Jülich: Menschen mit Handicap willkommen

Jülich: Menschen mit Handicap willkommen

Wie kann eine Stadt für die Belange von Menschen mit Behinderungen sensibilisiert werden? Kreativ ging der Arbeitskreis für ein inklusives Jülich (AKI) dieser Frage nach und setzt seit 2010 eine Idee um.

Der AKI zeichnet barrierefreie Geschäfte, Hotels, Praxen, Schulen, öffentliche Einrichtungen oder Restaurants im Stadtgebiet mit einem Gütesiegel aus. Am UNO-Welttag der Menschen mit Behinderung fand nun die vierte Signet-Verleihung im Jülicher Kulturbahnhof statt.

„Die ausgezeichneten Restaurants und Einrichtungen sind bereit, ihre Räumlichkeiten barrierefrei zu gestalten“, sagte die Sprecherin des AKI, Beate Dagmar Wirth-Weigelt. Damit ermöglichen sie Menschen mit Handicap eine angemessene Teilhabe am öffentlichen Leben. Bürgermeister Axel Fuchs erklärte es noch deutlicher: „Es macht ja keinen Sinn, wenn wir den schönsten Raum im dritten Stock haben, aber keiner dahin kommt.“

Das Signet wurde von Stammhaus-Mitgliedern entworfen und enthält den Schriftzug „Menschen mit Handicap — herzlich willkommen!“ Im Laufe der Jahre — das Projekt startete 2010 — verlieh der Arbeitskreis rund 100 Geschäften, Praxen, Lokalen und Einrichtungen das Gütesiegel. „In der Stadt können wir es mittlerweile an vielen Geschäften sehen“, so Axel Fuchs.

Vorausgegangen ist eine Fragebogenaktion. Der AKI schickte 80 Fragebögen an Jülicher Hotels, Pensionen, Restaurants, Gaststätten, Imbisse und Cafés. 20 Exemplare kamen zurück. Zehn Betriebe erfüllten die Kriterien. Wichtig sei nicht nur die barrierefreie Gestaltung der Räumlichkeiten, auch der freundliche, hilfsbereite und respektvolle Umgang mit Menschen mit unterschiedlichsten Einschränkungen gehörte zu den Merkmalen. Letztlich werden dadurch Verbesserungen für die gesamte Bevölkerung geschaffen, insbesondere auch für Familien mit Kindern und Senioren.

Sabine Oster von Schwahn Optik stellte den Zertifizierten kostenfrei eine Leselupe zur Verfügung - ein Hilfsmittel für Menschen mit einer Sehleistung unter 20 Prozent. „Wenn von Barrierefreiheit gesprochen wird, haben die meisten Menschen nur die sichtbaren Barrieren vor Augen“, weiß Sprecherin Wirth-Weigelt. Doch eine Lernbeeinträchtigung sei nicht sichtbar, auch eine Sehbehinderung nicht sofort zu erkennen.

Der Arbeitskreis für ein inklusives Jülich zeichnete anschließend das Science College und das Tagungszentrum Franz-von-Sales-Hof in Haus Overbach aus, das Café Pasqualini in der Wohnanlage „An der Zitadelle“, den Kulturbahnhof Jülich, die Bürgerhalle des Dorfgemeinschaftsvereins Koslar, Vincents Palmengarten im Technologiezentrum, das Restaurant „Zur Velau“ in Barmen, die Pizzeria-Trattoria „La Strada“, das Pizza-In, die JUFA Jülich und das Asiatische Bistro Truong Van Minh.

Im Anschluss an die Zertifizierung zeigte der AKI in Kooperation mit dem KuBa-Kino den Film „Verstehen sie die Béliers?“. Weitere Information zu der Signet-Aktion erteilt Beatrix Lenzen vom Amt für Familie, Generation und Integration unter Telefon 02461/63239.