Aachen/Jülich: Missbrauchs-Anklage: Peter D. „komplett unglaubwürdig“

Aachen/Jülich: Missbrauchs-Anklage: Peter D. „komplett unglaubwürdig“

Richter Roland Klösgen, der Vorsitzende der 5. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, widmete der Glaubwürdigkeit des Opfers und gleichzeitigem Zeugen, dem heute 15-jährigen Adoptivsohn des Angeklagten Peter D. (56), große Aufmerksamkeit.

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern war D. gerade zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden, er nahm das Urteil ohne sichtliche Regung hin, es fiel noch eineinhalb Jahre milder aus als von der Staatsanwaltschaft beantragt.

So bekundete die Kammer keinerlei Zweifel an den unter Ausschluss jeglicher Öffentlichkeit gegebenen Schilderungen des Adoptivsohnes. Das ist wichtig, weil der Angeklagte sich in seiner eigenen Version der Sache mit dem Argument hatte herausreden wollen, dass die von ihm zugegebenen sexuellen Handlungen an und mit dem Jungen erst zu Beginn von dessen Pubertät, etwa mit elf Jahren, begonnen hätten.

Die Anklage und auch das Gericht gehen aber von einem Beginn im Jahr 2007 aus, da war der Junge mal gerade sieben Jahre alt. Bei den sexuellen Handlungen sei die Initiative von dem Jungen ausgegangen, stilisierte Peter D. zu Beginn des Prozesses nach dem jüngsten Beispiel bekannter Politiker sich selber zum Opfer. Hierzu fand Klösgen deutliche Worte: „Nach unseren Erfahrungen in Missbrauchsfällen ist diese Einlassung des Angeklagten komplett unglaubwürdig.“

Mit Fug und Recht kann die Kammer von sich behaupten, umfangreiche Erfahrungen mit gleich gelagerten Missbrauchsfällen zu haben. Die Richter stellten weiter fest, dass der Angeklagte sehr wohl „initiativ“ bei den Übergriffen in seinem Bauernhaus in Merzenhausen war — und dies bereits, als das Kind sieben Jahre alt war. Peter D., der bisexuell sei, habe mit und mit einen Hang zu „jungen männlichen Sexualpartnern“ entwickelt. Das mache sich auch daran fest, dass er es bei dem älteren Bruder des Opfers versucht hatte, der lehnte das Ansinnen rigoros ab.

Die Zahl der sexuellen Missbräuche lag in der Anklageschrift bei mehr als 150 Einzelfällen, im Urteil blieben immerhin noch 100 als durch das Gericht nachgewiesen übrig — das langte zu der deftigen Freiheitsstrafe für Peter D.