Jülich: Müll schafft neue Problemzonen

Jülich: Müll schafft neue Problemzonen

An manchen Tagen funktioniert das Wirken eines Menschen, der es sich zum Ziel gesetzt hat, dafür zu sorgen, dass andere die Natur nicht allzu sehr versauen, nur noch mit Sarkasmus.

Dieser Tag ist so einer, denn er beginnt schon so: Robert Mohl hat gerade den Haupteingang des Wohnblocks verlassen, in dem er in der Jülicher Innenstadt lebt. Er zieht die Türe zu, dreht sich um und sagt „Oh“. Oh, weil auf der anderen Straßenseite, an der Einfahrt zu einem kleinen Parkplatz jede Menge Hausmüll liegt. Nicht zufällig, sondern in Tüten abgepackt. „Manche machen sich sogar die Mühe und tragen ihren Müll bis in den Wald“, sagt Mohl. Er lächelt und zuckt mit den Schultern, als wolle er sagen: Achtung, Sarkasmus!

Gar nicht sarkastisch, sondern komplett ernst meint er es mit dem Müll. Mohl, 57, ist gelernter Chemielaborant, aktives Mitglied im Naturschutzbund und der Landschaftswart für das südliche Gebiet der Stadt Jülich. Landschaftswarte, das sind aus seiner Sicht Aufpasser ohne jede Befugnis. „Ein zahnloser Tiger“, sagt er. Denn verbieten, verhindern oder vorschreiben können sie nichts. Das kann frustrierend sein. Warum Mohl trotzdem durch die Natur streift, hat er schnell und ohne Sarkasmus erklärt. „Aus Idealismus. Und weil Jülich schön ist“, sagt er. Wenn da nicht die vielen vermeidbaren Probleme in Form von Müll wären.

Nach einer kurzen Autofahrt steigt Mohl hinter der Gartenhaussiedlung an der Gereonstraße auf einem kleinen Parkplatz aus. So schlimm, wie er es erwartet hatte, ist es nicht. „Hier wird oft Gartenabfall einfach so abgekippt. Das ist so unnötig, denn Gartenabfälle werden in Jülich kostenlos abgeholt“, schildert Mohl. „Und dann wundern sich die Leute, wenn an solchen Stellen plötzlich Bambus wächst, obwohl Bambus nicht in unsere Breitengrade gehört.“ Falscher Umgang mit Müll verschmutzt die Natur nicht nur, er kann sie auch negativ verändern. Das ist vor ein paar Jahren am Rande des Rurauenwalds in der Nähe der Indemündung deutlich geworden, auf ganz andere Weise.

Davon erzählt der Landschaftswart auf der Fahrt in Richtung der Fläche, die zwischen der Rur und der Bundesstraße 56 liegt, da, wo die alte Bahntrasse Jülich-Stolberg verlaufen ist. Mohl spricht gerade davon, dass die Fläche eigentlich von Gebüschen bewachsen sein könnte. Ist sie aber nicht, weil sie eine alte Kiesbank ist, da, wo die Inde in die Rur mündet. Für mehr als Gräser biete der Boden nicht genügend Nährstoffe.

Problem mit wildem Camping

Auf dem Weg zu dieser Fläche sagt Mohl dann: „Ach ja. Das Ding. Das steht da schon Jahre.“ Das Ding ist ein zusammengeklappter Kran, das unter ihm sprießende Gras verrät, dass er schon lange da steht. Fast schon verwunderlich angesichts der Metalldiebe.

Dann erreicht er besagte einstige Kiesbank, auf der sich nur Gräser halten können. Im Sommer werde die Wiese schnell sehr trocken. „Vor ein paar Jahren gab es hier einen Großbrand, weil Camper ein Feuer gemacht hatten.“ Sowohl das eine als auch das andere ist dem Naturschutzgebiet verboten. Und wie zum Beweis findet Mohl wieder Spuren von Campern.

Wieder haben sie Feuer gemacht. Glücklicherweise hat es in den Tagen zuvor geregnet. Dafür haben die Camper fast alles liegen lassen: Luftmatratze, sogar das Zelt. „Das hier ist ein FFH-Gebiet“, sagt Mohl. Das heißt Flora Fauna Habitat und ist damit ein streng geschütztes Gebiet, in dem sich Tiere und Pflanzen ungestört entwickeln können sollen.

In dem Waldgebiet am Rand der alten Kiesbank ist das gelungen. „Das ist ein richtig ursprünglicher Wald“, sagt Mohl. Einer der Flecken, an dem Mensch und Natur nebeneinander und miteinander existieren, ohne sich zu stören. So sollte es sein. Daran arbeiten Idealisten wie Robert Mohl.