Jülicher Land: Narren übernehmen im Jülicher Land die Macht

Jülicher Land: Narren übernehmen im Jülicher Land die Macht

Die Narren sind im Jülicher Land an der Macht. Auch im ersten Haus der Herzogstadt stand der als Spanier mit Schalke-Herz kostümierte Bürgermeister Heinrich Stommel dem Rathaussturm völlig chancenlos gegenüber.

Pünklich um 11.11 Uhr übernahmen die Jecken das Zepter unter dem Motto „Un is et met dat Jeld jet mau, mir wolle der Jemeinschaftsbau”. Neben den zahlreichen feierwütigen Narren waren auch der Festausschuss Jülicher Kengerzoch mit Dreigestirn Prinz Laurin, Jungfrau Merlin und Bauer Roman, die KG Stopp dä Mutz und die KG Maiblömche aus Lich-Steinstraß mit ihrem Dreigestirn Prinz Elmar (Schumacher), Jungfrau Gerda (Gerd-Peter Dohmen) und Bauer Guido (Tirtey) gekommen. Den Schlüssel zum Rathaus übernahm de Kinderprinz.

Auch das Linnicher Rathaus ist jetzt fest in Narrenhand. Angeführt von der IG Welzer Karneval entrissen sie Bürgermeister Wolfgang Witkopp den Rathausschlüssel. Neben zahlreichen bunt kostümierten Närrinnen und Narren waren auch die Karnevalsgesellschaften des Stadtgebiets gekommen, um sich hier auf die tollen Tage einzustimmen. Mit dabei waren auch ihre Majestäten.

Auch in Aldenhoven musste Bürgermeister Lothar Tertel der Übermacht weichen. Er wurde, so der Präsident der KG Turmschwalben, Wolfgang Hörnlein, „für drei Tage außer Gefecht gesetzt” und schließlich gefesselt zum Festzelt geleitet. Die Bediensteten konnten ihn noch mit einen Blutwurst-Orden stärken, bevor er, gekleidet in einen Nadelstreifen-Anzug der Große 58 statt 50, abgeführt wurde. Die Rathausschlüssel überreichte er an die Prinzenpaare Peter und Angelika Töller (Siersdorf) sowie Friedhelm und Annemie Tetz (Freialdenhoven), die mit den KGs Turmschwalben Aldenhoven, Kutt erop Niedermerz und Schlemmännchere Dürboslar sowie dem Spielmannszug Siersdorf in der Dietrich-Mülfahrt-Straße aufmarschiert waren.

„Nun will ich langsam kapitulieren, auf dass die Narren dürfen endlich regieren”, reimte der Titzer Bürgermeister Jürgen Frantzen, bevor die jecken Weiber das Rathaus erstürmten. Frantzen: „Mein Job, der hat auch schöne Seiten, die große Freude mir bereiten. Dazu gehört der Fasteleer, dem gebe ich mich gerne her”. Das nahm man dem Stimmungsmacher im schwarz/gelben Sträflingsanzug gerne ab, der nach der Schlüsselübergabe die „Weiber mit ihren vollgeformten Leibern”, darunter die Titzer Frauengemeinschaften aus Titz und Ameln, in den Arm nahm und bützte.

Den Schlüssel übergab er den Karnevalsgesellschaften „Total verdötsch” Ameln, Rot-Gold Rödingen Höllen, der IG Titzer Karneval und „Frohsinn” Opherten. Letztere stellt die einzige Tollität der Gemeinde, Prinz Johann Wilhelm Sieben (73), dem der Bürgermeister bei seiner Einführung den Amtseid geschworen hatte. „Jung geblieben” tanzte dieser voller Elan im renovierten Bürgersaal, assistiert von den zwei Formationen der Titzer Funken und den Power Girls aus Opherten. „Wenn dat Trömmelche jeht”, diese Aufforderung nahm die KG Rot-Gold Rödigen-Höllen wörtlich: Vorsitzender Ralf Bröker schlug die große Trumm. Und die IG Titzer Karneval ehrte die älteste Möhn im Rathaus, Marlene Specht.

„Jammere nicht, du bist doch schneller wieder im Amt als jeder andere. Rück die Schlüssel raus”, forderte Herbert Schlächter seinen Chef und Bürgermeister Ulrich Schuster auf. Der als bekennender Westfale froh war, „einen Rheinländer bei der Rathaus-Erstürmung an der Seite zu haben.” So begrüßte Schlächter die KG´s Echte Fröngde Lamdersdorf, die Frenzer Burgnarren, die Lukkebömmelte Lü aus Lucherberg, und überreichte an das Prinzenpaar Helmut I und Martina I Weber von den Lustige Jonge Inden/Altdorf die Schlüssel. Und drinnen wartete Freibier auf die Jecken. „Finanziert vom Bürgermeister, aber nicht über eine Haushaltsstelle, sondern aus der Privatschatulle”, betonte Schlächter.