal ein, zwei Stunden mit den Asylsuchenden zu unterhalten“, fährt Gottwald bewusst die Hürde herunter. Wer sich entschließt, dem Sprachteam beizutreten, wird auf seine „Lehrerrolle“ vorbereitet, kann hospitieren und schon erfahrenen Sprachhelfern über die Schulter schauen. Materialen und Unterrichtsinhalte bekommt jeder Neuhelfer an die Hand. (Kontakt: MechthildKoenen@web.de).

Ebenso gesucht sind HuBas. Das sind Helfer und Begleiter für Asylsuchende. Sie begleiten die Asylsuchenden durch einen für sie teils völlig fremden Kulturraum, stehen ihnen bei Behördengängen, Suche nach Praktika, Schule oder Wohnung zur Seite. Auf dieser Ebene, sind die HuBas überzeugt, findet die eigentliche Integrationsarbeit statt. Das knappe Dutzend HuBas braucht angesichts der steigenden Zahl zu Betreuender dringend Helferzuwachs. Höchst willkommen sind in diesem Zusammenhang auch Übersetzer, vor allem mit arabischen Sprachkenntnissen.

Drei bis vier Leute zusätzlich könnte die Fahrradwerkstatt brauchen. Dann ließe sich der bestehende Betrieb in Welz auch in Gevenich einrichten. Und ausrangierte Fahrräder — kein Schrott! — sind natürlich ebenfalls begehrt.

Die Bedarfsliste geht über diese Beispiele weit hinaus. Aber genau hier erweist sich, wie weit her es ist mit Anspruch und Wirklichkeit des Kanzlerinnen-Ausspruchs: „Wir schaffen das.“

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