Linnich: Ortsumgehung Gereonsweiler rückt näher

Finanzierung aus Strukturwandel-Mitteln : Ortsumgehung Gereonsweiler rückt näher

Der Ursprung der Bundesstraße 57 geht auf die französische Besatzung in napoleonischer Zeit zurück. 1795 wurde der Bau der geradlinigen Route d‘Aix la Chapelle á Crefeld abschnittweise begonnen und 1812 beendet.

Sie stellte die direkte Verbindung der Departementhauptstadt Aachen mit Krefeld dar. 1839 lege die preußische Verwaltung die heutige B57 als Aachen–Krefelder-Landstraße an.

Mark Dremel von der UWG PKL ist seit November 2009 Ortsvorsteher von Gereonsweiler, und seither begleitet ihn diese Straße, die den Ort der Stadt Linnich durchschneidet. Für das Dorf mit seinen 1109 Einwohnern (Stand 2. September) ist die überörtliche Verkehrsverbindung Fluch und Segen: Da sind einmal der enorme Verkehrslärm, den rund 8600 Fahrzeuge täglich verursachen, und die Unfallgefahr. Auf der anderen Seite gibt es mitten im Ort eine Tankstelle und weitere Gewerbetreibende, denen die B 57 Kunden sichert.

Dieses Pro und Kontra wurde auch schon 2010 bei einer Bürgerversammlung erörtert, zu der Ortsvorsteher Dremel eingeladen hatte, um über die Planung einer Ortsumgehung zu informieren und die Konsequenzen für Gereonsweiler zu diskutieren. Der rund zwei Kilometer lange und seinerzeit etwa 4,2 Millionen Euro teure Straßenschwenk sollte an der südöstlichen Seite den Ort umrunden. Zudem hatten die Planer vorgesehen, dass der Ort nach Vollendung der Umgehung nur noch über die K6 angefahren und verlassen werden kann, da beide Enden der Ortsdurchfahrt gekappt werden sollten.

„Puffendorfer Lösung“ favorisiert

„Wir haben uns damals die Puffendorfer Lösung gewünscht“, sagt der Ortsvorsteher im Rückblick. Er spielt auf den Nachbarort an, der bereits eine Umgehung im Zuge der B 56 erhalten hat, wo die Ortsdurchfahrt aber erhalten geblieben ist. Zudem sei seinerzeit eine Vergrößerung des Abstands der Umgehungsstraße zur Wohnbebauung angeregt worden sowie die Zulassung von Werbeflächen an beiden Ortseingängen für die Gewerbetreibenden.

Anregungen und Ergänzungen der Bewohner machte sich der Linnicher Bau- und Umweltausschuss zu eigen, der im Juli 2010 die Planung und Linienführung der Ortsumgehung mehrheitlich verabschiedete. Verabschiedet ist wörtlich zu nehmen, denn ein Baubeginn etwa 2014, den die Planer seinerzeit prognostiziert hatten, hat sich bislang nicht ergeben. In der Projektbegründung für den Bundesverkehrswegeplan wird zwar von „unzumutbaren Belastungen durch Emissionen für die dicht angrenzende Wohnbebauung sowie Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit“ geschrieben, doch geschehen ist bislang nichts.

Leben beide in Gereonsweiler: Ortsvorsteher Mark Dremel (r.) und PKL-Vorsitzender Hartmut Mandelartz. Foto: Wolters

Umso überraschender kam die Meldung aus Berlin zur Verabschiedung des Strukturstärkungsgesetzes durch das Bundeskabinett, das als eines der konkreten Projekte die Ortsumgehung Gereonsweiler aufführt. Mit Bereitstellung der Mittel für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ist die Ortsumgehung zwar noch keine beschlossene Sache, allerdings steigen die Chancen dafür, dass diese Maßnahme vorgezogen wird. „Eine gute infrastrukturelle Anbindung des Rheinischen Reviers ist eine wesentliche Voraussetzung für eine zukunftsfähige, ambitionierte und dynamische Raumentwicklung sowie für das Gelingen des Strukturwandels insgesamt“, begründet der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel (CDU) die Aufnahme des Projekts.

Längst mit der Straße arrangiert

PKL-Vorsitzender Hartmut Mandelartz, der ebenfalls in Gereonsweiler wohnt, sieht indes ein Problem, das aus den vielen Jahren resultiert, die der Ort schon von und mit der B57 lebt. Viele Anwohner hätten sich mit der lauten Ortsdurchfahrt arrangiert und ihre Wohn- und Schlafzimmer in den rückwärtigen Teil ihrer Häuser verlegt, an dem dann künftig die Umgehungsstraße vorbeiführen werde.

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