Erfolgskonzept: Mit dem Bürgerbus auf Tour durch Jülich

Erfolgskonzept : Mit dem Bürgerbus auf Tour durch Jülich

Im November 2015 hat der Bürgerbus seine Jungfernfahrt angetreten. Inzwischen hat sich die Ergänzung zum Öffentlichen Nahverkehr in Jülich etabliert. Aber die Organisatoren der ehrenamtlich betriebene Linie müssen auch mit Problemen kämpfen.

Es ist 13.16 Uhr. Der Bürgerbus fährt vor dem neuen Rathaus in Jülich vor. Die Passagiere warten bereits. Kaum steht der kleine Bus mit der gut erkennbaren Beschriftung still, springt Barbara Giesen vom Fahrersitz, um einen Rollator einzuladen. Zurück im Bus werden die neuen Fahrgäste freundlich begrüßt. Man kennt sich. Giesen kontrolliert die Fahrkarten und vermerkt alles im buseigenen Tablet. Ein kurzer Blick auf die Uhr und die Fahrt kann weiter gehen.

Seit 2015 ist der Bus im Betrieb und befördert Bürger für den unschlagbaren Preis von 1,50 Euro pro Fahrt von einem Ende Jülichs ans andere. Barbara Giesen ist seit dem zweiten Treffen des Bürgerbusvereins vor rund fünf Jahren an dem Projekt beteiligt. Sie ist Vorstandsmitglied, bringt den Bus zur Wartung und fährt selbst etwa zweimal im Monat eine Tour durch Jülich – alles ehrenamtlich. Das Projekt ist erfolgreich. Knapp 900 Fahrgäste befördert der Bürgerbus im Monat. Viele von ihnen sind Stammgäste. „Früher sind wir mit dem Taxi in die Stadt gefahren“, berichtet Anni Gaede. Sie und ihr Mann Werner wohnen in Jülich. Zwar haben sie noch ein Auto, möchten aber nicht mehr so oft selbst fahren. Stattdessen nehmen sie nun zwei bis drei Mal in der Woche den Bürgerbus. „Das ist wunderbar“, sagt sie.

Um auch weiterhin so gut bei den Bürgern anzukommen, arbeitet der Verein kontinuierlich an der Optimierung der Busroute. Während am Anfang ein Rundweg angedacht war, wurde in der Praxis schnell klar, dass die meisten Fahrtgäste so sehr lange unterwegs waren. Denn am häufigsten wird der Bus für Fahrten aus den Außenbezirken in die Innenstadt oder zurück genutzt. Deshalb, erklärt Giesen, sei die Route nun als eine Art Kleeblatt angelegt.

Barbara Giesen ist eine der insgesamt rund 42 Fahrer des Jülicher Bürgerbusses. Etwa zweimal im Monat fährt sie eine Tour. Foto: Kim Statzner

Aktuell hat der Bürgerbus auch mit Verspätungen zu kämpfen. Gründe hierfür seien, wie die Evaluation des Vereins ergeben hat, vor allem Baustellen und Veranstaltungen, die dazu führen, dass der Bus einen Umweg nehmen muss. Auch die hohe Anzahl an Fahrgästen insbesondere mit Gehhilfen, die vom Fahrer eingeladen werden müssen, hohes Verkehrsaufkommen und Hindernisse auf der Fahrbahn führen zu Verspätungen. Bei der nächsten Überprüfung der Route im Frühling 2020 sollen diese Faktoren mit einbezogen werden.

Während Senioren den größten Teil der Fahrgäste ausmachen, betont Giesen, würden auch junge Menschen und sogar einige Kinder das Angebot regelmäßig wahrnehmen: „Wir sind ein Bürgerbus, kein Seniorenbus“, sagt sie. „Wir haben zum Beispiel ein Kind, das nach der Schule alleine einsteigt und von seiner Mutter dann an der Bushaltestelle abgeholt wird.“ Auch der Bürgermeister fahre häufig mit.

Was den Bürgerbus am auffälligsten von seinen großen kommerziellen Brüdern unterscheidet, ist vor allem der persönliche Faktor. Die 42 ehrenamtlichen Fahrer des Vereins sind alles von Alleinunterhalter bis zum Fremdenführer. „Es wird nie langweilig,“ sagt Giesen. „Ich kenne meine Strecke im Schlaf, aber es gibt immer neue Menschen oder andere Dinge auf der Fahrt, die man entdecken kann.“

Flexibler als Linienbus

Dazu gehören leider auch die Stellen, an denen es noch nicht so recht funktioniert. Die Haltestelle am Marktplatz, da sind sich auch die Fahrgäste auf Barbara Giesens Tour einig, wird ständig zugeparkt. Auch Baustellen kosten immer wieder Zeit. Der Bürgerbus ist aber, unter anderem weil er kleiner ist, auch flexibler als ein Linienbus. „Wenn ich den Verkehr nicht behindere, also zum Beispiel in einer Parklücke stehe, kann ich Passagiere auch so herauslassen“, sagt Giesen. Das sei gerade für ältere Menschen mit Gehhilfe wichtig.

Damit der Bürgerbusbetrieb funktioniert, ist allerdings auch einiges an Bürokratie erforderlich. Bald müssen die ehrenamtlichen Fahrer zum Beispiel ihren Personenbeförderungsschein erneuern. „Diese Prüfung ist gar nicht so leicht“, erinnert sich Giesen. Auch deshalb ist der Verein ständig auf der Suche nach neuen Fahrern, um das Angebot aufrecht zu erhalten. Die Fahrzeiten für den einzelnen sind dabei überschaubar: Eine Tour dauert vier Stunden. Um diese aber sicher zweimal an jedem Wochentag und einmal samstags anbieten zu können, braucht es viele Fahrer. Außerdem muss sich um die Wartung des Busses gekümmert werden. Damit das auch weiterhin so gut funktionieren kann, braucht es viele Hände.

Mehr Informationen zum Verein und den Fahrplan für den Bürgerbus gibt es unter www.juelich.de/buergerbus. Sollte der Bus einmal nicht zu der auf dem Fahrplan angegeben Zeit erscheinen, werden Fahrgäste gebeten, die auf dem Fahrplan hinterlegte Telefonnummer anzurufen.

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