Jülich: Nach der Bombenentschärfung: Jülich hat eigenen Plan in der Schublade

Jülich: Nach der Bombenentschärfung: Jülich hat eigenen Plan in der Schublade

Erbsensuppe, ein Plan und eine leere Hülle - das ist alles, was von einem denkwürdigem Tag in der Geschichte der Stadt Jülich übrig geblieben ist. Die Vorräte an Erbsensuppe waren am Mittwoch, 11. April, nicht zur Neige gegangen.

Denn als die 20 Zentner schwere Fliegerbombe im Garten eines Hauses an der Berliner Straße entschärft werden musste, hatten deutlich weniger Jülicher als erwartet Zuflucht in der Schirmerschule gesucht. Unterm Strich jedenfalls zu wenige, um den Klassiker der Küche für viele Menschen aufzubrauchen. Das war gut für die Herzogstadt, weil die meisten Bewohner sich so arrangiert hatten, dass sie ohnehin nicht zu Hause waren.

„Unser Dank gilt der Bevölkerung”, sagte Bürgermeister Heinrich Stommel bei der Manöverkritik. Die habe so gut bei der Evakuierung mitgespielt, dass der Zeitplan nicht nur eingehalten, sondern sogar noch unterboten werden konnte. Der Dank galt bei der offiziellen Nachbetrachtung auch den 650 Menschen, die geholfen hatten. Angefangen bei den Feuerwerkern, über die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, der Rettungsdienste, der Feuerwehr, des Krankenhauses und des Altenheimes.

Gemeinsam sei der große Akt gelungen, 3500 Haushalte zu evakuieren. „Hier haben alle vorbildliche Arbeit geleistet”, lobte Feuerwerker Horst-Dieter Daenecke, der die britische Fliegermine entschärft hatte. „Normalerweise wird der Zeitplan immer überschritten. Hier waren wir noch schneller.”

Dabei sei der Einsatz außergewöhnlich kompliziert gewesen. Einerseits ob der Größe der Luftmine, andererseits wegen der Problematik, dass Krankenhaus und Altenheim in unmittelbarer Nähe lagen.

„Wir haben vorsichtshalber die Zahl der Stunden nicht erfasst”, sagte Kerstin Haffner, die mit Hans Pinell die Spitze des Krisenstabes bei der Stadtverwaltung bildete. Jede Menge Überstunden seien angefallen. „Die werden wir jetzt in den Ablauf integrieren”, formulierte Haffner, dass der Abbau unkompliziert vor sich gehen werde.

Über die Höhe der Kosten für den Einsatz gibt es derzeit noch keine verlässlichen Angaben. „Die Stadt hat 100.000 Euro bereit gestellt”, sagte Bürgermeister Stommel. Jülich werde zunächst in Vorleistung gehen und sich anschließend mit dem Land über eine Rückerstattung unterhalten.

Die leere Hülle bleibt

Die doch eher seltene Großladungsbombe war nach der Entschärfung zum Ausbrennen ins Münsterland gebracht worden. Von dort trat sie die Rückreise nach Jülich an, wo sie im Bauhof zwischengelagert wurde. Am Donnerstag trat die leere Hülle des Sprengkörpers mit Ordnungsamtsleiter Hans Pinell ihre Fahrt zum Stadtgeschichtlichen Museum Jülich an, wo der Mantel ausgestellt wird sowie für alle Zeiten die Besucher mahnen soll.

„Außerdem haben wir jetzt einen Plan”, frohlockte Hans Pinell. Der große Generalplan zur Evakuierung und Entschärfung habe schließlich ohne Reibung funktioniert. „Falls so etwas noch einmal passiert, dann haben wir eine Checkliste und können schnell reagieren.”

Dass so etwas erneut vorkommen kann, wollte Horst-Dieter Daenecke nicht ausschließen. „Es tut mit Leid. Ich bezweifle, dass wir es jemals schaffen, dass die Stadt frei von Munition wird”, hält er diesen Zustand für wenig wahrscheinlich. Dafür sei der britische Luftangriff im November 1944 einfach zu gewaltig gewesen.

Mehr von Aachener Zeitung