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Jugendarbeiter in Aldenhoven: Lothar Thielen verabschiedet sich in die Rente

Jugendarbeiter in Aldenhoven : Lothar Thielen verabschiedet sich in die Rente

Ein herber Verlust trifft die Evangelische Kirchengemeinde Aldenhoven, denn mit dem Diplom- Sozialpädagogen Lothar Thielen hat der Mann an diesem Wochenende seinen nominell letzten Arbeitstag, der 17 Jahre lang die offene Kinder- und Jugendarbeit der Kirchengemeinde leitete und prägte.

Seinerzeit hatte Pfarrer Charles Cervigne Thielen in Düren „abgeworben“, wo er sich vier Jahre lang um Langzeitarbeitslose gekümmert hatte, um diese erfolgreich ins Arbeitsleben zu integrieren. Mit 80 Prozent Vermittlungen war er hier auch recht erfolgreich.

Selbst ins Berufsleben gestartet war der 65-Jährige nach dem Studium in der Heimerziehung, die er schon in der Hochschule als Schwerpunkt gewählt hatte. Insgesamt rund 25 Jahre war Thielen in Leitungsfunktion in Kinderheimen tätig. Erst, als die wirtschaftlichen Aspekte immer wichtiger wurden und die Bürokratie mit all ihren Dokumentationspflichten überhand nahm, verabschiedete er sich aus diesem Berufsfeld.

„Wie kann man einem Menschen helfen, gut weiter zu kommen“, lautet Thielens Credo in all seinen Arbeitsfeldern. So hat er sich stets bemüht, individuelle Lösungen für seine Schutzbefohlenen zu finden. Mit diesem Rezept ist er in all den Jahren und Jahrzehnten immer gut gefahren.

In Aldenhoven ist er auf die spezielle Situation der ehemaligen Zechenkommune eingegangen mit vielen Gastarbeitern (früher) und vielen Flüchtlingen (heute), um die sich die Kirchengemeinde kümmert. Überdies spielt Geldnot bei Arbeitslosen, Alleinerziehenden und Großfamilien eine wichtige Rolle. Viele Angebote, die Thielen bereithält oder organisiert, sind deshalb kostenlos. „Wir sind der billigste Anbieter weit und breit“, verweist er etwa auf die Ferienspiele in den Oster- (eine Woche) und Sommerferien (drei Wochen), die bis heute erhalten geblieben sind. „Lange sind wir nach Gemmenich (B) gefahren, doch inzwischen schlagen wir unser Camp in Heimbach auf“, beschreibt der Sozialpädagoge die Aktivitäten.

In der Merzbachgemeinde hat Thielen bei der Arbeit mit den Jugendlichen auch ein Sportangebot für gemischte Gruppen eingeführt, um Türen für die Integration zu öffnen. Wichtige Regel für die Teilnehmenden: Beim Sport muss die Verständigung auf Deutsch erfolgen. „Die Integration fängt mit der Sprache an“, weiß Thielen, der so spielerisch entsprechende Weichen stellte.

„Wir haben auch sehr viel politisch gearbeitet“, reagiert er zudem auf den Rechtsruck im Land und unterstützt seit Jahren das Aldenhovener „Bündnis gegen Rechts“. So gehören Themen wie Widerstand, Judenverfolgung oder ein KZ-Besuch zum Programm für die Jugend. Der neue Standort für das Jugendheim „Youngside“, das Mitte Oktober eröffnet wird, ist gewissermaßen Thielens Vermächtnis. Betreuen wird es seine Nachfolgerin Annabelle Hampe, ein „Aldenhovener Kind“.

So ganz wird Lothar Thielen trotz Rente aber nicht gehen: Beim „Bündnis gegen Rechts“, in der Flüchtlingsarbeit und beim Marokko-Projekt des Kirchenkreises möchte er weiter mitmischen.