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Linnich: Naturschutz da, wo Windräder wachsen: Die Arbeit eines Landschaftswarts

Linnich : Naturschutz da, wo Windräder wachsen: Die Arbeit eines Landschaftswarts

Selten genug benutzt Karl-Heinz Johnen den motorisierten Kastenwagen. Sein eigentliches Transportmittel ist das Fahrrad. Ökologisch natürlich angemessener für einen Landschaftswart. Manchmal aber hat ein Auto klare Vorteile.

Beispielsweise, wenn man mit einer Kiste voller Margeritenpflanzen von Tetz hinaus zu den Windkraftanlagen bei Hottorf will.

Wasser fließt im Malefinkbach hier bei Boslar schon lange nicht mehr. Den Bachlauf erkennt man aber noch an seinen typischen Kopfweiden am Uferrand. Ein Merkmal, das erhalten werden sollte. Foto: Jonel

Die riesigen Windräder in der Ackerlandschaft sind auf den ersten Blick nicht gerade Einsatzschwerpunkt eines ehrenamtlichen Landschaftswarts, den der Kreis Düren ernennt. Karl-Heinz Johnen hat sie dazu gemacht. In Absprache mit dem Anlagenbetreiber hat er die Böschung des Anlagenpodestes mit einer Samenmischung eingesät, die mittlerweile gut angegangen ist. Nicht des Aussehens wegen. „Die Wurzeln geben dem Boden Halt und verhindern das Abschwemmen der Erde“, sagt er, greift zum Spaten und pflanzt die mitgebrachten Margeriten ein. „Damit könnte man die öden Flächen aufwerten.“

Ein solcher Feldrandstreifen wie hier bei Hottorf ist eine Seltenheit. Davon wünschte sich Landschaftswart Karl-Heinz Johnen gern mehr. Foto: Jonel

Allein im Bereich zwischen Körrenzig und Hottorf kämen etliche Quadratmeter Fläche unter den Rotoren zusammen. Von der Landwirtschaft werde das aber nicht gern gesehen wegen der befürchteten Verunkrautung der Felder, räumt er ein. Dabei tue Artenvielfalt hier richtig not, meint Johnen. „In der ausgeräumten Landschaft kann man nicht mehr von Wegrändern sprechen, wie sie früher mal waren.“ Nur noch ein winziger Grasstreifen markiere den Feldrand, und der werde in den Kurven von den großen Landmaschinen auch noch platt gefahren.

Seltener Anblick

Just an der Zufahrt zu den Windrädern entdeckt Johnen den Zustand, den er sich häufiger wünschen würde: Ein fast drei Meter breiter Feldrandstreifen, über mehrere hundert Meter dicht bewachsen mit Gräsern, Kornblumen, Klatschmohn, Disteln — „So was sieht man nur noch ganz selten!“, genießt der Naturfreund um so mehr den Anblick.

Die Weite in seinem „Revier“ zwischen Jülich, Titz, der Grenze zum Kreis Heinsberg und Aldenhoven mag Johnen. „Hier schaue ich als Landschaftswart, ob alles in Ordnung ist.“

Ökologische Idylle ist die landwirtschaftlich geprägte Weite nicht. Zig Hektar Agrarmonokultur, kein Baum, keine Hecke, und selbst die Höfe und Stallanlagen auf dem Körrenziger Plateau sind ohne diesen grünen Saum, wie er die Feldhöfe bei Titz noch umgibt. Dazu hat Karl-Heinz Johnen eine klare Meinung: „Aussiedlerhöfe, die kein Grün mehr haben, dürfte es gar nicht geben.“

Nur wenige Kilometer weiter ein gänzlich anderes Bild: Bei Boslar schlängelt sich der Male-finkbach durch die grünen Wiesen des sanftes Tals. Wasser führt der Bach schon seit Jahren nicht mehr. Aber seinen Verlauf markieren die Bäume, meist Weiden, an seinem Ufer. Wenn die Weidewirtschaft weiter abnehme, stehe zu befürchten, dass diese landschaftlich prägende Struktur irgendwann verschwindet. Die „Kenntlichmachung des Bachverlaufs“ ist ein Projekt, dem sich Karl-Heinz Johnen intensiver widmen will.

„Hier ist Renaturierung richtig gut gelungen.“

In seinem ausgedehnten „Amtsbereich“ sind echte Problemzonen glücklicherweise rar. Natürlich ist die Rur, die das Stadtgebiet Linnich durchzieht, immer im Fokus. Allerdings weniger als man annehmen möchte. „Der Freizeitdruck hält sich hier noch in Grenzen“, zieht Johnen den Vergleich zu den angrenzenden Bereichen seiner Kollegen etwa in Jülich.

Der um die Jahrtausendwende renaturierte Abschnitt der Rur zwischen Kläranlage Linnich und Körrenzig hat es Johnen besonders angetan. „Hier ist Renaturierung richtig gut gelungen.“ Das findet offenbar auch die Biberfamilie, die hier sesshaft geworden ist.

Die Entwicklung der Nager zwischen Floßdorf und Körrenzig zu beobachten, gehört nicht zuletzt ebenfalls zu den Aufgaben eines der dienstältesten Landschaftswarte im Kreis Düren. „Ich hatte immer schon ein Faible für Natur.“ Da war er quasi „gesetzt“, als das Ehrenamt in den 1980er Jahren eingeführt wurde.

Auf Missstände hinweisen

Diese lange Zeit verändert auch. Früher, erzählt Johnen, habe er selbst Bäume gezogen und an Wegrändern gepflanzt. „Die verschwanden nach und nach.“ Einfach so? „Landwirtschaft.“ Er pflanzt gelegentlich immer noch Bäume — mit Hilfe des städtischen Bauhofs, zu dem er ein gutes Verhältnis unterhält.

Das ist ihm wichtig, denn allein könne ein Landschaftswart wenig ausrichten. „Ich kann nur auf Missstände hinweisen oder Anregungen geben.“ Die Entscheidungen über Maßnahmen obliegen in erster Linie der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises und der Stadt.

Der Amtsweg ist vielfach ein langer. „Ein wenig Frust schwingt schon mit, wenn man etwas nicht durchsetzen kann“, gesteht Karl-Heinz Johnen.