Linnich: Linnicher Andreasmarkt bleibt Zugpferd

Linnich: Linnicher Andreasmarkt bleibt Zugpferd

Nun scheint es geschehen zu sein. Das, was den Ruf des Linnicher Andreasmarktes seit 1571 begründete und ihn über die Jahrhunderte ausmachte , ist endgültig verschwunden: Vom einstigen Pferde- und Viehmarkt zeugt nichts mehr.

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Im zweiten Jahr in Folge blieb der Bereich neben dem Schießstand auf dem Place de Lesquin verwaist. Kein Pony oder Kleinpferd wartete, am Halteseil angeleint, ergeben auf einen neuen Besitzer oder nahm mehr oder minder beeindruckt die „Oh, wie süß“-Komplimente und Streicheleinheiten von Kindern entgegen. Die Pferdehändler haben sich aus dem Marktgeschehen zurückgezogen.

Unabhängig vom Verschwinden dieser fast schon folkloristischen Note erwies sich Linnichs Traditionsmarkt bei bestem Glühweinwetter abermals als Publikumsmagnet. Zu Tausenden strömten die Besucher durch die Straßen, die gesäumt waren von Buden und Ständen mit unterschiedlichstem Angebot. Von angepriesenen Weltneuheiten bis hin zu Kurzwaren hatten die 175 Händler ihr Sortiment ausgebreitet. Den ganz großen Teilen, den Landmaschinen, war wie üblich der Kirmesplatz vorbehalten.

Was dort aufgefahren worden war — etwa am Landmaschinenstand von Willi Becker — eignete sich kaum zu einem Spontankauf. Schon der kleine Hoflader, den das Düren-Würselener Unternehmen zur Schau stellte, kostet so viel wie ein Mittelklassewagen. Und wer ein begehrliches Auge auf den 390 PS starken Fendt Ackerriesen geworfen hat, müsste schon über eine Barschaft von bis zu 300.000 Euro verfügen. Dass so ein Schnapp während des Markttages tatsächlich verkauft wird, erwartet niemand ernsthaft. Aber sich zeigen und informieren, ist Imagepflege und Teil des Marketings.

Werbung für ein Naturprodukt, das ist das Metier von Kerstin Geiser. Die 23-Jährige aus Erkelenz-Immerath ist die amtierende 15. Rheinische Kartoffelkönigin. Quasi als Botschafterin des guten Geschmacks nutzte sie den Andreasmarkt, um die Vorzüge der Kartoffel anzupreisen.

Während Tausende bereits die Marktmeile bevölkerten, summte es Saal des Rathauses wie in einem Bienenstock. Zum traditionellen Andreasmarktempfang hatte Bürgermeister Wolfgang Witkopp wieder Vertreter von Staat, Kirche und Gesellschaft geladen. Und sie waren zahlreich dem Ruf gefolgt, allen voran die Freunde aus der französischen Partnerstadt Lesquin, deren Bus pünktlich in Linnich eintraf.

Sie wurden beim obligatorischen Jahresrückblick des Bürgermeisters in ihrer Muttersprache von Oumarou Abdou begrüßt, der erstmals als Dolmetscher fungierte. Abdou, seit 14 Jahren in Linnich, ist so etwas wie die gute Seele der Unterkunft für Asyl Begehrende in Gevenich und seit einigen Monaten bei der Stadt Linnich fest angestellt. Über viele Jahre hatte Barbara Müller die Rolle der Dolmetscherin übernommen, wofür ihr der Bürgermeister Dank zollte.

In seinem kauzigen Jahresrückblick vor dem Festmahl im Glasmalerei-Museum ging Witkopp auf eine Reihe von Ereignissen ein, die das zurückliegende Jahr prägten. Den „Abschusssegen“ spendete Ehrendechant Heinrich Joussen. Er schenkte dem Bürgermeister für Durchblick und Weitsicht ein Fernglas.