Jülich: Mit 80 wil Peter Nieveler nicht mehr „brasseln“

Jülich: Mit 80 wil Peter Nieveler nicht mehr „brasseln“

Großen Rummel wollte er nicht. Heimlich, still und leise ging der runde Geburtstag von Dr. Peter Nieveler am Mittwoch dann aber doch nicht über die Bühne. Der frühere Jülicher Bürgermeister ist 80 Jahre alt geworden. Klingel und Telefon in Selgersdorf standen phasenweise nicht still.

Es ist nicht selbstverständlich, dass der Jubilar heute sagt: „Ich leide nicht unter meinem Alter, weil es meiner Frau und mir gut geht.“ Im vergangenen Jahr gehörte der Mann, dessen Markenzeichen ein Hut war, zu den Jülichern, die von legionellenbedingter Lungenentzündung betroffen waren und einer der ersten Patienten im Krankenhaus Jülich mit Fieber „von fast 42 Grad“, wie er erzählt.

Erst mit der richtigen Antibiotika-Behandlung ging es ihm dann schnell besser. Einige Tage hatte es ernst ausgesehen. Der Philosoph und Philologe, der das rheinische Idiom schätzt, zog seine Lehren: „Ist es sinnvoll, immer weiter zu brasseln?“ Darauf legte er auch seinen letzten ehrenamtlichen Job (im Kirchenvorstand) nieder.

„Das war ein guter Entschluss im Angesicht des Alters. Früher war die Zukunft irgendwo dahinten. Jetzt ist sie direkt vor die Nase gerutscht.“ Mit Ehefrau Elfriede unternimmt er noch einiges. Zuletzt besuchte das Ehepaar Süddeutschland (München, Augsburg, Ulm), und Peter Nieveler erfüllte sich einen langgehegten Wunsch. Er machte einen Abstecher zum Kloster Beuron, das dem Benediktiner Rudolf Wolter im 19. Jahrhundert geschenkt worden war. Wolter war in Jülich zuvor Seelsorger und Leiter des Gymnasiums. Auf seine Spuren und die der kunstliebenden Mönche begab sich das Ehepaar Nieveler also nun 60 Jahre, nachdem Peter Nieveler den Entschluss dazu gefasst hatte.

Nach Brandt-Wahl in die CDU

Der Christdemokrat war fünf Jahre Fraktionschef seiner Partei im Stadtrat, ein Jahrzehnt Stadtratsmitglied und fünf Jahre Bürgermeister. Mitglied der CDU ist er 1972 geworden, „kurz zuvor hatte ich Willy Brandt gewählt“, sagt Nieveler mit verschmitztem Lächeln. Denn es ist kein Geheimnis, dass er in seiner Partei nie dem konservativen Flügel angehörte.

Beschäftigung hat er auch ohne Pöstchen reichlich. Der große Garten, akribische Wetteraufzeichnungen, die Regionalgeschichte des Rheinlands, aber vor allem: Bücher. Die Bibliothek des früheren Vize-Leiters des Mädchengymnasiums ist stattlich. Darin ein weiteres Steckenpferd: „7 Meter Goethe, können Sie messen.“ Der Vater von drei Töchtern und siebenfache Großvater will sich zur aktuellen Politik in Jülich nicht mehr äußern. Obwohl: Manchmal packt es ihn noch. Und die Debatte um den Standort einer notwendigen neuen Kindertagesstätte in Jülich bei 65 unversorgten Kindern versteht er nicht: „Können Sie mir mal sagen, was das soll?“

Er meint damit die noch nicht getroffenen Beschlüsse, um sogleich wieder ruhig zu werden. Der Bürgermeister-Wahl im September sieht er mit größtem Interesse entgegen. „Man kann nur hoffen, dass bei der Vielzahl an Kandidaten die für Jülich beste Möglichkeit herauskommt.“ Um lächelnd hinzuzufügen: „Wenn der derzeitige Bürgermeister mit kandidiert, wird es noch spannender.“ Er kann das in Ruhe beobachten.

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