Linnicher Kultursommer: Das dritte Kunstwerk in vier Wochen zerstört

Linnicher Kultursommer : Nach Bannerklau: Vom Skulpturenweg zu Skulpturen weg?

Der Vandalismus im Rahmen des Linnicher Kultursommers nimmt zu. Bereits das dritte Kunstwerk an der Rur wurde in nur vier Wochen zerstört.

Wenn die Linnicher Künstlerin Bina Placzek-Theisen sagt, dass selbst ihr der Humor langsam flöten ginge, will das schon etwas heißen. Im zehnten Jahr organisiert sie mit Wilfried Theisen den Linnicher Skulpturenweg entlang der Rur, und der entwickelt sich in diesem Jahr mehr und und mehr zum „Skulpturen weg“. Innerhalb von vier Wochen seit der Eröffnung hat es bereits drei Fälle von Vandalismus gegeben. 

„Vor ein paar Tagen machten sich die drei bunten Banner von Elke Bürger vom Kunsttreff Erkelenz davon. Leider hat keiner gesehen mit wessen Beinen“, sagte Placzek-Theisen. „Vandalismus gab es von Anfang an in unserer Skulpturenweg-Laufbahn, meist aber erst gegen Ende der Ausstellung. Nun fängt dies direkt nach der Eröffnung an und artet in Diebstahl aus“, ergänzt sie. Zuvor hatten Unbekannte aus einem von Willi Arlts entworfenem Nest mit Zeitungspapier beklebte Eier gestohlen, vermutlich Hunde das von Bea Peter und Albert van Loon gestaltete Rosenfeld gefleddert. Bisher haben die Künstler keine Anzeige erstattet Nach dem Diebstahl vom Wochenende will die Erkelenzer Künstlerin Elke Bürger dies aber jetzt tun.

Ehrenamtlicher Einsatz

Bina Placzek-Theisen will sich von diesen Vorfällen nicht entmutigen lassen. Sie treibt eine ganz andere Sorge um: „Ich kann nur hoffen, dass sich auch die Künstler nicht entmutigen lassen und sich künftig nicht zurückziehen.“ Immerhin handelt sich bei dem Skulpturenweg um ein kostenfreies Angebot, das nur mit ehrenamtlichem Einsatz realisiert werden kann.

Placzek-Theisen ärgert sich aber nicht nur über Zerstörungen und Diebstahl, sondern auch über Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner nicht im Griff haben: „Vielleicht sollten wir sammeln und den Hunden und Besitzern einen Besuch in der Hundeschule spendieren“, sagt sie nicht nur mit Blick auf die Zerstörung des Rosenfeldes, sondern auch auf die vielen Hinterlassenschaften, die sich in der Nähe der Kunstwerke befinden.

Nur begrenzt einsehbar

Mit Unverständnis auf den Vandalismus reagiert auch Linnichs Beigeordneter Hans-Josef Corsten. „Wir haben das in der Vergangenheit auch schon erlebt, wenn wir Kunstwerke im Bereich der Promenade aufgestellt haben. Ich bin da selbst sehr ratlos. Ich erkenne das Problem, sehe aber keine Lösung“, sagt Corsten. Immerhin sei das Gelände selbst für Anwohner auch nur begrenzt einsehbar. Corsten versprach aber, eine MItarbeiterin des Ordnungsamtes in diesem Bereich einzusetzen.

Auch Dorothea Gerards vom Verein „Wir in Linnich“, der den Kultursommer organisiert, zeigt sich enttäuscht von den zahlreichen Zerstörungen beim diesjährigen Skulpturenweg: „Ich finde es traurig, dass es Menschen gibt, die die Kunstwerke zerstören, anstatt sie zu respektieren.“ Natürlich könne der Verein kein Wachpersonal aufstellen, sie hofft deshalb, dass vielleicht doch die Anwohner ein genaueres Auge darauf haben, was in ihrer Nachbarschaft passiert.

Bina Placzek-Theisen will eine Konsequenz aus den Vorfällen ziehen und im kommenden Jahr gezielt einen Workshop für Jugendliche anbieten, die sich so mit einem eigenen Beitrag am Skulpturenweg beteiligen könnten. „Für Jugendliche gibt es in Linnich nur wenige Angebote“, sagt sie, da könne man schon mal auf dumme Gedanken kommen. Das will sie verhindern helfen.

(bugi)
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