Jülich: Macbeth als blutrünstiger Mafia-Boss

Jülich: Macbeth als blutrünstiger Mafia-Boss

Das NN Theater gastierte auch in diesem Jahr zum Abschluss der Theaterreihe auf der Bühne des Brückenkopf-Parks. Die Mischung stimmte erneut.

Man nehme einen klassischen Stoff, verfrachte ihn in eine andere Zeit, eine andere Gesellschaft und an einen anderen Ort. Anschließend mixe man Originalsprache mit zeitgemäßer Sprache und würze das Ganze mit komödiantischen Einlagen, Pantomime und satirischen Verfremdungen.

Dieses Rezept war allerdings nur umsetzbar, weil die beiden Schauspieler und die Schauspielerin es mit wenigen Requisiten und atemberaubender Geschwindigkeit schafften, verschiedenste Personen darzustellen und Orte zu wechseln. Auch wenn die Chicagoer Mafia-Szene und die gesellschaftlichen Rollen der Personen stark von der klassischen Version abwichen, blieb doch die Kernaussage gleich.

Machthunger zerstört das Leben der Opfer, aber auch das Leben der Machtbesessenen. Macbeth und seine Gattin morden und wenden sich ganz dem Bösen zu. Beide Figuren zerbrechen letztlich an ihren Taten. Blut floss reichlich, wenn auch nur angedeutet.

Der Ernst des Spiels hatte keine große Chance, Überhand zu nehmen, da immer wieder Gags die Zuschauer amüsierten. Schon das italienische Ambiente mit Polenta und etlichen Gläschen Grappa sorgte für Leichtigkeit.

Der senile Mafia Boss im Uralt-Rollstuhl, die durchbohrte Gummihand und die Festgesellschaft durch Hüte dargestellt brachten umwerfende Komik, der sich keiner entziehen konnte. Glänzend wussten die Akteure, ihre reale Umwelt humorvoll einzubeziehen.

Selbst Tierlaute aus dem Park wurden schlagfertig in die Handlung eingebaut. An manchen Stellen wäre eine straffere Inszenierung wünschenswert gewesen. Darüber hinaus wurde das Textverständnis durch den Akzent des Macbeth-Darstellers sehr gestört.

Das große Publikum bedachte das Ensemble des NN Theaters mit viel Applaus.