Linnich/Düren: Zwei Seniorinnen um 462.000 Euro betrogen

Linnicher muss ins Gefängnis : Zwei Seniorinnen um 462.000 Euro betrogen

Ein Linnicher wird vor dem Schöffengericht Düren wegen Untreue zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass er zwei Seniorinnen um 462.000 Euro betrogen hat.

Um sehr viel Geld ging es in einem Prozess vor dem Schöffengericht in Düren. Insgesamt 462.000 Euro hat ein 60 Jahre alter Mann aus Linnich zwischen April 2014 und September 2015 aus dem Vermögen zweier Jülicher Schwestern geradezu „abgegriffen“. Das Pikante: Die Seniorinnen, damals 81 und 84 Jahre alt, hatten dem Mann so sehr vertraut, dass sie bei einem Notar eine Generalvollmacht für ihn beurkunden ließen.

Seit Ende Mai nun musste sich der Linnicher vor Gericht verantworten, nachdem eine Amtsärztin ihm im Gegensatz zu vorgelegten Attesten sehr wohl die Verhandlungsfähigkeit bescheinigte. Mithilfe der Vollmacht ließ der Angeklagte aus dem Kölner Geldanlage-Depot der beiden Schwestern in sechs Aufträgen Beträge zwischen 30.000 und 132.000 Euro auf das Konto der Schwestern bei einer Bank in Jülich überweisen. Von dort aus wurden erhebliche Beträge auf ein Konto, dessen Inhaber offenbar allein der Angeklagte war, weiter transferiert. Aufgefallen war das Verschwinden des Geldes der jüngeren Schwester. Die Seniorin sei zwar altersbedingt in ihrer Mobilität eingeschränkt, aber geistig sehr fit und gebildet – so schilderte eine Kriminalbeamtin.

Der Angeklagte hatte vor Gericht erklärt, er habe die ältere der beiden Schwestern nach Linnich holen wollen und deshalb das Nachbarhaus gekauft. Die Seniorin war damals an Demenz erkrankt, lebte in einer Senioreneinrichtung und ist inzwischen verstorben.

Das Gericht hatte gehofft, dass die inzwischen 86-jährige Geschädigte als Zeugin Licht in die Vorkommnisse bringen könnte, was jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht ging. Stattdessen verlas die Vorsitzende Richterin ein Protokoll, das im November 2017 bei einer Vernehmung dieser Zeugin gefertigt worden war. Darin hieß es, der Angeklagte sei lediglich berechtigt gewesen, die Korrespondenz mit der Bank in Köln zu führen.

Akribisch wurden die Geldflüsse rekonstruiert. So flossen zwar 132.000 Euro zurück, aber 330.000 Euro verschwanden – und wurden nicht nur für den Kauf von Immobilien ausgegeben. Das Geld sei teilweise für Hotelkosten, Juwelierrechnungen und persönliche Ausgaben „verprasst“ worden, begründete die Vorsitzende Richterin Verena Neft das Urteil, nämlich eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten wegen Untreue. Der Mann habe das Vertrauen der beiden Seniorinnen erschlichen und deren altersbedingte Hilflosigkeit ausgenutzt. Das Urteil entsprach dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger, der am ersten Prozesstag von einer „erdrückenden Aktenlage“ sprach, hatte für den bislang unbescholtenen Angeklagten maximal zwei Jahre zur Bewährung beantragt.

(hp)
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