Aldenhoven: Martinus-Aktion: Zuwendung für Menschen in Not

Aldenhoven: Martinus-Aktion: Zuwendung für Menschen in Not

„Unser Martinsfest soll mehr als Brauchtum sein“, zog Charles Cervigne im ökumenischen Gottesdienst das Fazit einer Veranstaltung, die seit 41 Jahren dem Inhalt der Legende über die Mantelteilung des heiligen Martinus voll entspricht, nämlich Armen und Bedürftigen zu helfen.

Dennoch ist St. Martin auch ein Fest der Kinder und für Kinder. Am Samstag zogen sie von Kindergärten und Grundschule im Fackelzug gemeinsam zum Römerpark, wo Martinus das Feuer entzündete. Singend kehrten sie zurück zur Kirche, um anschließend das Spiel von der Mantelteilung zu betrachten. Für sie gab es das traditionelle Martinsbrötchen. Danach weilten viele Zugteilnehmer dank des spätsommerlichen Wetters noch lange auf dem reich bestückten Martinus-Markt vor und im katholischen Pfarrheim.

Beim ökumenischen Gottesdienst am Sonntagmorgen zündete Doris Werner, die Vorsitzende des Martinus-Vereins, die weiße Kerze auf der riesigen Weltkarte im Hintergrund des Altars im Osten Südamerikas an, wo Ekuadors Hauptstadt Quito liegt.

Hier befindet sich das Zielprojekt für die Martinus-Aktion 2015, „Arbol, ein Ort der Geborgenheit“, für Straßenkinder eine Alternative und Perspektive für die Zukunft. Mit Einheimischen widmet sich der in Kempen gegründete deutsche Verein „Arbol de la Esperanza“ diesem Projekt, das aus Wohngruppen für Kinder und Jugendliche besteht, die von Verwahrlosung und Gewalt bedroht werden. Hier erfahren sie Zuwendung, Geborgenheit, Lebensfreude.

Zwei junge Menschen aus Kempen schilderten das Leben der Jugend in Quito und stellten die von Arbol ausgehenden Hilfen vor. Thomas Uerlichs erinnerte an die Episode aus der Legende des hl. Martinus und fragte sich, was er heute erleben würde, wenn er durch Quito reite.

Charles Cervigne antwortete: „Wir haben nur einen Mantel, den wir teilen können, der aber nicht reicht, um die Nöte in der ganzen Welt zu heilen.“ Cervigne forderte Rechte für alle Menschen in der Dritten Welt, die in Not und Armut leben. Und weiter „Wir fordern auch Rechte für die Flüchtlinge, die zu uns kommen, besonders an dem heutigen Tag, wo in Linnich gegen diese Menschen demonstriert wird.“

Als Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen in Not und als Symbol für die Mantelteilung brachten Kinder und Erwachsene Stoffstreifen und flochten sie in einen Webrahmen zu einem bunten Teppich oder Wandbehang, während die Gruppe „Natural Voice“ dazu Gesangsbeiträge beisteuerte.

Das gemeinsam gesungene Lied „Keinen Tag soll es geben, dass du sagen musst, niemand ist da, der mir die Hände reicht“, leitete zum Opfergang über. Jeder Spender erhielt eine Miniaturausgabe des „Baumes der Hoffnung“ als Erinnerung. Ganztägig ging das Fest weiter mit einer Ausstellung in der Krypta, die auch das Projekt Arbol skizzierte, und im Pfarrheim und auf dem Martinus-Markt.

(gre)
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