Aachen/Linnich/Erkelenz: Mutter wegen fahrlässiger Tötung ihres Babys zu Bewährungsstrafe verurteilt

Aachen/Linnich/Erkelenz : Mutter wegen fahrlässiger Tötung ihres Babys zu Bewährungsstrafe verurteilt

Wegen fahrlässiger Tötung ihrer erst fünf Monate alten Tochter ist am Mittwoch eine 24-jährige Mutter aus Erkelenz zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt worden, die 1. Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht setzte die Strafe zur Bewährung aus.

Oberstaatsanwältin Silvia Janser hatte sogar eine Strafe von vier Jahren Haft wegen fahrlässiger Tötung und „versuchter Aussetzung“ des Kindes gefordert. Dem folgte die Kammer nicht. Zwar sagte der Vorsitzende der Kammer, Richter Roland Klösgen, mit eindringliche und deutliche Worten, dass die zur Tatzeit erst 21-jährige Angeklagte das als Frühchen geborene und erst fünf Monate alte Baby durch ihr Verhalten extrem gefährdet habe, ohne es jedoch vorsätzlich töten zu wollen.

Der Sachverhalt, der der Tat zugrunde liegt, schien auf der Hand zu liegen und einfach zu sein. Doch heute verhandelte die Kammer bis spät in den Abend und hatte am Nachmittag noch eine ausgewiesene Kapazität für Neurochirurgie, die Professorin Dr. Martina Meßing-Jünger aus St. Augustin bei Bonn geladen.

Erst ihre Aussage brachte am Ende Licht ins Dunkel des gesamten Verfahrens. An jenem Montag am 13. April in Linnich, wohin das junge Paar mit zwei weiteren Kindern, zwei Hunden und zwei Pferden gezogen war, geschah ein furchtbares Unglück, wie es die Verteidigung der Angeklagten bewertete.

Gegen Mittag, sie hatte am Morgen den Lebensgefährten und Vater von Lina-Marie bereits zum Bus gefahren, war sie ins Bad gegangen und hatte das Kind dorthin mitgenommen, wie sie später bei der Polizei aussagte. Dort wollte sie vor dem Duschen das Kind auf eine Matte legen. Doch dann sei ihr durch ein Zittern in ihrem Arm das Baby aus der Hand gefallen und mit dem Kopf auf die Fliesen geschlagen.

Das Kind habe geschrien, sagt sie später, habe sich dann aber wieder beruhigt und sei eingeschlafen. Sie habe es hingelegt ins Bettchen und sie habe den Haushalt gemacht. Nicht unmittelbar zum Arzt zu gehen nach einem solchen Vorfall im Bad, war wohl der sichere Tod für das Kind.

Denn das Baby wies einen schweren Schädelbruch auf, dämmerte alleine gelassen vor sich hin und erbrach sich schließlich unbemerkt, es erstickte dann letztlich an dem Erbrochenen. Die Mutter bemerkte das erst, als das Kind vereits blau angelaufen war. Sie rief dann den Notarzt, erzählte diesem aber nicht, was vorher passiert war. So ging der ahnungslose Mediziner davon aus, es handele sich um einen sogenannten plötzlichen Kindstod, erst später durch eine Obduktion stellte man den Schädelbruch fest.

Die Professorin Meßing-Jünger stellte allerdings eindeutig fest, dass es auch bei einem Wissen um den Schädelbruch und die damit einhergehende Hirnschwellung am Nachmittag bereits zu spät für eine Rettung des Babys gewesen sei, auch mit allen neurologisch-chirurgischen Mitteln sei da nichts mehr zu machen gewesen. Die Unterlassungssünde sei jedoch gewesen, nicht unmittelbar nach dem Sturz ins Krankenhaus oder zum Arzt zu gehen, das hätte das Kind mit höchster Wahrscheinlichkeit retten können.

So verurteilte die Kammer die unter Aufsicht des Jugendamtes stehende Mutter wegen fahrlässiger Tötung und „versuchter Aussetzung“, wie es juristisch heißt, Kindesaussetzung eben deshalb, weil sich die Mutter bei ihrem Entschluss, den Ärzten die Vorgeschichte der Verletzung zu verschweigen, nicht mehr entscheidend um das Wohl des Kindes gekümmert habe.

Die 24-Jährige lebt inzwischen in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Erkelenz.

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