Linnich: Linnicher erinnern sich der Novemberpogrome

Linnich: Linnicher erinnern sich der Novemberpogrome

Ein Datum mit Bedacht gewählt: Bereits am Mittwoch, 6. November, gedachte Linnicher Bürger der Novemberpogrome vor 75 Jahren. Denn vor genau 100 Jahren trafen sich die jüdischen Bürger in Linnich an der Rurdorferstraße 12/16 an ihrem alten Gebetshaus, um voller Freude, Stolz und Erwartung die Thorarollen in einer feierlichen Prozession zu ihrer neuen Synagoge an der Nordpromenade zu geleiten.

Sie taten es 1913 in dem Glauben, hier für die Zukunft eine neue Heimat gefunden zu haben.

Doch die Linnicher Synagoge wurde wie tausende andere jüdische Gebetshäuser im Deutschen Reich 1938 ein Opfer der Flammen. Diesen Weg, den 1913 die jüdischen Bürger gingen, folgten nun auch die Linnicher, voller Scham, Demut und Mitgefühl. Sie alle wollten sich erinnern, damit solche Gräueltaten nicht wieder geschehen.

Bürgermeister Wolfgang Witkopp hatte die Teilnehmer an der Gedenkfeier begrüßt. Dabei galt sein besonderer Gruß auch Rabbiner Max Mordechai Bohrer von der jüdischen Gemeinde Aachen. Er erinnerte an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem Zerstörung 70 n. Chr. durch die Römer.

Seither habe die Synagoge im Leben einer jüdischen Gemeinde stets eine besondere Bedeutung als Heimat. Den Wiederaufbau jüdischen Lebens in Deutschland sah er als letzter Wille der Opfer des Nazi-Regimes. „Ich bin gerührt und dankbar, dass es heute Nicht-Juden sind, die die Erinnerung lebendig halten“, erklärte Bohrer.

Berichte vom Terror

Die Feierstunde an der Stelle, wo einst die Synagoge stand, wurde gestaltet von den Schülern und Schülerinnen der Linnicher Schulen. Sie verlasen Berichte von Menschen, die diese Schreckensnacht und den anschließenden Terror erleben mussten.

Von kirchlicher Seite waren die evangelische Pastorin Wiebke Harbeck sowie Diakon Theo Schmitz vertreten. Sie betonten gleichermaßen, dass es wichtig sei, die Schuld anzunehmen, sich ihr zu stellen und nicht zu verdrängen. Nur so könnten solche Ereignisse in der Zukunft vermieden werden. Auch Rabbiner Bohrer sprach an diesem Ort noch ein Gebet, die Linnicher SPD legte einen Kranz nieder.

Ein großes Transparent mit einer Abbildung der ehemaligen Synagoge schmückt in diesem Jahr die Gedenkstätte. Es war vom Geschichtsverein Linnich erstellt worden.

Außerdem wurde eine neue Hinweistafel enthüllt, die diesen Standort und die ehemalige Synagoge erläutert. Die Synagoge wurde von SA-Männern niedergebrannt. Die Thorarollen und die gesamte Inneneinrichtung wurden dabei vernichtet. 1950 wurde das Grundstück eingeebnet.

Musikalisch wurde die Feierstunde vom evangelischen Posaunenchor gestaltet. Die Vereinigten Schützengesellschaften und die Freiwillige Feuerwehr waren nicht nur mit Abordnungen vertreten, sie sorgten auch für die technische Ausstattung.

(Kr.)