Jackerath: Neue A44 bei Jackerath ab Sonntag ohne „Geisterspur“

Jackerath : Neue A44 bei Jackerath ab Sonntag ohne „Geisterspur“

Am Mittwoch wurde schon gefeiert, was am Sonntag dann Realität wird: Nach sechs Jahren ist das Autobahndreieck Jackerath wieder in vollem Umfang zu nutzen. Der Neubau der A44 ist fertiggestellt. Damit sind die Voraussetzungen dafür geschaffen worden, dass der Tagebau Garzweiler weiter vorrücken kann.

Entsprechend trägt RWE den Löwenanteil der Kosten von insgesamt 125,4 Millionen Euro mit 119,6 Millionen Euro. Die Differenz steuert der Bund bei. Auf der „Geisterspur“ der A44, die es am Mittwoch noch war, zeigten sich die Beteiligten zufrieden und erleichtert, obwohl 15 Klimaaktivisten zunächst die einzige Zufahrt zum Festakt blockierten. Sie betrachten die Autobahn als „Prestigeprojekt für RWE“. Der Konzern feiere sich für seine regionale Verantwortung, „während wenige Kilometer weiter Menschen aus ihren Dörfern vertrieben werden“, sagte Martin Weiß als Sprecher der Aktion.

Alter (links) und neuer (rechts) Streckenverlauf am Kreuz Jackerath. Grafik: ZVA, Karte: Mapz.com.

Bis auf eine geringe Verzögerung hatte der Protest aber keine Auswirkungen auf die Veranstaltung, an der unter anderem Enak Ferlemann als Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums und NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst, RWE-Vorstandsvorsitzender Dr. Frank Weigand und Thomas Ganz (Regionalleiter Straßen NRW) teilnahmen.

Nördlich des Tagebaus Garzweiler trifft die neue Trasse (rechts) wieder auf die A46. Grafik: ZVA, Karte: Mapz.com.

Im Grunde endet nun eine bereits zwölf Jahre währende Geschichte, bei der große Verkehrswege in der Region den Braunkohlebaggern ausweichen, denn 2006 wurde die alte A44 zwischen Jackerath und Holz durch den sechsspurigen Ausbau der A61 auf zehn Kilometern ersetzt, damit der Tagebau in seinem genehmigten Rahmen fortschreiten konnte.

Das hat die Bauplaner vor besondere Herausforderungen gestellt, denn sie mussten die neue Autobahn auf Flächen bauen, die wenige Jahre zuvor noch ausgekohlt worden waren. Der Untergrund der A44 besteht laut Straßen NRW nun aus einem sogenannten „Kippenkörper“, der aus 1,5 Milliarden Kubikmetern Abraum aufgeschüttet wurde. Der 1000 Meter breite Damm sei verdichtet worden, um Stabilität zu garantieren. Um dieses Vorhaben abzusichern, sei zuvor sogar eine Teststrecke gebaut worden, informierte Straßen NRW.

Die Vertreter von Bund, Land und Konzern haben die eng verzahnte Vorgehensweise aller am Bau Beteiligten hervorgehoben. Staatssekretär Ferlemann betonte, dass modernster Lärmschutz verbaut und auch die Belange des Naturschutzes berücksichtigt worden seien: „Auf einer Ausgleichsfläche von 42 Hektar wurden neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen.“

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst erinnerte daran, dass das Planfeststellungsverfahren innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen werden konnte und keine Klagen erhoben wurden: „Dieses Bauvorhaben ist ein gutes Beispiel für eine wirkungsvoll beschleunigte Baurechtschaffung.“ RWE Power-Chef Frank Weigand betrachtet das Verkehrsnetz als Lebensader für die Region, die es ermögliche, dass Handel und Wirtschaft florieren. Die neue A44 sei auch beim bevorstehenden Strukturwandel wichtig.

(-vpu-)