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Linnich: Musikliebhaber erleben ein besonderes Konzert

Linnich : Musikliebhaber erleben ein besonderes Konzert

Im Rahmen des Linnicher Kultursommers fanden sich in der Evangelischen Kirche wieder Musikliebhaber aus der Region ein, um ein besonderes Konzert zu erleben.

Mit Jens-Peter Enk konzertierte ein Interpret, der nach Studium, Tätigkeit als Chorleiter, Kantor und Organist und vielen Konzertreisen zum Leiter der Arbeitsstelle Kirchenmusik im Theologischen Zentrum der Evangelischen Kirche im Rheinland Wuppertal berufen wurde.

Der hochkarätige Werdegang ist ein Zeichen für große Professionalität. In Linnich aber lernten die Zuhörer den bescheidenen, sympathisch natürlichen Jens-Peter Enk kennen, der vielleicht gerade wegen seiner Virtuosität sich den Luxus der schlichten Freude an der Musik und am Musizieren bewahrt hat.

Mitreißend

Seine Begeisterung riss auch das Publikum mit. Er fand Zugang zur Seele der ehrwürdigen alten Orgel. Sie klang selten so intensiv, lebendig und volltönend wie bei dem sensiblen Spiel von Jens-Peter Enk.

Bewundernswert war auch sein Mut in der Programmgestaltung. Er selbst nannte die Mischung aus Barockmusik und modernen Werken einen „Stilbruch“. Dies konnte der Zuhörer jedoch nur als völlig „harmonischen Stilbruch“ empfinden, durch den das Konzert einen ganz persönlichen, belebenden und lebendigen Charakter bekam.

Selbst den klassischen Werken, die er zeitgetreu und stilsicher erklingen ließ, hauchte er durch seine fast überschäumende Spielfreude eine neue Seele ein. Die wertvolle Choralbearbeitung „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ von Georg Böhm, ein festliches Stück, bei dem die vielfältige Kolorierung des Cantus Firmus bestechend verspielt ausgeführt wurde, war von großer Ausdruckskraft.

Das 14-Takte-Fragment der „Fantasie in C-Dur von Johann Sebastian Bach, das von Wolfgang Stockmeier genial ergänzt wurde, schloss sich harmonisch an.

Aus den Orgelchorälen aus der Leipziger Originalhandschrift von Johann Sebastian Bach erklang der Choral „Allein Gott in der Höh sei Ehr“, BWV 663, ein Quartett Satz und Cantus Firmus, verziert im Tenor.

Der „Stilbruch“ wurde eingeleitet mit dem Werk „Rondo in G-Dur“ des Niederländers André Knevel, geboren1950. Enk bezeichnete die Komposition als „Gute-Laune-Rondo“, eine Erinnerung an Tage mit Pizza und Sommerwein. Die Melodik war tatsächlich berauschend schön, leicht, verspielt, tänzerisch hüpfend, wohlklingend und von unbefangener, kindlicher Fröhlichkeit.

Elemente des Jazz wies die Komposition von Margaretha Christina de Jong, geboren 1961, auf, eine Toccatina, die voller musikalischer Einfälle und Harmonie war.

Den Schlusspunkt setzte die „Suite Romantique“ von Denis Bedard, geboren 1950. Die Sätze mit den Titeln Gravität, Menuett, Kleiner Satz und Toccata gaben dem Organisten noch einmal die Möglichkeit, alle Register der Orgelkunst zu ziehen. Feierlichen, imposanten Klängen, aber auch besinnlichen Partien im ersten Satz folgten im Menuett spielerisch, eilende Szenen. Der „Kleine Satz“ folgte wildromantisch schwelgend, aber auch nachdenklich, während die Toccata nach energisch, bedrohlichen Passagen ein versöhnliches Ende fand.

Dank des interessanten „Stilbruchs“ und der Virtuosität und Spielfreude von Jens-Peter Enk war das Konzert ein Hörerlebnis, bei dem der ehrwürdigen Orgel neues Leben und Frische eingehaucht wurden. Begeisterten Applaus und Dank gab es für den Künstler, auf dessen nächstes Konzert in Linnich sich die Freunde er Orgelmusik schon jetzt freuen können.