Barmen: Mädel mit Handys haben die Roboter im Griff

Barmen: Mädel mit Handys haben die Roboter im Griff

Spinnengleich bewegten sich zwölf selbst gebaute Roboter über ein schmales Aktionsfeld, tanzten oder reagierten auf das rhythmische Fußstapfen ihrer Erbauerinnen. Zum Ausgangsstandort zurückgekehrt, winkten sie mit ihrem beweglichen Arm.

„Mädchen und Technik geht gar nicht. Warum zum Teufel”? Diese rhetorische Frage stellte Wolfgang Gollub als Vertreter des Hauptsponsors zur Abschlusspräsentation des 100. Roboter-Workshops „Go4IT” im Forum des Science College Overbach. Gollub ist Leiter der Nachwuchssicherung beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall und Projektleiter der Initiative „Think ing” in Berlin. Aufgrund des riesigen Workshop-Erfolges kündigte Projektleiterin Dr. Hiltrud Westram eine Version für Fortgeschrittene im kommenden Herbst an.

Technik und Selbstvertrauen

Über 1200 Kinder und Jugendliche, davon 80 Prozent Mädchen, aus Gymnasien, Gesamt- und Realschulen nahmen insgesamt an den Roboter-Workshops des Lehr- und Forschungsgebietes Informatik 9 der RWTH Aachen teil. Zielgruppe sind Schülerinnen der sechsten und siebten Klassen. Sie sollen dazu angeregt werden, sich mit Technik und Programmierung zu beschäftigen und Selbstvertrauen in technischer Gestaltung erlangen. Als Basis diente ein zweitägiger Einsteigerworkshop in der Schule, zur Vertiefung wurde den Kursteilnehmerinnen ein weiterführender Aufbaukurs am Science College in Barmen angeboten. Die eindrucksvolle Abschlusspräsentation der 24 Mädchen aus der Region Aachen-Düren-Erft stellte weibliche Begeisterungs- und Leistungsfähigkeit im technischen Bereich unter Beweis: In Zweiergruppen hatten die Mädchen jeweils aus mehr als 200 Lego-Teilen einen Roboter gebaut, ihn programmiert und ihm einen Namen gegeben.

Zwei der drei Reifen und ein beweglicher Arm werden von einem Motor angetrieben und verfügen über vier Sensoren: Der Touchsensor nimmt Berührungen wahr, der Soundsensor nimmt Geräusche auf und gibt sie wieder ab. Der Lichtsensor kann zwischen Schwarz und Weiß unterscheiden, und der Ultra-Schall-Sensor dient dazu, Gegenstände aus einer angegebenen Entfernung wahrzunehmen. Nach Bekunden von RWTH-Betreuer Thiemo Leonhardt hatten die Teilnehmerinnen beim viertägigen Workshop „das Medium gewechselt”: Sie hatten sich einen Tag lang ausschließlich mit ihren zur Verfügung gestellten Smart-Phones auseinandergesetzt, Variablen, Verzweigungen und logische Verknüpfungen studiert und so den Roboter selbst programmiert.

Mehr als eindrucksvoll gestaltete sich so die per Handy gesteuerte Vorführung der „Germans next top roboter” mit diversen Spontaneinlagen vor den Familien der Teilnehmerinnen. In kleinem Spielszenen: „Die Roboter machen auch, was sie wollen...”, integrierten die Mädchen das Publikum. Zuschauer waren eingeladen, per Smart-Phone die Roboter zu bewegen.

„Alles macht Spaß”, begeisterte sich die 12-jährige Olivia aus der 6. Klasse eines Stolberger Gymnasiums, die bereits am Grundlagenkurs teilgenommen hatte: „Wir wussten gar nicht, dass man das übers Handy steuern kann. Das lässt sich noch weiter ausbauen, Roboter können zum Beispiel Golf spielen”, hofft die Gymnasiastin auf eine Teilnahme beim Fortgeschrittenenworkshop.

Mehr von Aachener Zeitung