Jülich: Meyburginsel Jülich: Seit 40 Jahren Warten auf die Abrechnung

Jülich : Meyburginsel Jülich: Seit 40 Jahren Warten auf die Abrechnung

Wenigstens 15 Hausbesitzer haben noch eine Rechnung offen mit der Stadt Jülich. Eine ziemlich alte Rechnung — bis zu 39 Jahre alt. So lange ist es her, dass sich die ersten Familien auf dem damals neuen Baugebiet Meyburginsel niedergelassen haben. Und seitdem warten sie auf die Abschlussrechnung für die Erschließungskosten.

Die Jülicher Stadtverwaltung müsste sie erstellen, tut es aber nicht, weil das Baugebiet rechtlich und planerisch immer noch nicht fertig ist.

Das ärgert offenbar viele Eigentümer in dem Viertel, die nicht wissen, ob sie nach ihren beim Bau geleisteten Vorauszahlungen noch nachzahlen müssen oder vielleicht Geld zurückbekommen. „Im nächsten Jahr soll das geschehen“, sagt Heinz-Günter Ervens, der Leiter des Bauverwaltungsamtes der Stadt. Dann soll der Rat das Baugebiet Meyburginsel, Tilgenkamp­straße und Peter-Linnartz-Straße für abgeschlossen erklären.

„Hätten wir die Erschließungskosten irgendwann vorher abgerechnet, dann wäre das unfair gewesen gegenüber denen, die früher gebaut haben. Sie hätten die Kosten dann alleine tragen müssen. Die, die nach der Abrechnung gebaut haben, hätten keine Erschließung bezahlt.“ Gleichwohl räumt Ervens ein, dass das Baugebiet rund um die Meyburginsel ein Sonderfall ist. „Eine solche Altlast kenne ich sonst nicht“, sagt der Mann mit 35 Jahren Verwaltungserfahrung. Der Grund dafür, dass die Rechnung seit fast 40 Jahren offen ist: Der Bebauungsplan sei immer wieder geändert worden, wenigstens ein Dutzend Mal, sagt Ervens. Jede Planänderung habe das Abrechnen verzögert.

Christel und Klaus Krafft, Ma­rianne und Rudolf Dreesen, Giny und Martin Marquardt sowie Gerlinde und Wolfgang Oberhoff lachen mittlerweile meistens, wenn sie hören, dass die Rechnung bald kommen soll. Das gehe ihnen so, und wenigstens elf weiteren Parteien, von denen sie wissen. Deswegen wenigstens 15 Hausbesitzer.

Nicht zum ersten Mal

Giny Marquardt zeigt ein Schreiben der Stadt Jülich von 2008, in dem erklärt wird, dass die Abrechnung aufgrund der vielen Unterlagen nicht mehr im selben Jahr erfolgen könne, sondern 2009. „Das war ja nicht das erste Mal. Und nicht das letzte Mal“, sagt Marquardt. Wolfgang Oberhoff wirft ein, dass seine Frau und er sich „verarscht“ fühlen, sie merkt an, dass „sich kein Geschäftsmann so etwas erlauben“ könne.

Die Situation der Oberhoffs ist komplizierter als die der Eigentümer, die damals gebaut haben und noch heute dort wohnen.

Die Oberhoffs haben Grundstück und Haus gekauft von den Erben der Erbauer. Die wissen nicht, in welcher Höhe Erschließungskosten beim Bau des Hauses bezahlt wurden. Deswegen haben die Oberhoffs einen Teil des Kaufpreises auf einem gesonderten Konto eingefroren. Einen Kleinwagen könnte man von der Summe neu kaufen. „Unsere Verkäufer und wir wüssten schon gerne, was jetzt Sache ist“, sagen die Oberhoffs.

Alle — die Marquardts, Oberhoffs, Dreesens und Kraffts — haben die Sorge, dass die Verwaltung entweder den Überblick oder wichtige Dokumente verloren haben könnte. Sie befürchten sogar, dass die Stadt die Erschließungskosten zweimal kassiert haben könnte. Einmal von ihnen und dann noch mal von späteren Generationen an Bauherrn. Ervens widerspricht: „Die Vorauszahlungen sind trennscharf für jedes Grundstück berechnet worden. Die Erschließungskosten für die nicht bebauten Grundstücke sind immer bei der Stadt geblieben.“

Jetzt fehle laut Ervens ein Ratsbeschluss, mit dem festgelegt wird, dass ein ursprünglich geplanter befestigter Weg nicht gebaut wird, weil er nicht benötigt werde. Dann könne das drei Straßenzüge umfassende Baugebiet planerisch abgeschlossen und die Abschlussrechnungen in Angriff genommen werden. Letzteres aber nicht sofort. Schließlich dauere es vermutlich noch ein paar Monate, bis andere derzeit in der Mache befindliche Abschlussrechnungen fertig sind.

„Dann brauchen wir möglicherweise noch ein halbes Jahr, um die Meyburginsel abzuschließen“, erklärt Ervens. Schließlich sei so viel zu berücksichtigen. Die bereits geleisteten Vorauszahlungen, die Grundstücksgröße, die Zahl der Etagen, eine mögliche gewerbliche Nutzung. „Diese Abschlussrechnung wird ein Großprojekt“, sagt Ervens.

Eines, das im kommenden Jahr abgeschlossen werden soll. Das hat Bürgermeister Axel Fuchs den Eigentümern jetzt zugesagt.