Nach gut 30 Jahren schließt Jülicher Promenaden-Sauna

Jülicher Promenaden-Sauna schließt : Am Mittwoch wird der letzte Aufguss zelebriert

Einen Kellerraum seines Privathauses in Jülich hat Willi Voll zu einem kleinen Museum umgestaltet, dessen Wände mit Wimpeln, alten Plakaten und gerahmten Zeitungsartikeln übersät sind. Willi Voll war und ist dem Sport eng verbunden, vor allem den Sportarten mit den kleinen Tischtenniskugeln und den großen Lederbällen.

Früher konnten diese Erinnerungsstücke in der Promenaden-Sauna unter dem Jülicher Hallenbad bewundert werden, die Voll am Nikolaustag 1988 gekauft und seitdem mit Gattin Rita betrieben hat. Bereits vor 44 Jahren machte sich der heute 69-Jährige als staatlich geprüfter Masseur mit seiner ersten eigenen Praxis in Jülich selbstständig, die er auch in den Räumen des Hallenbades weiterführte.

Bevor Voll zum Sportphysiotherapeuten der Deutschen Tischtennis-Nationalmannschaft avancierte, übte er in jungen Jahren selbst recht erfolgreich den rasanten Sport mit den Zelluloidkugeln aus. In den frühen 1970er Jahren war er dreimal Zweitliga-Vizemeister mit den TTF Schmetz Herzogenrath, bevor ihn TTC-Präsident Arnold Beginn dazu überredete, in die Herzogstadt zu wechseln. Der TTC Simex hatte seinerzeit in einem Relegationsspiel seinen Verbleib in der Landesliga gesichert und konnte ein aufstrebendes Talent wie Willi Voll gut gebrauchen.

Zunächst als Spieler, später auch nach der Ausbildung zum Masseur und Medizinischen Bademeister als „Physio“ und auch mal als Trainer, der in der Bundeliga oder im Europacup den TTC coachte, war Voll stark engagiert und auch sehr erfolgreich. „Tokio, Moskau, Budapest – wir kamen schon rum“, wird Voll in dieser turbulenten Zeit zitiert, als er mit dem TTC Simex und der Nationalmannschaft rund um den Globus unterwegs war. Für die Herzogstädter schlugen damals die schwedische Ikone Erik Lindh, „Supertalent“ Jean-Michel Saive aus Belgien und der deutsche Abwehr-Spezialist Michael Plum auf. Größter sportlicher Erfolg für Voll und den TTC war damals in Ostrau der Gewinn des Europacups.

Doch damit nicht genug: Der in Oberaußem gebürtige Voll, der 1984 seine Rita heiratete, war mit Tischtennis, Praxis und Sauna noch nicht ausgelastet, sondern fungierte zudem elf Jahre als Manager des SC Jülich 1910, der als Oberligist damals der höchsten Spielklasse im Amateurfußball angehörte und mit unter anderem Peter Herrmann und Ex-Nationalspieler Heinz Hornig auch etliche renommierte Trainer verpflichtete. „Unsere Bilanz gegen Alemannia Aachen ist positiv“, erinnert sich Voll gerne an die drei gemeinsamen Oberliga-Jahre mit dem Lokalrivalen aus der Kaiserstadt, bevor sich später die sportlichen Wege trennten: Die Alemannia stieg bis in die Fußball-Bundesliga auf, während die „Zehner“ eine unschöne Pleite erlebten, die bis heute nachwirkt.

„Ich weiß gar nicht mehr, wie ich das damals alles unter einen Hut bekommen habe“, erinnert sich Willi Voll mit Wehmut an diese Zeit, die ihre Spuren hinterlassen hat. Der ehemalige „Hansdampf in allen Gassen“ ist ruhiger geworden und hat sich auf sein „Kerngeschäft“ konzentriert: Den Betrieb von Sauna und Massage-Praxis. Damit ist heute Schluss, wenn nach gut 30 Jahren in der Sauna der letzte Aufguss zelebriert wird. Der Abschied erfolgt mit Ansage, denn bereits Ende Oktober 2016 hat Voll die Promenaden-Sauna an die Stadtwerke Jülich verkauft, sich aber auf eine Verlängerung bis zum 31. Oktober geeinigt. Für die Eheleute Voll erfolgt der Ausstieg fließend, denn zuletzt waren die Öffnungszeiten auf wöchentlich zwei Tage reduziert worden. Damit schließt die letzte öffentliche Sauna in der Herzogstadt, denn eine Nachfolge gibt es nicht.

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