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LVR-Kulturhaus Landsynagoge hat sich etabliert

10 Jahre Landsynagoge : LVR-Kulturhaus hat sich etabliert

„Ich hoffe, dass viele Schulkinder hierher kommen, sich das Haus und die Synagoge ansehen und den Jugendlichen erklärt wird, wie Juden auf dem Land gelebt haben“. Diesen Wunsch sprach Ellen Eliel-Wallach, Urenkelin des Synagogenstifters Isaak Ullmann aus – er erfüllte sich. Anlass war die feierliche Eröffnung des LVR-Kulturhauses Landsynagoge in Rödingen Anfang September 2009.

Die Ullmann-Nachfahrin war eigens aus Amsterdam angereist und erzählte über ihre häufigen Besuche bei ihrer Großtante Sibille Ullmann, genannt „Billchen“. Diese verließ 1934 als 74-jährige und letzte Jüdin Rödingen. Ihre eingeritzte Unterschrift in einer Fensterscheibe zählt zu den bewegenden Details in der Dauerausstellung im ehemaligen Wohnhaus der Familie Ullmann.

Dort ist auch das Informations- und Dokumentationszentrum der jüdischen Orts- und Regionalgeschichte angesiedelt. „Billchens“ letzte „Reise“ war ihre Deportation aus einem jüdischen Altenheim in Rheydt (Mönchengladbach) ins KZ Theresienstadt, wo sie am 9. November 1942 starb. Faksimiles der Kinderzeichnungen von Ellen Eliel-Wallach wird der „Förderverein Kulturhaus“ zum Festakt vor geladenen Gästen als Jubiläumsgeschenk übergeben. Ferner werden Schüler der Titzer Primusschule ihr Filmprojekt vorstellen. „In der Landsynagoge. Damals und Heute“ ist der Vortrag von Prof. Elisabeth Hollender zu diesem Anlass überschrieben.

„Damals“ begann nicht erst vor zehn Jahren. 2004 beschloss der Landschaftsausschuss des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), 1,15 Millionen Euro in die Sanierung des Gesamtkomplexes zu investieren. 2005 begannen die Arbeiten, an denen sich der Bauhof der Gemeinde Titz mit „Hand- und Spanndiensten“ beteiligte. 2008 knüpfte der LVR an eine im Rheinland bislang wenig beachtete europäische Tradition an, den „Europäischen Tag der jüdischen Kultur“. In diesem Rahmen präsentierte er das gerade wiederhergestellte Wohnspeicherhaus des ehemaligen Synagogenvorstehers Isaak Ullmann aus dem 19. Jahrhundert mit Synagoge im Kiesel gepflasterten Hof. Hier ließ man ebenfalls die Erbauungszeit wieder aufleben.

„Es wurde nicht tot saniert, sondern Gebrauchsspuren sichtbar gelassen“, umschrieb die wissenschaftliche LVR-Referentin Octavia Zanger damals das Ergebnis. Auch die ehemalige Synagoge wurde so instand gesetzt wie vorgefunden, nämlich „im Zustand der Verletztheit“. Sie ist – etwa mit dem alten Thoraschrein oder mit Teilen originaler Schablonenmalerei – als Gotteshaus wiederzuerkennen, die sie von 1840 bis 1900 war. Erhalten sind auch Farbklekse der späteren Nutzung als Werkstatt eines Schaustellers oder Granatsplitter aus dem Zweiten Weltkrieg. Die rund zehn, thematisch breit gefächerten Veranstaltungen pro Jahr unter Federführung der Judaistin Monika Grübel und Religionswissenschaftler Dr. Alexander Schmalz umfassen Führungen durch Haus und Hof und spüren jüdischem Leben im Dorf nach. Sie erfreuen sich wachsender Beliebtheit und locken internationale Besucher an. „Die Arbeit hat sich gelohnt. Es ist ein Kleinod auf dem Lande entstanden. Ein Museum, außerschulischer Lernort und nicht zuletzt ein Erinnerungsort für Nachfahren der jüdischen Familie Ulmann in aller Welt und für die Menschen in der Region“, resümiert Monika Grübel.