Jülich: Neue Ideen: Wie FH-Studierende Rübenbauern helfen wollen

Jülich: Neue Ideen: Wie FH-Studierende Rübenbauern helfen wollen

253 Studierende auf dem FH Campus Jülich haben darüber nachgedacht, wie sie den Rübenbauern das Leben einfacher machen können. Das war das Ziel der Projektwoche in Jülich, die Studierende der Fächer Elektrotechnik, Maschinenbau und Physikingenieurwesen erstmals gemeinsam bestritten haben.

„Wenn 253 Leute über ein Thema nachdenken, dann wäre es schon sehr verwunderlich, wenn dabei nicht ein paar spannende Lösungen herauskämen“, sagte Prof. Michael Stellberg, Dekan am Fachbereich Energietechnik, über die erste interdisziplinäre Projektwoche in Jülich, die er und seine Kollegen Prof. Stefan Bauschke, Dr. Mark Hellmanns und Prof. Benedikt Wiedemeier mit anderen Dozenten auf die Beine gestellt hatten.

Die Problemstellung: Bei einem Anhänger voller Rüben besteht die Gefahr, dass das Gespann beim Anfahren in einem aufgeweichten Feld nicht vom Fleck kommt. Deswegen sollten die Studierenden Möglichkeiten erarbeiten, den Anhänger mit einem eigenen Antrieb auszustatten, so dass die Zugmaschine unterstützt wird. „Wir sind mittendrin in der Rübenkampagne und müssen uns nur umschauen“, sagte Hellmann, wie sie auf das Projektthema Rübentransporter gekommen waren.

„An diesem Problem arbeiten die Landmaschinenhersteller derzeit auch. Es gibt Ansätze, aber noch keine ausgereiften Lösungen“, beschrieb Bauschke. Deswegen sei auch das Interesse der Hersteller an der Projektwoche so groß gewesen, dass sie neue Maschinen sowie Fachpersonal für eine Woche auf dem Campus platziert haben. „Eine solche Aufgabe, wie wir sie unseren Studierenden gestellt haben, könnte auch auf die Ingenieure bei den Landmaschinenherstellern zukommen“, sagte Bauschke.

Bisher lösen die Bauern das Problem, auf einem Feld voll beladen möglicherweise nicht vom Fleck zu kommen, indem sie den Traktor vorne mit Zusatzgewichten beladen. „Das kostet die Bauern aber mehr Sprit, es kostet sie das Geld für das Leihen der Gewichte, und es verringert die Zuladekapazität für das Gespann“, beschreibt Hellmanns, dass der Weisheit letzter Schluss noch nicht gefunden ist.

Die Resultate der insgesamt 20 Gruppen, auf die die Studierenden verteilt waren, liegen noch nicht vor, die Auswertung läuft. „Einige Lösungen, die überlegt worden sind, bauen auf einem Elektromotor auf. Die spannende Frage ist dann: Wo kommt die Energie her? Und wie wird sie gesteuert“, verdeutlichte Hellmanns, dass es in der Projektwoche nicht gereicht habe, einfach eine Idee in den Raum zu stellen.

Sie musste ausgearbeitet werden. „Das ist ein ziemlich sportlicher Anspruch, mit zehn Leuten zielorientiert an diesem Thema zu arbeiten“, sagte Stellberg. Zumal die Dozenten darauf geachtet haben, dass die Gruppen gemischt sind und Studierende aus allen drei Fachrichtungen umfassen.

Weitere Lösungen bestanden aus einer Verbindung zur Zapfwelle des Traktors, aus einem separaten Generator, aus einer Brennstoffzelle. Das Übertragen der Kraft erfolgt entweder hydraulisch oder mechanisch.

Eine neue Herausforderung an die Studierenden war das Präsentieren ihrer Ergebnisse am Ende der Woche mit einem Vortrag, einer Grafik und einem 20 Seiten langen Papier. Der einzige realitätsnahe Faktor, der nicht berücksichtigt werden musste, waren die Kosten für die Neuentwicklung. „Uns ging es um die Ideen, die zu Ende gebracht werden sollten“, erklärte Stellberg.

Die Dozenten haben schon während der Woche eine für sie interessante Beobachtung gemacht, nämlich die Gruppendynamik, die sich entwickelt hat. Die Studierenden waren unter anderem gemischt worden, um zu verhindern, dass schon bestehende Gruppen zusammenkommen. „Am Ende war es dann so, dass jede Gruppe in ihrem Projektraum darauf aus war, die eigene Arbeit vor den anderen geheim zu halten“, sagte Stellberg.

Wenn alle Arbeiten ausgewertet sind, beginnt für die Dozenten schon die Vorplanung für die Projektwoche, mit der sich die Fünftsemester im kommenden Jahr auseinandersetzen sollen.