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Jülich: Menschliches mit gutem Schuss Zynismus

Jülich : Menschliches mit gutem Schuss Zynismus

„Ich bin´s Nuhr” - mittlerweile kennt diesen Nuhr jeder, und wen wundert es, dass seine Vorstellung im Jülicher Brückenkopf-Park bereits Wochen im voraus ausverkauft war.

Dieter Nuhr ist unter Comedy- und Kabarettfreunden längst kein Geheimtipp mehr. Man muss ihn einfach einmal live gesehen und erlebt haben.

In die Grube

Auch in Jülich wissen seine Fans seinen feinsinnigen Humor und seine verzwickten Gedankengänge zu schätzen. Stets auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, lässt er sich von seinen Zuhörer gerne begleiten, um ihnen dann deutlich vor Augen zu führen, dass alle Wege des Menschen eigentlich nur ein Ziel haben - die Grube.

So steht er dann auf der Bühne, philosophiert mit leiser Stimme, scheinbar völlig in Gedanken verloren über das Menschsein an sich und im Besonderen. Wie war das mit der Entwicklung vom Primaten zum Menschen? Und musste das überhaupt sein?

Es sind Fragen, die die Menschheit bewegen, für die er hier eine Lösung suchte, denn wer hätte nicht gerne eine Erklärung dafür, warum die Tiere abends im Zoo bleiben dürfen, und wir nicht.

So ist er intensiv auf der Suche nach Lebensinhalten, den Unterschieden und manchmal auch Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier, und Mensch und Mensch. Nebenbei erfährt der staunende Zuhörer, dass das Gedächtnis einer Fliege gerade einmal über 0,7 Sekunden reicht. Und dies ist auch schon die Gemeinsamkeit, die Mensch und Fliege haben. „Beide begreifen nichts, der Mensch aber auf einem höheren Niveau.”

Doch eins bewegt Nuhr am meisten, der ewig alte Geschlechterkampf. Geklärt werden muss natürlich auch die Frage, ob Fußball Kultur ist und wie sich Fußball und Partnerschaft vereinbaren lassen.

Nuhr betrachtet alles von der menschlichen Seite, um am Ende mit einem zynischen Rat aufzuwarten. „Wollen Sie wirklich wissen, wie der Mensch ist, besuchen Sie keine Kulturveranstaltung. Fahren Sie Autobahn oder sehen sie mittags fern.”

In Jülich startete Nuhr übrigens einen Versuchsballon für sein neues Programm. Noch hatte er einen Spickzettel zur Hand, den er hin und wieder zu Rate ziehen musste.

Dies tat seiner Show aber überhaupt keinen Abbruch, und sicherlich hatten es die rund 1400 Besucher nicht bedauert, für ihn ein Fußballländerspiel zu opfern.