Es drohen tiefgreifende Maßnahmen: Gutachter vergibt schlechteste Note für Heinrich-Weitz-Brücke

Es drohen tiefgreifende Maßnahmen : Gutachter vergibt schlechteste Note für Heinrich-Weitz-Brücke

Eine 4 in der Klassenarbeit bedeutet: gerade noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Bei der Beurteilung des Zustands von Brücken ist die 4 freilich die schlechteste der zu vergebenden Noten. Also vergleichbar mit einer 6 in Mathe. Und so eine 4 steht unter dem Strich bei der Heinrich-Weitz-Brücke über die Rur in Linnich.

Das ist das Urteil des Gutachters nach der routinemäßigen Untersuchung, der in diesem Jahr alle Linnicher Brücken unterzogen werden. Die Brücke in der Rurstraße befindet sich in einem äußerst schlechten Zustand, lautet die Expertise, die jetzt dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt zumindest in der Kernaussage schon mal zur Kenntnis gegeben wurde. Lediglich bei der Standsicherheit bekommt die Brücke noch eine 3. Damit ist sie aber nicht auf der sicheren Seite. Die Standsicherheit ist beeinträchtigt mit der Folge: „Eine Nutzungseinschränkung ist umgehend vorzunehmen, die Schadensbeseitigung muss kurzfristig erfolgen.“ Angesichts des Gesamtzustands lässt der Gutachter relativ wenig Spielraum. Er empfiehlt „eine rasche Nutzungseinschränkung, Instandsetzung oder Bauwerkserneuerung“.

Als erste Maßnahme wird das Tempo beim Überqueren der Brücke auf 30 km/h beschränkt. Das dürfte schon in Bälde erfolgen. Die entsprechen Schilder sind schon bestellt. Ob zusätzlich eine Ablastung angeordnet wird, also eine Verringerung des Gewichts von (Last-)Fahrzeugen, die die Brücke befahren dürfen, ist noch offen. „Schon jetzt ist sicher, dass weitere Untersuchungen an Stahl und Beton durchgeführt werden müssen, um eine gesicherte Abwägung treffen zu können, welche Maßnahmen – und deren Umfang – zum Erhalt der Brücke notwendig werden“, bereitete die Verwaltung den Ausschuss auf mögliche weitere Hiobsbotschaften vor, an deren Ende die Empfehlung zum kompletten Neubau stehen könnte.

Integriertes Handlungskonzept

Das nächste entscheidende Untersuchungsergebnis ist frühestens Ende des Monats zu erwarten. Dann wird die Unterseite der Brücke mit einem Untersichtgerät unter die Lupe genommen.

Das ist auch der Grund, weshalb dem Ausschuss gegenwärtig kein komplettes Gutachten, sondern lediglich ein Zwischenergebnis vorgelegt wurde, wie Achim Grün (CDU) nachgefragt hatte.

Das allein aber hatte schon Tiefschlagcharakter. „Die Brückensanierung sollte doch erst nach dem Ausbau der Rurstraße erfolgen“, erinnerte Grün an den vor der Sommerpause verabschiedeten Zeitplan. Der Baustellenverkehr und die Materiallieferung für die Maßnahmen des Integrierten Handlungskonzepts sollten schließlich nicht über die zuvor sanierte Brücke rollen. Außerdem war die geplante Brückensanierung selbst bei Weitem nicht als so tiefgreifend erachtet, wie das Ergebnis des jetzigen Gutachten. Und Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker (SPD) verhehlte nicht die möglichen unliebsamen Konsequenzen: „Wenn eine Ablastung erfolgen sollte, hätte das natürlich Auswirkungen auf die Arbeiten im Rahmen des IHK.“

Fast einem Anflug von Galgenhumor kam die Frage gleich, ob der Gutachter der Heinrich-Weitz-Brücke derselbe sei, wie der der Mühlenteichbrücke am Glasmalerei-Museum. Dort lautete die Expertise zunächst „Sanierung reicht“ und wurde später in „Neubau“ umgewandelt. Die Verwaltungschefin versicherte indes: „Nein, ist er nicht.“ Das Ergebnis ist möglicherweise dennoch identisch.

(ojo)
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