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Jülich: Lkw-Maut: Ausweichrouten lohnen sich

Jülich : Lkw-Maut: Ausweichrouten lohnen sich

„Wir hoffen, dass die Maut kommt.” Aus dem Mund von Hans-Georg Fischer, Geschäftsführer der Spedition Martin Bünten, klingen diese Worte zunächst befremdlich.

Noch im Juli vergangenen Jahres, auf dem Höhepunkt der Diskussionen um die Einführung der Lkw-Maut, hatten Fischer und seine Jülicher Kollegen mit einer Brummi-Demo die Herzogstadt kurz ins Verkehrschaos gestürzt.

Während damals die so genannten On-Board-Units (OBU), technischer Dreh- und Angelpunkt des Satelliten gestützten Abrechnungssystems, weder in der benötigten Zahl noch in ausreichender Qualität zur Verfügung standen, machen die OBU dank neuen Innenlebens nun keine Probleme mehr.

„Bei uns ist alles im grünen Bereich”, berichtet Werkstattleiter Theo Brauer. Bis zum 4. August waren 23 Geräte beantragt, alle sind inzwischen eingebaut und damit fast alle Wagen der Spedition startklar. Auch die Qualität ist nach dem Einstieg von Siemens ins Maut-Konsortium Toll Collect deutlich verbessert: Nur ein OBU war bei Bünten defekt.

Das unterstreicht ein erfolgreicher Testlauf mit 5000 Fahrzeugen, auch wenn Fischer die Fehlerquote von rund fünf Prozent für zu hoch hält: Bei rund 800.000 Lkw, die auf Deutschlands Straßen unterwegs sind, entspreche das immerhin rund 40.000 Fehlmeldungen pro Tag.

Auch bei der Spedition Bünten hat es interne Testläufe gegeben: „Im Großen und Ganzen scheint es zu funktionieren”, zieht der Geschäftsführer Zwischenbilanz, will aber stichprobenweise zur Kontrolle von seinen Fernfahrern die gefahrenen Strecken notieren lassen und die Daten mit der Abrechnung von Toll Collect vergleichen.

„Ich nehme an, die Maut kommt”, rechnet Fischer fest mit der Einführung des Systems auf den deutschen Autobahnen zum 1. Januar. „Ob sie überlebt, wissen wir nicht.”

Derzeit spricht Fischer bei den Verhandlungen fürs nächste Jahr mit den Kunden über Preiserhöhungen, denn jeder Autobahnkilometer schlägt künftig mit 12,5 Cent zusätzlich zu Buche. Bei 28 Lastzügen mit einer jährlichen Fahrleistung von jeweils 120.000 Kilometern, von denen etwa drei Viertel über die Autobahn gehen, summieren sich auf eine Mehrbelastung von rund 315.000 Euro.

Im vergangenen Jahr, als die Maut nur diskutiert, nicht aber eingeführt wurde, hat Fischer Kunden verloren, als ebenfalls neue Preise verhandelt wurden. „Es werden die bestraft, die sich frühzeitig kümmern”, hat er seinerzeit festgestellt. Er hofft, dass es diesmal anders läuft und die Maut auch zu einer „Marktbereinigung” im Transportgewerbe beiträgt, in dem sich immer mehr Unternehmen aus Osteuropa tummeln.

Ganz andere Auswirkungen, die alle Autofahrer zu spüren bekommen dürften, befürchtet Werkstattleiter Breuer. „Viele werden an der Maut sparen wollen”, weiß Breuer, der über Kartenwerke mit Alternativrouten berichtet, die längst in Fernfahrerkreisen kursieren. Statt die Autobahnen zu benutzen, weichen Brummis von Unternehmen, die besonders spitz rechnen, dann auf Bundes- und Landstraßen aus, die nicht kostenpflichtig sind.

Vor allem die Anwohner der Ortsdurchfahrten Mersch und Titz müssten sich ab Januar auf erhöhten Schwerlast-Verkehr einstellen, denn dort verläuft eine der Ausweichrouten, prophezeit Breuer.

Fischer hat die Probe aufs Exempel anstellen lassen und dabei erstaunliches ausgerechnet: Bei annähernd gleicher Fahrtzeit und -strecke spart der Weg über Jackerath auf die A44 der Spedition einen zweistelligen Euro-Betrag - täglich.