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Ehrenamtler helfen Senioren: Nachfrage nach Einkaufshilfen ist bisher gering

Ehrenamtler helfen Senioren : Nachfrage nach Einkaufshilfen ist bisher gering

Seit Tagen erklären Menschen im Internet, dass sie bereit sind, für Andere einkaufen zu gehen. Die Angebote richtem sich an Ältere und Kranke, für die das Coronavirus eine größere Gefahr darstellt. Auch das Rote Kreuz Jülich bietet einen solchen Service jetzt an. Allein – genutzt werden die Angebote bisher kaum.

Genau so sollte es in den Tagen des Coronavirus nicht laufen: Am Donnerstagmittag waren viele ältere Menschen unterwegs in einem großen Supermarkt in Jülich. Die meisten von ihnen schoben prall gefüllte Einkaufswagen vor sich her. Dabei gibt es Menschen, die solche Aufgaben übernehmen wollen, um Menschen zu schützen, für die das Virus eine größere Gefahr darstellt. Seit Mittwochabend macht der Kreisverband Jülich des Roten Kreuzes das Angebot, den Einkauf für Menschen zu erledigen, die wegen des Coronavirus zu Hause bleiben müssen oder wollen.

Ein Anruf unter 02461/3434343 reicht, mit dem die Bestellung durchgegeben wird, und die DRK-Mitarbeiter erledigen den Einkauf – so lange sich dieser in haushaltsüblichen Mengen bewegt. Die Lieferung ist kostenlos, selbstverständlich bezahlen die Besteller den Einkauf anschließend. Das Kuriose: Bis Donnerstagmittag gab es genau keinen Anruf deswegen. „Das muss sich wohl erst noch rumsprechen“, sagte Winfried Wemberg, der Abteilungsleiter für soziale Dienste im DRK Kreisverband Jülich.

Auf die Idee gekommen waren die Jülicher DRK-Mitarbeiter, weil die Arbeit an einer anderen Aufgabe deutlich weniger geworden ist: Das Rote Kreuz betreibt einen Fahrdienst. Es bringt Menschen in Tagespflegeeinrichtungen oder befördert Menschen mit Behinderung beispielsweise in die Schule oder zur Arbeitsstelle. Schulen und Pflegeeinrichtungen sind wegen des Virus geschlossen, das DRK muss weniger fahren und hat deswegen Kapazitäten frei. Und die werden jetzt in einen Einkaufsservice gesteckt.

„Wir sind der Meinung, dass das eine Aufgabe ist, die jetzt besonders wichtig ist“, begründete Wemberg. „Für die Menschen da zu sein – das ist unsere originäre Aufgabe.“ Am Donnerstag hielt das Rote Kreuz in seiner Zentrale einen Mitarbeiter als Bereitschaft für die neue Aufgabe bereit. Auch bis zum Nachmittag wurde der Service noch nicht genutzt. Aber immerhin häuften sich die Anrufe, mit denen Menschen danach fragten.

Der Kreisverband Düren hat ein Einkaufsangebot für die Allgemeinheit bisher nicht eingerichtet. „Wir sind aber verstärkt für unsere Kundschaft unterwegs“, sagte Mitarbeiterin Marion Schwarze. Die Kundschaft – das sind Menschen, die grundsätzlich die Unterstützung einer Hilfsorganisation benötigen, um ihren Alltag zu bewältigen. Da sei der Bedarf an Versorgung mit Medikamenten und Lebensmitteln aktuell größer als sonst.

Einen anderen öffentlichen Einkaufsdienst neben dem DRK-Kreisverband Jülich gibt es bisher offenbar nicht. Auf den Internetseiten der anderen bekannten Hilfsorganisationen findet sich jedenfalls kein Hinweis.

Private Initiativen gibt es dagegen viele. Menschen, die im Internet erklären, dass sie bereit sind, für andere einkaufen zu gehen. Silke Johnen beispielsweise hat das schon vor ein paar Tagen auf Facebook getan. Sie bietet an, unter anderem Einkäufe für ältere Menschen aus ihrem Heimatdorf Tetz zu übernehmen. „Ich bin Hebamme und gehöre damit zu den Berufsgruppen, die auch dann noch vor die Türe dürften, wenn es eine Ausgangssperre geben sollte. Und weil wir uns gegenseitig helfen müssen, um diese Krise zu überstehen, gehe ich gerne für die Menschen aus Tetz einkaufen.“

In Anspruch genommen worden ist die Einkaufshilfe bis Donnerstag kaum. „Aber dann sehe ich ältere Menschen Seite an Seite ihre vollen Einkaufswagen durch die Supermärkte schieben. Da muss ich dann feststellen, dass viele den Ernst der Lage offenbar noch nicht verstanden haben“, sagt sie.

Silke Johnen ist telefonisch unter 02462/1375 erreichbar. Sollte sie nicht zu Hause sein, dann bittet sie um Nachricht auf den Anrufbeantworter.