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Raumerweiterung gesucht: Nahrung ist ein großes Thema der Linnicher Jugendarbeit

Raumerweiterung gesucht : Nahrung ist ein großes Thema der Linnicher Jugendarbeit

Kleinheit ist das größte Problem der Jugendarbeit in der Kernstadt Linnich. Nur eine Woche im Jahr hat Urs Brunnengräber, hauptamtlicher Leiter der KoT Skyline, den Platz, den er sich in den übrigen Wochen wünschen würde: Nämlich wenn die berühmte Linnicher Bretterstadt im offenen Gelände wächst.

Für den Rest des Jahres muss sich Linnichs Jugendarbeit mit 50 Quadratmetern Fläche bescheiden. „Wir sind damit wohl die kleinste im Kreis“, ist Brunnengräber alles andere als glücklich mit diesem Alleinstellungsmerkmal. Der Träger, die Katholische Kirche, genauer der Gemeindeverband Aldenhoven-Linnich, kenne das Problem und suche „händeringend nach Raumerweiterung“.

Diesen und eine Reihe weiterer Einblicke in die Jugendarbeit in der Stadt gewährte Brunnengräber einem fachkundigen Publikum. Der Ausschuss für Kultur, Sport, Generationen und Soziales hatte neben eben dem Leiter der stationären Jugendarbeit auch Kreisjugendpfleger Robert Fabig zu Gast.

Varinja Wirtz, die eigentlich ebenfalls einem Antrag der PKL-Fraktion zufolge vor dem Ausschuss zur mobilen Jugendarbeit auf den Dörfern berichten sollte, weilte in Urlaub und hatte schriftlich auf einen Fragenkatalog geantwortet. Sie soll allerdings noch einmal persönlich vor dem Ausschuss Bericht erstatten, wie Michaela Körffer (PKL) forderte.

Die räumliche Beschränktheit der KoT hat nach Brunnengräbers Überzeugung unmittelbare Auswirkungen auf den Zulauf. Bei einer Alterspanne von sechs bis 26 Jahren könnten sich ältere und jüngere Nutzer nicht aus dem Weg gehen. Und Cliquen, vor allem bei Mädchen weit verbreitet, litten unter der fehlenden Abgrenzung.

Die Einrichtung, die an 27 Stunden in der Woche geöffnet ist, wird von jeweils acht bis 15 Kindern und ebenso vielen Jugendlichen, die zum Stammpublikum zählen, besucht. Bei den Ferienspielen steigt die Besucherzahl teils um ein Vielfaches an. „Teilweise bringen heute schon Ehemalige ihre Kinder zu den Ferienspielen“, schilderte Brunnengräber.

Ein Hort der reinen Glücksseligkeit ist die KoT natürlich nicht. „Wir haben in Linnich ein Drogenproblem“, analysierte Urs Brunnengräber, um im Vergleich zu früheren Jahren zu relativieren: „Insgesamt ist es ruhiger geworden.“ Fälle von Körperverletzung oder Vandalismus etwa zählten zu den Ausnahmen.

„Essen ist ein ganz großes Thema“ — diese Aussage des Jugendleiters verblüffte den Ausschuss am stärksten. Die Kinder kämen zum Teil aus ärmeren Familien. Sie genießen das gemeinsame Kochen in der KoT. „Lebensmittel machen den Hauptposten bei meiner monatlichen Kostenaufstellung aus.“ Auf rund 50 bis 100 Euro beziffert Urs Brunnengräber diese Ausgaben.

Während an Raum Mangel herrscht, steht die stationäre Jugendarbeit in Linnich in puncto Unterstützung recht gut da. Bei der jährlichen Bretterstadt-Woche während der Sommerferien stehen rund 25 Helfer parat. Stadt und Kreis, letzterer finanziert die Stelle des Jugendarbeiters, unterstützen die Jugendarbeit ebenfalls. Hingegen scheitert ehrenamtliche Hilfe oft an abschreckenden bürokratischen Hürden, wie Urs Brunnengräber unumwunden anführte.

(ojo)