Mundartlesung im Heimatmuseum in Linnich

„Lennich mie Heimatstädtsche“ : Das Geheimnis des echten Linnichers ist gelüftet

„Lennich mie Heimatstädtsche“ lautete das Motto. Im Rahmen des Linnicher Kultursommers fand eine Mundartlesung im Heimatmuseum am Altermarkt statt.

Das Event wurde vom Linnicher Geschichtsverein veranstaltet. „Die meisten unserer Mitglieder sind ältere Herrschaften“, erklärte Inge Kobecke, Beisitzerin des Geschichtsvereins „Echte Linnicher Urgesteine“. Da liegt es auf der Hand, dass die Mitglieder des Mundartkreises Erzählungen und Gedichte präsentierten, die noch von verwandten Zeitzeugen stammen oder selbst erlebt und niedergeschrieben wurden.

Der Schwerpunkt der Lesung lag dabei auf den Themen Linnich und Heimat. Das Publikum bekam Anekdoten von der Pferdemusterung über den Andreasmarkt bis hin zum „Ömesönsbus“, einem kostenlosen Bus in Linnich, zu hören. Dabei wurden die Geschichten mit viel Witz und Humor vorgetragen.

Der Mundartkreis, der zum Linnicher Geschichtsverein gehört, hat 14 Mitglieder. Einmal im Monat trifft er sich im Bürgerhof Tielens in Linnich. Die Teilnehmer tauschen bei mitgebrachtem Kuchen Geschichten und Erinnerungen von früher aus und das alles im Linnicher Dialekt. „Jeder kann uns besuchen und schnuppern kommen“, lädt Kobecke alle interessierten Dialektliebhaber ein.

Die Gruppe hat sich zusammengefunden, da die regionale Mundart immer seltener gesprochen wird. Sie will helfen, dass der Dialekt nicht ganz verloren geht. Denn die Linnicher Mundart ist bei jüngeren Generationen nicht mehr sehr verbreitet. „Die jungen Leute können die Mundart leider nicht sprechen, aber verstehen tun sie sie schon“, schilderte Margret Emunds, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, die Situation.

Der Dialekt, mit dem Emunds selbst aufgewachsen ist, bedeutet für sie Heimat. So geht es auch den anderen Mitgliedern des Vereins. Alle sind sich einig, dass die Mundart für sie etwas Besonderes ist. „Wenn ich den Dialekt höre, fühle ich mich direkt zu Hause“, berichtete Sabine Deubgen vom Geschichtsverein.

Bei der Lesung wurden aber nicht nur persönliche Anekdoten vorgetragen. Der Mundartkreis lüftete auch das Geheimnis, was „ene echte Linnicher“ ausmacht. In einer Legende heißt es, dass ein Schneider namens Trump, nach dem auch eine Linnicher Straße benannt ist, während der Hubertusschlacht im Jahr 1444 auf einer Linde saß und den Verlauf des Kampfes beobachtete. Damals kämpfte Herzog Gerhard von Jülich gegen den Grafen Arnold von Egmont-Geldern.

Als Herzog Gerhards Truppen Graf Arnold besiegten und so den seit dem 14. Jahrhundert andauernden Streit zwischen den Herzogtümern Jülich und Geldern beendete, hätte Trump als Erster von dem Ereignis berichtet. Er sei zum Linnicher Rathaus gelaufen, um die frohe Botschaft zu verkünden. „Mer hant gewonnen“, soll er gerufen haben. Daraufhin wurde er gefeiert. So sei ein echter Linnicher: „Nichts gedann und Held des Tages“, schmunzelte Emunds über Trump.

Zum Abschluss der Mundartlesung sangen alle zusammen noch das alte Volkslied „Mein liebes Linnich an der Rur“. Der Geschichtsverein freut sich schon auf die nächsten Veranstaltungen im Oktober wie etwa den Vortrag zum Wiederaufbau und Wirtschaftswunder oder die Bücherbörse.

(ced)
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