1. Lokales
  2. Jülich

Linnich: Linnicher Grundschulen werden Formaldehyd-saniert

Linnich : Linnicher Grundschulen werden Formaldehyd-saniert

Von Außen betrachtet liegt das Gebäude der beiden Linnicher Grundschulen im Dornröschenschlaf. Alles ist friedlich, alles ist still. Es sind halt noch Ferien. Doch schon im Eingangsbereich ist dieser Eindruck wie weggewischt.

Es herrscht rege Betriebsamkeit im Foyer. Männer in Arbeitskluft huschen durchs Halbdunkel. Dicke Abluftrohre winden sich wie riesige Schlangen durch den Flur.

Vom Sekretariat ist nichts zu sehen, weil vor dessen Eingang eine regelrechte Werkstatt aufgebaut ist. Und auf dieser Baustelle soll bald „Schule anfangen”?

Monate veranschlagt

„Die sind schon ziemlich weit. Das hätten Sie vor zwei Wochen sehen müssen!”, relativiert Hausmeister Michael Schäfer und strahlt Zuversicht aus.

Am 11. August wird das Gebäude in einem Zustand sein, dass Unterricht erteilt werden kann. In allen Klassen - aber nicht in allen Klassenräumen. Denn die inzwischen angelaufene Formaldehydsanierung wird noch Monate andauern.

Wechselvoll

Im Musterraum riecht es nach „Neu”. „Der ist erst im Juni erstellt worden”, erklärt Beigeordneter Hans-Josef Corsten. Dieser Klassenraum ist das Ergebnis einer wechselvollen nunmehr ein Jahr währenden Entwicklung von der Entdeckung des Formaldehydproblems über diverse Zwischenlösungen bis zur endgültigen Entscheidung zur Gesamtsanierung.

Zu den verworfenen „Behandlungsmethoden” hatte gezählt, in den freien Raum zwischen abgehängter Decke und der Betondecke Schafwolle einzubringen.

„Das hätte funktioniert”, attestiert Corsten dem Naturprodukt eine nachhaltige Wirkung beim Absorbieren des Formaldehyds. Dafür funktionierte etwas anderes nicht: Die Wolle ließ sich nicht so einfach in den Zwischenraum packen. Und beim Öffnen der abgehängten, aus Plattensegmenten bestehenden Decke wurden schädliche Mineralfasern freigesetzt.

Quelle ausmerzen

Probeweise wurde in einem Klassenraum eine Versigelung durch einen Spezialanstrich ausprobiert. Das erfreuliche Ergebnis: Was danach noch an Formaldehyd gemessen wurde, lag deutlich unter dem Richtwert.

Die Entscheidung für die Gesamtsanierung begünstigte eine unverhoffte Entdeckung: Die Quelle der Formaldehydemission, die so genannte „verlorene Schalung”, die in der Betondecke verblieben war, ließ sich komplett entfernen. Versiegeln war also nicht mehr notwendig.

Also werden nun die Zwischendecken abmontiert, die freigelegten Betondecken von der „verlorenen Schalung” befreit und neue Decken abgehängt. Zuvor zieht der Elektriker noch schnell neue Kabel ein.

Mit Ferienende legen die Sanierer eine zweiwöchige Pause ein, „damit sich die Schulen organisieren können”. Das ist eine echte Notwendigkeit. „Vier bis fünf Klassenräume werden sozusagen am Stück saniert”, erläutert Gerd Krings vom städtischen Hochbaumt.

Da beide Schulleiter die Ersatzunterbringung in der Polizeischule vermeiden wollten, muss ein ausgeklügelter Raumnutzungsplan her.

Sparsames Licht

Einen gewaltigen Vorteil hat die Gesamtsanierung. Wenn man eh schon an die Decke muss, können gleich die neuen Energiesparleuchten samt Vorschaltgeräten installiert werden.

Ob die Klassenräume ebenfalls wie die Flure mit Präsenzmeldern ausgestattet werden - über Sensoren wird das Ein- und Ausschalten des Lichts gesteuert -, ist noch nicht entschieden.

Neue Fenster

In einem Zuge werden ebenfalls in allen Räumen neue Fenster eingebaut. Das war ursprünglich zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen. Nachteil: Die Fenster gehen richtig ins Geld.

Sie machen rund die Hälfte der mit 700.000 Euro angesetzten Gesamtkosten aus. Ob die am Ende reichen, zweifelt Corsten schon jetzt an. Das zumal, da ihn gerade erst eine Absage ereilte.

Aus dem Förderprogramm von Bund und Land „Investitionspakt zur energetischen Erneuerung der sozialen Infrastruktur in den Kommunen” gibt es keinen Zuschuss zum Einbau energetisch wirkunsgsvollerer Fenster.

„Die Maßnahmen reichen nicht aus, den Förderungszweck zu erreichen”, hatte die Bezirksregierung mitgeteilt. Corsten: „Man müsste wohl viel mehr machen.”

Schwierig, wenn eine Kommune wie Linnich selbst für Weniges eigentlich kein Geld hat. Immerhin: Die Formaldehydsanierung ist von der Kommunalaufsicht abgesegnet.