Lioba Werrelmann liest in Jülich aus ihrem Krimi "Hinterhof"

Stadtbücherei : Düster, geheimnisvoll und mit sanfter Stimme

Die Jülicher Autorin Lioba Werrelmann liest in der Stadtbücherei aus ihrem Krimi „Hinterhaus“. Und dabei steht ihre sanfte Stimme deutlich im Kontrast zur drastischen Sprache.

„Ich liebe es, wenn mir etwas vorgelesen wird“, sagt Ute Tews, die mit ihrer Mutter gekommen ist. „Deshalb lese ich auch nie vor einer Lesung das Buch, um das es geht“, ergänzt sie. „Das würde ja ein ganzes Stück Spannung wegnehmen.“ Davon gab es genug, als Lioba Werrelmann jetzt im Rahmen der „Herbstlesereihe“ der Stadtbücherei Jülich von deren stellvertretenden Leiterin, Yvonne Schroiff, begrüßt wurde.

Alles ist fiktiv

Vor gut besuchtem Haus las Werrelmann aus ihrem in diesem Jahr erschienenen Krimi „Hinterhaus“. Regionale Autoren stellen in der vom Förderverein der Stadtbücherei getragenen Reihe ihre Arbeiten vor. Lioba Werrelmann ist nun nicht nur eine Autorin aus der Region, sondern lokal verwurzelt. Sie stammt aus Jülich, lebt und arbeitet jetzt in Köln, nach einer langen Zeit als Korrespondentin in Berlin, wo auch ihr Roman spielt. „Alles ist fiktiv,“ sagt sie, „bis eben auf das Hinterhaus. Da habe ich gewohnt, und von daher kann ich es auch so plastisch beschreiben.“

Mit sanfter, einfühlsamer Stimme führt sie in ihren Roman ein und in die Personen, die ihn tragen. Die sind ungewöhnlicher als sonst, keine strahlenden Helden, die auf Mördersuche gehen, sondern mit der Hauptperson eine ziemlich verzweifelte Frau, deren Freund sie verlassen hat, die ihre Wohnung verliert und auch ihren Job als Radiomoderatorin, der „Stimme des Ostens“. Und genau die stolpert unfreiwillig in eine verzwickte Geschichte um einen seit Jahren Vermissten, dessen Leiche ihr in eben dem Hinterhaus am Prenzlauer Berg im wahrsten Sinne des Wortes vor die Füße fällt. „Meine Heldin ist anders“, führt Lioba Werrelmann aus. „Männer saufen und fluchen, das wird als männlich und menschlich betrachtet. Meine weibliche Hauptfigur sollte auch menschlich ’rüberkommen, aber anders halt.“

Drastische Sprache

Das Anderssein schildert sie nach der Vorlesepause, nachdem sich ihre Zuhörer mit Getränken und Snacks gestärkt hatten. „Hab ich bewusst gemacht“, sagt sie fast entschuldigend, „aber sonst hätte es Ihnen vielleicht nicht geschmeckt.“ Ihre weiche Stimme steht dann auch im starken Kontrast zu der doch drastischen Sprache, mit der sie ihre Hauptfigur aus dem Roman zeichnet und bei der sich bei der ein oder anderen Zuhörerin verdutzt die Stirn runzelt.

Zum Kern ihrer Geschichte, die übrigens nahezu ohne das Auftreten eines Kommissars auskommt und nur von der Hauptperson und ihren Freunden vorangetrieben wird, kommt Lioba Werrelmann nur andeutungsweise. Nur so viel: Wer ist die Leiche? Wie kommt sie dahin, wo sie gefunden wurde? Was hat das mit dem seit Jahren Verschwundenen zu tun? Was ist mit ihm passiert? Welche Rolle spielen dabei die Wochenheime, eine in der damaligen DDR geläufige Art der Kinderverwahrung, deren Geschichte im realen Leben faktisch noch nicht erforscht ist? Wer ist der Täter und warum? Klassische Krimifragen, aber völlig anders verpackt und später aufgedröselt.

Lioba Werrelmann lächelt. „Bei einer Lesung nicht die Katze aus dem Romansack zu lassen, belässt die Spannung und die Neugier.“ Mit dieser Erwartung sind die Zuhörer zur Lesung gekommen, mit einer erhöhten Spannung werden sie entlassen, heißt: Der Krimi will gelesen werden. Wer nun dennoch nicht auf den Geschmack gekommen ist was Krimis anbelangt, dem empfiehlt Lioba Werrelmann ihren neuen Roman „Erzähl mir was Schönes – ein Freundinnenroman“, der Anfang Dezember erscheint, ein echter Frauenroman, wie die Autorin meint und etwas ganz Anderes als ihr düsterer, geheimnisvoller Hinterhaus-Krimi.

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