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Linnich: Marian Mertens verstärkt das Seelsorger-Team in Linnich

Linnich : Marian Mertens verstärkt das Seelsorger-Team in Linnich

Auf dem Balkon stapeln sich noch die leeren Umzugskartons und auch die Wohnung sieht noch nicht so aus, wie Marian Mertens sich sein neues Domizil vorstellt, doch der 38-jährige Priester, der demnächst sein 39. Lebensjahr vollendet, ist nach dem Umzugs-Wochenende in Linnich angekommen. Hier findet er ein neues Wirkungsfeld als Seelsorger.

Dass Bischof Dr. Helmut Dieser einen jungen Priester in das Städtchen an der Rur entsenden würde, damit hatten vermutlich weder Pfarrgremien noch Gläubige gerechnet, denn das Pfarrhaus ist längst verkauft. So bediente sich Mertens auf dem freien Wohnungsmarkt und fand eine passende Bleibe mit Blick auf die Linnicher Kirche St. Martinus.

Der Geistliche, Jahrgang 1979, wurde in Heinsberg geboren und wuchs im Wassenberger Wallfahrtsort Ophoven nahe der Rur auf. Nach dem Abitur am Kreisgymnasium Heinsberg nahm Mertens zunächst ein technisches Studium auf. Er entschied sich für Vermessungswesen, das er an der Fachhochschule in Karlsruhe studierte. „Ich war schon als Kind ein Kartenwurm“, schildert er seine Entscheidungsfindung, „und hatte großen Spaß daran, Landkarten abzumalen“.

Dabei habe er sich ein gutes Orientierungsvermögen zugelegt. Bis heute habe er große Freude daran, beispielsweise bei Bergwanderungen ausgeklügelte Wegstrecken zu finden. Er gehe dabei ganz klassisch an diese Aufgabe heran mit Landkarte, Kompass und Höhenmesser.

Während des Studiums sei indes immer häufiger der Gedanke in ihm aufgeblitzt, ob die Glaubensvermittlung für ihn nicht der richtigere Weg wäre. „Die Botschaft Jesu ist es wert, weitergetragen zu werden“, lautet Mertens‘ Credo.

Um das Für und Wider einer Priesterausbildung für sich zu klären, nahm Marian Mertens 2004 unmittelbar nach Studienabschluss das Studium der Theologie auf und trat gleichzeitig ins Bonner Priesterseminar ein. Sich selbst nicht zu sicher fühlen und offen bleiben in der Frage, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist, begleiteten auch Zweifel den angehenden Seelsorger, der in diesem Zusammenhang auch von „kurzen Tiefs auf dem Weg“ spricht. In solchen Phasen seien gute geistliche Begleiter wichtig gewesen, sagt Mertens.

Die Entscheidung für einen geistlichen Beruf haben zwar seine Eltern und Teile des privaten Umfelds zunächst überrascht reagiert, aber niemand habe versucht, ihm das auszureden, habe der Entschluss letztlich breite Akzeptanz gefunden, erzählt der Geistliche.

Für den Spätberufenen war dieser Weg am Ende offensichtlich der richtige, denn im März 2009 erfolgte seine Weihe zum Diakon, am 22. Mai 2010 schloss sich die Priesterweihe im Hohen Dom zu Aachen an.

Stets ein Vorbild auf diesem Weg war der im November 2009 verstorbene Pfarrer Willy Steinrath, der mit seiner Glaubensvermittlung nicht nur Marian Mertens begeisterte und für diesen ein Vorbild in Fragen der Authentizität war.

„Er hat gelebt, was er gepredigt hat“, fühlt er sich bis heute seinem Leitbild eng verbunden, der die spätere Priesterweihe seines Schützlings allerdings nicht mehr erlebte.

So wie der Seelsorger zu einem eigenen Bezug in Fragen des Glaubens gelangt ist und sich für die Gewissheit begeistert, „dass es mehr gibt, als wir wahrnehmen“, will er künftig den Gläubigen in Linnich Orientierung geben auf ihrem Lebensweg. So hat Marian Mertens das Wochenende auch dazu genutzt, um sich in seiner neuen Umgebung einzufinden.

Dazu hat der begeisterte Radler Karte und seinen Drahtesel genommen, um sich in den Orten des ehemaligen Dekanates Linnich umzusehen. „Linnich passt gut zu dem Umfeld, in dem ich aufgewachsen bin“, sieht der Seelsorger Ähnlichkeit zu seinem nahe gelegenen Heimatort und ist auch zuversichtlich, dass „die Menschen hier ähnlich ticken“.