Inden: Mit der Bücherei verliert Inden ein Stück Kultur

Inden: Mit der Bücherei verliert Inden ein Stück Kultur

Das Haus der Hermanns selbst könnte schon als eine kleine Bücherei durchgehen. In Schränken, Regalen und Truhen bewahren die Eheleute Jutta und Willi unzählige literarische Schätze auf. „Lesen war schon immer mehr als ein Hobby für uns“, kommentiert Jutta Hermanns die Büchersammlung.

Bestätigt wird diese Aussage mit einem Blick auf das Engagement der 79-jährigen Indenerin: Seit nunmehr 43 Jahren leitet Jutta Hermanns die katholische öffentliche Bücherei der Pfarre St. Clemens — und zwar ehrenamtlich. Aus gesundheitlichen Gründen kann sie ihrer Tätigkeit nicht mehr nachgehen; die Bücherei muss deshalb mit Beginn der Weihnachtsferien geschlossen werden.

„Vorzeige-Bücherei“ war das Ziel

Anfangs hatte Jutta Hermanns nichts außer ihrem Willen und der Vorgabe der Fachstelle des Bistums Aachen, eine „Vorzeige-Bücherei“ zu eröffnen. „Ich hatte keine Bücher, keinen Namen, kein Geld — ich habe wirklich bei Null angefangen.“

Waren es zunächst nur eigene Kinderbücher aus dem Bestand der Familie, stehen heute über 2000 Bilderbücher, Bücher für Kinder und Jugendliche, Sachliteratur und mehr in den Regalen des einzigen öffentlichen Büchereiangebots der Gemeinde Inden.

Um das Sortiment zu erweitern, war Hermanns etwa auf Spenden und Zuschüsse angewiesen. Erwachsene zahlten dann 20 Cent und Kinder fünf Cent, um sich ein Buch für drei Wochen auszuleihen. Anhand der Besucher-Statistiken erhielt Hermanns jährlich einen Förderbetrag für die Bücherei.

Diese Einnahmen flossen häufig sofort in Vorlese-Aktionen, Buchausstellungen, Besichtigungen und natürlich in neuen Lesestoff. „Ich habe die Bücher immer selbst ausgewählt, je nachdem, was unsere Besucher interessieren könnte“, erinnert Hermanns sich an die besseren Zeiten ihrer Bücherei. „Wir hatten stets eine familiäre Atmosphäre. Es gab viele junge Helfer, und die Leute kamen gerne nach hier.“

Dem sei heute nicht mehr so. Seit der Umsiedlung 1998 verzeichnet Hermanns einen deutlichen Besucher-Rückgang: „Die zugezogenen Leute interessieren sich nicht so sehr für das gemeinschaftliche Leben im Dorf, und die Leute von früher sind größtenteils erwachsen und gehen ihrer Wege.“

Jeden Donnerstag von 14.30 bis 17.30 Uhr öffnet die — seit der Umsiedlung — „Bücherei der Pfarre St. Clemens und St. Pankratius Inden/Altdorf“. Am vergangenen Donnerstag hat kein Indener die einzige öffentliche Bücherei der Gemeinde aufgesucht.

Jutta Hermanns und ihre Helferinnen und Helfer haben zwar einiges versucht, um „die Leute bei der Stange zu halten“, sagt ihr Ehemann Willi Hermanns, doch alle Vorlesestunden und Werbeaktionen brachten nicht den gewünschten Erfolg.

Der 84-Jährige hat seine Frau bei ihrer Arbeit stets unterstützt und als Grundschulrektor immer wieder auch Schulklassen zu Aktionen in die Bücherei geladen. „Für uns beide waren immer die Begegnungen mit den Kindern das Schönste“, resümiert Willi Hermanns.

Mit Beginn der Weihnachtsferien wird Jutta Hermanns ihr Lebenswerk schweren Herzens schließen müssen, wenn sich kein Nachfolger findet. „Ich weiß nicht, was mit den ganzen Büchern passiert, und es geht auch ein bisschen Kultur in Inden verloren. Deshalb hoffe ich, dass sich noch jemand findet, der sich der Herausforderung annimmt, der ich selbst nicht mehr nachgehen kann.“

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