Kreis Düren: Mit dem Insektenstaubsauger gehen Forscher ins Feld

Kreis Düren : Mit dem Insektenstaubsauger gehen Forscher ins Feld

Mit einem kräftigen Ruck zieht Joyce Janssen am Starterseil eines Zweitakt-Motors. Sofort schallt dessen Röhren über die grünen Felder der Zülpicher Börde. Der Motor treibt einen Insektenstaubsauger an, den ihre Kollegin Alexandra Schieweling auf dem Rücken trägt.

Sie läuft einige abgezählte Schritte durch dichte Pflanzen, die ihr teilweise bis zum Gesicht ragen, und setzt das Ende des langen Saugschlauches auf den Boden. Durch die 15 Zentimeter breite Öffnung wird alles in einen weißen Beutel gesaugt, was da kreucht und fleucht. Die beiden Biologinnen sammeln stichprobenartig Insektenproben, um anhand derer die Menge der Biomasse zu messen. Ihr Ziel ist es, dass so viele Insekten auf den Feldern sind, dass gefährdete Vogelarten genug Nahrung finden und sich besser vermehren können.

Als offizieller Projekttitel heißt das: „Stabilisierung wertgebender Arten in der Zülpicher Börde“. Daran arbeiten die Biologischen Stationen von Düren, Bonn/Rhein-Erft und Euskirchen sowie die Landwirtschaftskammer NRW, finanziert von der Deutschen Stiftung Umwelt, noch bis 2020.

Bis dahin sollen nicht nur 130 landwirtschaftliche Betriebe beraten und großflächige Kartierungen der Brutvögel angefertigt werden. Ein Teil des Projektes ist auch, die Biomasse auf unterschiedlich bepflanzten Feldern zu wiegen. Dafür der Insektenstaubsauger.

Statt „D-Vac Sampler“ nennen Janssen und Schieweling das Gerät mit einem Augenzwinkern „Hansi“. Im Mai, Juni und Juli kommt er zum Einsatz, um auf 14 Flächen, die auf sieben verschiedene Arten bepflanzt sind, Proben zu nehmen. Darunter sind Kompensationsflächen für Windenergieanlagen, Vertragsflächen, auf denen Landwirte naturschutzfreundlich anpflanzen, und konventionelle Ackerfläche.

„Das hier ist eine der schönsten Flächen, hier blüht viel“, sagt Schieweling und lässt ihren Blick über Sonnenblumen, Margeriten, Wasserlilien, Borretsch und Ölrettich gleiten. Das Feld auf Vettweißer Gemeindegebiet, in Sichtweite zum Kreis Euskirchen, wurde erst vor wenigen Monaten eingesät. Hier landet viel in dem weißen Staubsaugerbeutel — zum Beispiel Kohlweißlinge, Schnaken und auch eine Biene.

Damit die nicht sticht, muss Schieweling vorsichtig sein, als sie den Beutel in das Glas entleert, das ihr Joyce Janssen hinhält. Darin ist schon ein in Essigäther getränktes Papier. „Die Insekten werden also einschlafen und dann nicht wieder aufwachen“, sagt Alexandra Schieweling.

Dass die Insekten getötet werden, könne man nicht schönreden, sagt sie bedauernd. „Das ist traurig, das kann ich verstehen, aber wir nehmen nur sehr punktuell Proben und leiten dann Maßnahmen ein, die nicht nur den Vögeln helfen, sondern auch den Insekten.“ Außerdem seien die Untersuchungen mit lebenden Insekten nicht möglich. Sie werden nämlich gewogen.

Populationen stabilisieren

Dann können die Spezialistinnen feststellen, auf welchen Flächen wie viel Biomasse vorhanden ist. Kombiniert mit den Ergebnissen der folgenden Jahre können sie dann auch die Entwicklung aufzeigen. Auf Basis der Ergebnisse können dann gezielte Maßnahmen dabei helfen, die Populationen von bestimmten Vogelarten nicht nur zu stabilisieren, sondern bestenfalls auch zu vergrößern. Konkret denken die Biologen dabei an Feldlerche, Grauammer, Rebhuhn, Schwarzkelchen, Wiesenpieper und Kiebitz.

Nach den ersten drei Monaten können Janssen und Schieweling noch nichts über die Menge der Biomasse sagen. So viel steht für Schieweling aber fest: „Wir haben ein Mosaik aus ganz vielen Maßnahmenflächen, die werden schon im ersten Jahr sehr gut angenommen.“