Jülich: Manche Arbeiter sind bei der Hitze dankbar für jede Abkühlung

Jülich : Manche Arbeiter sind bei der Hitze dankbar für jede Abkühlung

Schön ist, wenn man die heißen Tage im Freibad verbringen kann. Weniger schön ist, wenn man arbeiten muss. Gar nicht schön, wenn der Arbeitsplatz dazu noch sehr warm ist. Dachdecker zum Beispiel können der Sonne oft nicht aus dem Weg gehen.

„Wir können uns ja nicht aussuchen, wo wir arbeiten. Manchmal hat man halt keine Chance“, erklärt der Aldenhovener Dachdeckermeister Norbert Cremer. Aber an einem der bisher heißesten Tage des Jahres haben er und sein Team noch verhältnismäßig Glück mit ihrer Baustelle in der Aachener Innenstadt, denn die liegt in einem Innenhof — und die Sonne (noch) hinter den Häusern. Erst nach dem Mittag wird sich die Baustelle direkt aufheizen, dann werden Cremer, der Auszubildende Eugen Becker und der Geselle Sebastian Richter aber schon im Feierabend sein.

Bereits am Vormittag zeigt das Thermometer 28 Grad an, und kein Windchen weht, das die stehende Luft ein bisschen durchwirbeln könnte. „Für unseren Job gibt es eigentlich kein Wetter. Zu warm ist doof, zu nass aber auch.“

Ab 14 Uhr Feierabend

Während Cremer und seine beiden Kollegen Holzplatten für einen tragfähigen Dachuntergrund ausmessen, zurecht sägen und anschließend verlegen, werden die Schweißperlen auf den Gesichtern immer größer. Ein bisschen Einfluss auf ihre Arbeitsbedingen, gerade bei Privatkunden, haben sie schon, erklärt Cremer. So würden sie die Haupthitze ab 14 Uhr vermeiden und arbeiten schon ab 7 Uhr auf dem Dach. „Natürlich macht man sich dann bei den Anwohnern keine Freunde, wenn man um halb acht die Säge anmacht, aber wir müssen ja was schaffen“, sagt Cremer.

Mitgefühl bei dem Wetter von Nachbarn und Bauherren gebe es schon ab und zu — die Freude über eine angebotene Erfrischung gerade bei den Wetterbedingungen fällt dann umso größer aus.

Auf der Baustelle stehen für das Team meist zwei große Sechserträger mit 1,5 Literflaschen bereit. „Ich selbst schwitze sehr viel. Daher trinke ich nicht am Vormittag, weil sonst direkt der Schweiß kommt. Nach so einem Arbeitstag in der Sonne bin ich schon um rund fünf Liter leichter“, sagt Cremer.

Einige Kollegen tragen bei praller Sonne auch Kappen oder Tücher auf dem Kopf, um sich vor der Sonne und perlendem Schweiß wenigsten etwas zu schützen. „Es ist schwer, sich an die Hitze zu gewöhnen. Ich kann eigentlich immer besser mit Kälte umgehen“, sagt der Dachdeckermeister. Auf zwei, drei Wochen Wärme könne man sich ganz gut einstellen, „aber wenn es so ist wie jetzt, und es mehr Hitzewellen gibt, die lange anhalten, haben wir wenig Erholung.“ Da ist es auch verständlich, dass ein entschiedenes „Nein!“ auf die Frage folgt, ob er noch die Abendsonne genießen könne.

Der 55-Jährige versucht, selbst nicht mehr so oft auf den Dächern zu arbeiten. „In dem Beruf ist mein Alter schon recht hoch. Der Körper wird sehr beansprucht und das merkt man auch.“ Gerade bei dem Wetter ist die Belastung besonders hoch. Urlaub ist da verdient. Aber auch auf den nimmt die Hitze Einfluss: „Wenn es jetzt so heiß ist, dann guck ich schon nach kühleren Orten“, sagt Cremer schmunzelnd.

Einen solchen hat Judith Pitz am Dienstag noch aufgesucht. „Einfach die Füße in den Pool“, erklärt die 21-Jährige aus Jülich, wie sie sich abkühlen will. Das ist nötig, denn kurz zuvor war es heiß. Pitz ist Feuerwehrfrau in Jülich. Und Dienstag war sie im Einsatz. In voller Montur, 30 Kilogramm wiegt die und ist dunkel. An Tagen wie diesem eine verhängnisvolle Kombination. Nass geschwitzt sei man eigentlich schon, wenn man den Hitzeschutz an so heißen Tagen nur anzieht.

„Da fragt man sich schon, warum man sich das bei den Temperaturen antut“, sagt die Studentin, die Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr ist. „Vor allem unter der Atemschutzmaske schwitzt man an solchen Tagen brutal“, berichtet Pitz. Laufen, löschen und retten — mit der dunklen Montur, die vor Feuer schützt, ist das bei 38 Grad eine besondere Herausforderung. Eine, die sein muss als Schutz gegen die noch viel heißeren Flammen.

Die Statistik zeigt: Wir haben den drittwärmsten Juli seit 1891.