Ein würdiger Abschluss nach gut 53 Jahren: Realschule Linnich schließt mit einem Festakt

Ein würdiger Abschluss nach gut 53 Jahren : Realschule Linnich schließt mit einem Festakt

Realschulen werden selten im Kreis Düren. Das merkt man auch in Linnich. Genauso wie die Real- und die Hauptschule in Aldenhoven schließen zum Ende des laufenden Schuljahres auch die Haupt- und Realschule in Linnich.

Seit drei Jahren leitet Realschulrektor Thomas Hoppe-Leifgen die Einrichtung. Seine Hauptaufgabe ist es, „die letzten drei Jahre zu gestalten.“ Dabei war ihm besonders daran gelegen, die Schultraditionen aufrecht zu erhalten und einen normalen Schulalltag zu gewährleisten. Seinem Bericht ist zu entnehmen, dass ihm das auch gelungen ist – und mehr. Was für Hoppe-Leifgen ganz groß geschrieben wird, ist das Bedürfnis der Schülerinnen und Schüler. Für ihn ist es von besonderer Bedeutung, dass „alle Schüler einen Schulabschluss machen können.“ Genaues darf er zwar nicht sagen, aber er ist optimistisch, dass das gelingen könnte.

Nachdenklich wird Hoppe-Leifgen, wenn er über die Kollegen spricht, die die Schule in den vergangenen Jahren verlassen haben. Ein unterschätztes Problem ist, dass für manche Lehrer durch Schulschließungen der Ruhestand früher beginne, was häufig auch zu Abzügen beim Gehalt führe. Er selbst wird als Leiter an die Realschule Mausbach in Stolberg wechseln. Diese läuft mit dem Schuljahr 2020/21 aus.

Geblieben sind der Einrichtung am Bendenweg acht Lehrkräfte, drei unterrichten nur in Linnich, vier sind für jeweils drei Stunden pro Woche in Linnich und sonst an anderen Schulen tätig. Ein Kollege reist für zehn Stunden an. Die von außen kommenden Kollegen sind für ein spezielles Fach zuständig. Zwar klingen die Zahlen wenig, setzt man sie aber in Relation zur Schülerzahl – es sind noch 49 – ist klar, weshalb Hoppe-Leifgen davon spricht, dass sie vom Land in Fragen des Personals großzügig bedacht wurden. Im vergangenen Schuljahr sei kaum Unterricht ausgefallen und gleichzeitig hätten die Pädagogen wenig Mehrarbeit leisten müssen. Zudem zeige deren Leistungsbereitschaft „die hohe Verbundenheit mit der Realschule“, sagt der Rektor.

Bessere Kommunikation 

Insbesondere das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern habe sich in den letzten Jahren verändert: „Der Blick auf die Kinder ist ein anderer geworden“, sagt Hoppe-Leifgen. Lehrer und Schüler könnten besser aufeinander eingehen und besser kommunizieren. „Wir haben die Schüler viel mehr im Blick“, beschreibt er die Situation, „alle Lehrer kennen alle Schüler.“

Das heiße indes nicht, dass nicht die grundlegenden Regeln des gemeinsamen Lernens weiterhin umgesetzt werden. „Wenn einer Mist baut, dann wird das auch geahndet“, erklärt der Rektor. Das gelte besonders auch für Störer. Schließlich sei es wichtig, dass die anderen Schülerinnen und Schüler störungsfrei unterrichtet werden könnten.

Zwei Realschüler, René Roeben und Schülersprecherin Lisa Maybaum, bestätigen das enge Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern. Beide besuchen schon seit der fünften Klasse die Städtische Realschule. René arbeitet auf seine Qualifikation für das Gymnasium hin, Lisa möchte eine Ausbildung zur Arzthelferin beginnen. Sie sind nicht unzufrieden damit, zu den Linnicher Realschülern zu zählen. „Es wird mehr auf uns eingegangen“ berichtet Lisa. René meint: „Auf einer anderen Schule ist man einer von Tausend, hier, unter wenigen, kann man sich viel besser auf seine Schulbildung konzentrieren.“

Es hat auch im Bereich der Gestaltung des Unterrichts Neuerungen gegeben, die den Schülern gut gefallen haben, etwa das sogenannte „Lehrerraumprinzip“, bei dem nicht die Lehrer die Unterrichtsräume wechseln, sondern die Schüler.

In den vergangenen Jahren haben nicht nur die Lehrer daran gearbeitet, die schulinternen Traditionen hochzuhalten, sondern auch die Schüler. Das gilt auch für die Abschlussfeier. Im letzten Jahr haben die Neuntklässler den Abgängern geholfen die Feier zu organisieren. Das war eine Selbstverständlichkeit, auch wenn die damaligen Neuntklässler, jetzt Zehntklässler, selbst nicht auf diesen Service zurückgreifen können. „Wir haben die Tradition am Leben gehalten“, hält René fest. Bezüglich fehlender Helfer kann Hoppe-Leifgen aber beruhigen: es existiert bereits eine Lösung und auch auf die Schulband, in der René E-Gitarre spielt, muss bei der Abschiedssause nicht verzichtet werden.

So entlässt die Städtische Realschule Linnich die 49 Damen und Herren ihres Abschlussjahrgangs am heutigen Freitag, 5. Juli, mit einer internen Feier.

Festakt folgt am Samstag

Am Samstag, 6. Juli, 16 Uhr, verabschiedet sich die Realschule dann selbst in der Aula der Schule mit einem Festakt nach insgesamt gut 53 Jahren aus der Schullandschaft. Im Anschluss wird zu einem Begegnungsfest eingeladen, zu dem alle eingeladen sind, die sich der Schule verbunden fühlen.

Wenn René an frühere Tage denkt, dann berichtet er von vollen Fluren, auf denen man sich regelrecht durchkämpfen musste. „Heute ist es dagegen fast ein Geisterhaus“, resümmiert er, ohne allerdings allzu niedergeschlagen zu klingen. Auch steht die Schule nicht vollständig leer. Bereits jetzt sind Pennäler der Gesamtschule Aldenhoven-Linnich (GAL) im Gebäude, nach den Ferien wird es vollständig von der nicht mehr ganz so neuen Bildungseinrichtung genutzt werden.

Fragt man die beiden Schüler, ob sie die Realschule vermissen werden, machen sie deutlich, dass es weniger um das Schulgebäude geht: „Das Äußere“, meint René ehrlich, „macht nicht viel her. Dass wir uns wohl gefühlt haben, lag an den Menschen.“ Lisa stimmt dem zu: „Es war so etwas wie ein zweites Zuhause.“ Und Hoppe-Leifgen schließt sich an: „Das gilt auch für die Lehrer.“

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