Niederzier/Merzenich: Nachgewiesen: Ein Hambachsee ist machbar

Niederzier/Merzenich: Nachgewiesen: Ein Hambachsee ist machbar

Unaufhörlich wühlen sich die Schaufelradbagger im Tagebau Hambach ins Erdreich, um an die bis zu 400 Meter tief liegende Braunkohle, insgesamt rund 450 Millionen Tonnen, zu gelangen.

Wie sich Tagebaubetreiber RWE Power das im Detail in den Jahren 2020 bis 2030 vorstellt, hat der Konzern jetzt im dritten Rahmenbetriebsplan zusammengefasst und der Bergbehörde in Düren zur Zulassung vorgelegt.

Der Rahmenbetriebsplan enthält neben der Darstellung der Abbau- und Rekultivierungsentwicklung detaillierte Angaben zu den Auswirkungen und Maßnahmen des Tagebaus, zum Beispiel in den Bereichen Wasserwirtschaft, Immissionsschutz, Natur- und Artenschutz.

Parallel dazu hat das Unternehmen die Zulassung eines Sonderbetriebsplans beantragt, in dem Maßnahmen zum Artenschutz für die Zeit bis 2020 geregelt werden. 142 artenschutzrechtlich relevante Tierarten leben nachweislich im Abbaugebiet. Es handelt sich dabei um 13 Säugetierarten (Zwölf Fledermausarten und die Haselmaus), 125 Vogel-, drei Amphibienarten und eine Reptilienart.

Voraussichtlich 2020 wird der Tagebau das erste landwirtschaftliche Anwesen bei Morschenich erreichen, 2022 die Ortschaft Manheim, 2024 Morschenich. Die L 257 zwischen den Orten wird ab 2027 abschnittsweise abgebaggert. Zwischen 2020 und 2030 wächst der Tagebau jährlich um 80 bis 100 Hektar. Gleichzeitig plant RWE Power, rund 1020 Hektar zu rekultivieren. Damit wären dann einschließlich der Sophienhöhe am Ende des Zeitraums knapp 32 Hektar Land wieder nutzbar gemacht.

Während in der Dekade 469 Hektar Ackerland dem Tagebau zum Opfer fallen, werden rund 550 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche insbesondere im Bereich Elsdorf rekultiviert. RWE plant, diese Flächen ökologisch zu optimieren. Es ist vorgesehen mindestens fünf Prozent mit Zusatzstrukturen und Sonderkulturen zu versehen, um der Tierwelt bessere Lebensbedingungen zu verschaffen.

Dem Verlust von etwa 226 Hektar Wald stehen Aufforstungen von etwa 470 Hektar gegenüber. Gewässer sollen in die Landschaft integriert, so dass neue Biotope entstehen können. Bis das soweit ist, sollen zusätzliche Maßnahmen im Umfeld des Tagebaus den betroffenen Tierarten eine neue Heimat geben.

RWE Power weist darauf hin, dass mit dem dritten Rahmenbetriebsplan noch keine Weichen für die Lage oder Gestaltung des späteren Restsees gestellt werden. Alle diesbezüglichen Fragen werden detailliert in einem weiteren Rahmenbetriebsplan für den Abbauzeitraum nach 2030 beantwortet. Gleichwohl hat RWE Power bereits geprüft, ob der gigantische Restsee, der viermal größer als der zuletzt heftig diskutierte „Indesche Ozean” sein wird, grundsätzlich - wie im bis 2045 genehmigten Braunkohlenplan vorgesehen - überhaupt machbar ist. Das Ergebnis ist positiv.

Dabei wurden folgende Annahmen gemacht, die aber nur exemplarisch sind: Nach RWE-Vorstellungen soll der Restsee bei einer maximalen Tiefe von rund 330 Metern 36 bis 40 Quadratkilometer groß werden, sein Volumen im Endzustand bei 5,3 bis 5,8 Milliarden Kubikmeter liegen. Der See könnte in rund 40 Jahren mit jährlich rund 270 Millionen Kubikmetern Rheinwasser befüllt werden.