Jülich: Massmann: Jülichs ältestes Transportunternehmen

Jülich: Massmann: Jülichs ältestes Transportunternehmen

„Firma Massmann, Hirsch am Apparat. Was kann ich für Sie tun?“ Ununterbrochen klingelt beim Disponenten der Firma Massmann, Baustoffe-Transporte, Markus Hirsch das Telefon. „Er muss rund 50 Fahrzeuge am Tag dirigieren“, sagt Herbert Massmann, Seniorchef. Ihm gegenüber am Schreibtisch sitzt Sohn Ingo, seit 2006 Geschäftsführer des Unternehmens. Das wurde 1953 gegründet und ist damit das älteste Transport-Unternehmen der Region.

In der übernächsten Woche werden sie wieder für einen Tag das Straßenbild in der Jülicher Innenstadt bestimmen. Die blauen Vierzigtonner mit dem großen unübersehbaren Logo des Jülicher Transport-Unternehmens mit dem Firmensitz im Jülicher Gewerbegebiet Königskamp. Über die Kölnstraße fahren die Lkw zum Schlossplatz, wo ab dem Donnerstag wieder der DKB-Beach-Volleyball-Cup auf drei Spielfeldern ausgetragen wird.

Herbert Massmann war einer der ersten Unternehmer, die sich im Gewerbegebiet Königskamp niederließen. Ein Stein erinnert am jetzigen Firmensitz an das Gründerdatum im Jahre 1953.

An drei Tagen entscheidet sich dort, welche Damen- und Herren-Mannschaft die offizielle NRW-Beachvolleyball-Meisterschaft gewinnt. „Und damit die vernünftig spielen können, liefern wir den entsprechenden feinen Quarzsand“, berichtet Herbert Massmann, dessen Gefährte dann knapp 500 Tonnen Sand auf dem Schlossplatz aufkippen werden. Geholt wird dieser in Frechen, 20 Sattelzüge bringen ihn dann in die Herzogstadt. Und werden dann auch von Massmann abgeholt. „Das machen wir kostenlos, wir unterstützen die Organisatoren gerne“, betont Ingo Massmann, der im Jahre 2006 die Firma von seinem Vater übernahm.

Vater nie kennengelernt

Der wurde 1941 in Jülich geboren, der Vater kehrte aus dem Krieg nicht zurück. „Ich habe ihn nie kennengelernt“, sagt der Seniorchef, erinnert an den Firmengründer Karl Massmann, der am 3. November 1953 das Transport-Unternehmen in der Herzogstadt gründete. Wenn man sich für Handballsport interessiert, speziell den, der früher in Jülich gespielt wurde, dann taucht immer wieder der Name eines begnadeten Torhüters Herbert Thevißen auf. „Ja, das bin ich, ich wurde damals von Käthe, meiner Tante und dessen Mann Karl Massmann adoptiert.“

Das war nach der Schulzeit, denn immer wieder wurde Herbert, der in der Firma Massmann arbeitete, als „Herr Massmann“ angesprochen. Dies ging Ziehvater Karl dann sozusagen gegen den Strich. Aus Thevißen wurde Massmann. „Es gibt nur noch einen einzigen Schulfreund, der mich aus gemeinsamen Zeiten immer noch Thevi nennt“, schmunzelt Herbert über seinen Schulfreund Helmut Lohn. Im Jahr 1962 wurde Herbert dann der Chef des Unternehmens, das schon bald expandierte, als einer der ersten in das Gewerbegebiet Königskamp umsiedelte, wo man ein rund 6000 Quadratmeter großes Areal bezog, dort nicht nur moderne Büroräume, sondern auch Lagerhallen, Werkstatt, eigene Tankstelle und die entsprechenden Boxen für Kies, Sand oder zum Beispiel Splitt baute.

Teurer Führerschein

Und natürlich Aufenthaltsräume für 30 Fahrer und entsprechend viele Transport-Fahrzeuge. Von denen hat Herbert Massmann in den letzten zehn Jahren keines mehr bewegt — allenfalls nur noch auf dem Firmensitz. „Ich habe meinen Führerschein nicht mehr verlängert.“ Dass dies alle fünf Jahre passieren muss, erwähnt Ingo Massmann so beiläufig, als gerade wieder ein großer Silozug für den Transport von Zement das Gelände ansteuert. Apropos ansteuern. Das Transportgewerbe leidet unter Nachwuchsmangel bei den Fahrern, gerade bei Speditionen, die ständig unterwegs auf Achse sind. Das berichtet der Juniorchef.

„Ein entsprechender Führerschein kostet zwischen 6000 und 7000 Euro, eine Menge Geld.“ Gott sei Dank, so Herbert Massmann, „haben wir alle unsere Fahrzeuge mit guten Fahrern besetzt“. Was er auch darauf zurückführt, dass ja alle Fahrer abends wieder auf dem Gelände sind, nicht Tage lang, wie im Fernverkehr, unterwegs seien. Dafür müssen jeden Tag 30 Fahrzeuge disponiert werden, von Markus Hirsch. Der hat für Kleinkunden, die nur ein paar Kubikmeter Sand, Erde oder Kies brauchen, ebenso ein offenes Ohr wie für Großkunden.

Da redet man dann jährlich von rund 50.000 Kubikmetern Kalkstein, der in Belgien geholt wird, dann in der hiesigen Zuckerfabrik abgeliefert wird. Im Gegenzug liefert Massmann dann Sand für die Betonindustrie ins Nachbarland. „Den gibt es dort nicht, denn der dortige Sand ist salzhaltig, kann für die Betonproduktion nicht verwendet werden.“ Herbert Massmann weiß sein Lebenswerk in guten Händen, schaut natürlich morgens immer noch vorbei . „Damit ich hier in Ruhe die Tageszeitung lesen kann“, lacht der 77-Jährige.

Natürlich wird er von Sohn Ingo auf den „neuesten Stand gebracht. Aber ich werde auch noch eingespannt, indem ich Ersatzteile hole oder mich anderweitig nützlich mache.“ Schüttgut, und dies wird ausschließlich vom Jülicher Transportunternehmen transportiert, hat das Leben von Herbert Massmann bestimmt. Und wird es auch weiterhin tun. Wie jetzt aktuell beim Beachvolleyball-Cup, wo rasante Ballwechsel die Zuschauer sicherlich wieder begeistern werden. An drei Tagen bei freiem Eintritt.

(hfs.)
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