Neue Konzertreihe mit Organisten aus ganz Deutschland

Evangelische Gemeinde : Zur Premiere Improvisationen auf der Orgel

Gemeinsam mit Christoph Dohr organisierte Pfarrerin Wiebke Harbeck das musikalische Erlebnis. Bei dem Namen „Orgelherbst“ liegt es auf der Hand, dass die Linnicher Orgel, die schon eine lange Geschichte hinter sich hat, im Vordergrund steht.

Nachdem die Linnicher Kirche, zerstört durch napoleonische Truppen, 1805 wieder aufgebaut worden war, erhielt sie die Orgel des Kreuzherren-Klosters Hohenbusch bei Erkelenz. Bereits im 19. Jahrhundert wurde das Instrument als „Denkmalorgel“ mit überregionaler Bedeutung eingestuft.

Im Zweiten Weltkrieg zerstörte dann eine Bombe weitgehend Barockorgel und Kirche. Doch nach aufwendiger Restauration und Rekonstruktion konnte das Musikinstrument wieder hergestellt werden. „Eine Orgel geht immer mit der Zeit“, erklärte Dohr, denn jeder Orgelbauer verändert das Instrument ein kleines bisschen und hinterlässt eine persönliche Note. Auch vor kurzem wurde die Orgel noch gewartet. „Sie kann sich jetzt von ihrer besten Seite zeigen kann“, betonte Dohr.

Da es zurzeit keinen hauptamtlichen Organisten in Linnich gibt, griffen Harbeck und Dohr den Wunsch der Gemeinde auf, das Musikleben in Linnich weiterzuführen, bis ein neuer Kirchenmusiker gefunden ist. Hinzu kam, dass der November kulturell eine relativ ereignislose Zeit sei, die man habe füllen wollen, erklärte Harbeck die Entstehung der Konzertreihe. So lag es für die Pfarrerin auf der Hand, dass man den Monat mit vielen kirchlichen Gedenktagen, wie den Volkstrauertag und den Ewigkeitssonntag, musikalisch aufarbeitet und begeht.

Am Freitagabend spielte der Kölner Wolf-Rüdiger Spieler in Linnich und eröffnete so den Orgelherbst direkt mit einer Besonderheit: einem Improvisationskonzert. „Improvisation ist ein Gespräch zwischen dem, der spielt und den Pfeifen, die der Orgelbauer eingesetzt hat. Hier in Linnich habe ich eine sehr schöne Orgel, sodass mir der Dialog leicht fällt“, erklärte Spieler.

Es handelte sich jedoch nicht um eine reine, freie Improvisation, denn Spieler orientierte sich an Choralthemen wie Stille, Zeit und ewiges Leben. „Die Musik geschieht wirklich aus dem Moment heraus. Aber ich verarbeite natürlich auch Vorlagen“, erläuterte Spieler.

So konnten geübte Ohren auch Tonfolgen aus der Musikgeschichte wiedererkennen, wie zum Beispiel von Bach, Mendelssohn Bartholdy oder Reger. Die Improvisation des Kirchenmusikers kam gut beim Publikum an: Die klangvolle Orgelmusik ließ jedem Besucher Raum, seine Gedanken schweifen zu lassen und erzeugte eine ganz besondere Atmosphäre. „Ich messe den Erfolg der Konzertreihe nicht daran, wie voll es ist, sondern wie berührt die Menschen hier raus gehen“, erklärte Pfarrerin Harbeck.

Klassisches Adventskonzert

Ab jetzt findet jeden Freitagabend im November um 19.30 Uhr ein Orgelkonzert statt. Ausgenommen ist der 29. November. Anstelle dessen wird es am ersten Advent das traditionelle Orgelkonzert von Stefan Palm aus Jülich geben. Bei den Orgelkonzerten spielen Musiker aus ganz Deutschland: Lothar Graap aus Berlin, Ruth Forsbach aus Remscheid und Jens-Peter Enk aus Wuppertal kommen im November nach Linnich.

Der Eintritt für die Konzerte ist immer frei, es werden aber Spenden für die Kirchenmusik der evangelischen Kirche am Altermarkt gesammelt.

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