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Barmen: Lothar Hesse ist sicher: Mathematik macht Spaß

Barmen : Lothar Hesse ist sicher: Mathematik macht Spaß

Physik und besonders Mathematik scheinen für viele, allzu viele Schüler böhmische Dörfer zu sein.

In der öffentlichen Diskussion gilt es unter Erwachsenen oft als verzeihliches und kokettes Kavaliersdelikt, in der Schule mit Mathe nicht klar gekommen zu sein.

Lothar Hesse, seit 1. August stellvertretender Leiter des Gymnasiums Haus Overbach in Barmen, ärgert diese Sicht schon seit langem. Er spricht von ungehobenen und unentdeckten Schätzen in Reihen der Schüler, von verpassten Chancen.

Knobeln und Kniffeln

Schon seit Jahren hat er sich zum Ziel gemacht, bei Schülern das Interesse an Mathematik zu wecken und ihnen Spaß am Knobeln und Kniffeln zu vermitteln. Dass der 45-Jährige am 12. Dezember in München einen Preis der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) erhält, dient der Anerkennung seiner Aktivitäten.

Die Vorgeschichte: Den Pädagogen, der an der Universität zu Köln erfolgreich auf Lehramt Sekundarstufe I und II studiert hatte, verschlug es im Jahre 1986 nach Essen an die Bildungseinrichtung Beatae-Mariae-Virginis, eine Ordensschule der Augustiner Chorfrauen. „Mit rund 1600 Schülerinnen ist dies das größte Mädchengymnasium in Nordrhein-Westfalen”, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ein Kollege warb Hesse für die gemeinnützige „Gesellschaft Essener Mathematik-Wettbewerb” an. Das „Schicksal” nahm seinen Lauf. Hesse fand das ideale Feld, um seine Passion Mathematik anderen zu vermitteln.

Während in der ehemaligen DDR die Mathematik-Olympiade obligatorisch wie die Bundesjugendspiele in den alten Bundesländern war, taten sich die „Wessis” lange schwer, Jüngeren den Stellenwert des Abakus und Spaß an Mathematik zu vermitteln.

Aber nachdem sich immer mehr lokale Zellen in den Städten gebildet und 1994 der erste Landeswettbewerb Mathematik stattgefunden hatte, an dem sich viele Schulen ab Grundschulstufe beteiligten, war die Zeit der Netzwerkbildung gekommen.

Hesse gehörte natürlich im Jahr darauf zu den Gründungsvätern, wurde Geschäftsführer (bis 2002) und Schatzmeister in Personalunion. In Barmen genießt er möbliert bei den Patres Asyl, bis seine Familie im nächsten Jahr von Essen in die Region übersiedelt.

Vom Haus Overbach aus ist es schwierig, die Ausrichtung der deutschlandweiten Mathematik-Olympiade in Nordrhein-Westfalen im Jahre 2004 mit vorzubereiten. Aber Hesse wäre nicht Hesse, wenn er diese Denksport- und Organisationsaufgabe nicht auch noch lösen würde.

Der Landesverband Mathematikwettbewerbe NRW, der mittlerweile offiziell für unser Bundesland entsprechende Aktivitäten organisiert, kann auf eine stolze Quote verweisen. Rund 50.000 Schüler von der Grundschule bis zu den weiterführenden Schulen nehmen an Wettbewerben teil.

Das Credo der Bewegung ist klares Signal: „Uns geht es vorrangig um Breitenförderung. Hochbegabte benötigen spezielle Angebote. Wir wollen das breite Interesse an Mathematik fördern.”

Das ist offenbar von Erfolg gekrönt und anerkannt. Sonst hätte die Helmholtz-Gemeinschaft, zu der etliche Forschungseinrichtungen wie auch das Zentrum in Jülich gehören, Hesse nicht für preiswürdig erklärt.

Die Helmholtz-Gemeinschaft zeichnet mit dem Lehrerpreis Pädagogen aus, die sich durch hervorragende Leistungen in der naturwissenschaftlichen Ausbildung oder in der Anregung von Schülern zu besonderen naturwissenschaftlichen Interessen verdient gemacht haben.

Der Preis ist mit 500 Euro dotiert.

Die Urkunden werden im Rahmen des Festaktes im Max-Joseph-Saal der Münchener Residenz am 12. Dezember verliehen, in dem auch der Karl-Heinz-Beckurts-Preis vergeben wird.