Sehr detailliert: Der Antwerpener Altar in der Boslarer Kirche St. Gereon

Sehr detailliert, doch kaum beachtet : In Boslar findet sich einer von 13 Antwerpener Altären der Region

Der Altar in der Boslarer Kirche St. Gereon ist einer von 13 Antwerpener Altären, die sich hier in der Region befinden. Dem Boslarer Exemplar wird kaum Beachtung geschenkt, obwohl es sich um eine besonders detaillierte Darstellung handelt.

Das liegt zum einen an der Lage des Altares, der ganz am Ende des Kirchenschiffes auf einem Podest aufgebaut wurde, zum anderen aber auch daran, dass man ohne Instruktionen die vergoldeten Schnitzereien eher als ein großes Kunstwerk betrachtet.

Margret Peek-Horn bewies jetzt das Gegenteil und erklärte jedes Detail, das der Altar darstellt. Anhand einer Präsentation mit Einzelaufnahmen der Fenster wurde der Altar zum ersten Mal auf Augenhöhe mit dessen Betrachter gebracht. Mehr als 20 Interessenten fanden sich in der Boslarer Kirche direkt unter dem mächtigen Altar ein. Der drei Meter große Altarschrein stammt aus dem zerstörten Kloster Schwarzenbroich, dessen Ruinen in der Nähe des Pilgerweges zwischen Düren und Aachen zu finden sind.

„Der Antwerpener Altar in Boslar ist ein Juwel“, sagte Peek-Horn zu Beginn ihres Vortrages. Bild für Bild ging sie mit den Anwesenden den Altar durch und gab erläuternde Erklärungen zu den dargestellten Szenen. „Man muss den Altar begehen“, erklärte die Referentin und machte direkt vor, wie es gemacht wird. So müsse man den Altar von außen nach innen betrachten. Auf der linken Seite beginnt die Verlobung von Maria und Josef, dann folgt die Verkündigung und schließlich die Heimsuchung. Dieser erste Teil befasst sich ausschließlich mit jener Empfängnis des Messias, sowie dessen Verkündung und wird durch die rechte Seite fortgesetzt.

In dem großen Fenster wird der Tod Mariens dargestellt. Der plötzliche Zeitsprung wird dadurch in Szene gesetzt, dass beispielsweise einige Jünger Brillen tragen – ein weiteres Detail, das sich normalerweise in zu großer Höhe befindet, um über den Detailreichtum des Altares staunen zu können.

Erst nach den beiden Seiten befasst man sich mit den großen Kammern in der Mitte. Dort wird der Lebensweg Jesu und die Kreuzigung thematisiert. Das untere Drittel zeigt die Geburt Jesu, sowie die Anbetung durch die drei Könige. Die Platzierung auf der Mittelachse des Retabels räumt diesen Darstellungen eine besonders hohe Bedeutung ein. Die anderen beiden Szenen behandeln die Kreuzigung und werden von sieben kleinen Szenen eingerahmt, die je für ein Sakrament und die Auferstehung stehen.

Erst zum Schluss sieht man sich den unteren Teil des Altares, die sogenannte Predella an. Diese Vollzugsebene zeigt in drei weiteren Szenen die Pein Jesu während des Kreuzzuges. Laut Peek-Horn soll an dieser Stelle ein kleines Gedankenspiel stattfinden. Der Beobachter kann sich die Szenerien ansehen und für sich entscheiden, in welcher der dargestellten Figuren er sich wiederfindet, ob er eher Täter oder Beobachter ist.

Die Flügel sind zwar gute 100 Jahre jünger als der Altar selbst, dennoch tragen sie ihren Teil zu einem abgerundeten Gesamtbild bei. Die dort abgebildeten Evangelisten tragen Spruchbänder, die anhand einer sinnvollen Kombination die rechte mit der linken Seite verbinden.

Nach ihren Ausführungen beantwortete Peek-Horn noch einige Fragen zum Antwerpener Altar und stellte sicher, dass die Anwesenden bei zukünftigen Besuchen von St. Gereon genau wissen, wie sie den Altar zu begehen haben.

(ikr)
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