Linnich bekommt eine neue gute Stube

Kultur- und Begegnungsstätte ist bald fertig : Linnich bekommt eine neue gute Stube

Die Integrative Kultur- und Begegnungsstätte geht der Fertigstellung entgegen. Sie ist ein moderner Bau mit offenem Konzept. Der teurer geworden ist als ursprünglich veranschlagt.

Auf der Baustelle herrscht rege Betriebsamkeit. Es wird gebohrt und gehämmert. Die Flex kreischt. Es fliegen die Funken. Vom Hubwagen aus werden in luftiger Höhe die schallschützenden Platten der abgehängten Deckenkonstruktion angeschraubt. Überall Handwerker. Baustelle eben. Und in all dem Gewusel sagt Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker mit fester Überzeugung: „Am 30. werden wir fertig sein.“ Linnichs Integrative Kultur- und Begegnungsstätte stürmt ihrer Fertigstellung entgegen.

Bis dahin ist allerdings noch einiges zu tun – in und vor dem anthrazitfarbenem Quader mit seiner markanten Glasfront. „Gerade sind viele Gewerke parallel bei der Arbeit“, erklärt die Bürgermeisterin. Einige müssen noch ein wenig warten. Die Bodenleger beispielsweise. Sie werden die riesige Halle, die Platz bieten wird für 500 Menschen, und die angrenzenden Bereiche mit Linoleum, PVC und Fliesen begehbar machen. Auch die Maler stehen noch hinter den Startblöcken. Sie werden an den ausgedehnten Wandflächen Malerflies aufbringen und weiß streichen.

In den Funktionsbereichen sind die Anschlüsse für Wasser und Strom in Vorbereitung. Die Zeit drängt. Noch in dieser Woche ist der Auftrag zur Anlieferung und Montage der Küche Thema im Fachausschuss. Dieser Bereich grenzt unmittelbar an das Foyer der Begegnungsstätte an. Von der Küche aus kann auch der Getränkeausschank bei Veranstaltungen erfolgen.

Mehr als ein simpler Eingang

Zusätzlich ist ein weiterer Ausschank im Foyer selbst möglich. Dieses ist mehr als ein simpler Eingangsbereich. Er wird als kleines Café genutzt werden. Das wird von den Vereinen genutzt und betrieben. Einen gewerblichen Betrieb mit einem festen Pächter und geregelten Öffnungszeiten wird es nicht geben. Dagegen sprechen allein schon die einzuhaltenden Vorgaben. „Wir dürfen mit der Kultur- und Begegnungsstätte keinen Profit machen“, erinnert Marion Schunck-Zenker an die Bedingungen, an die die Förderung der Integrative Kultur- und Begegnungsstätte geknüpft ist. Immerhin ist das Land der große Geldgeber. Es trägt 70 Prozent der ursprünglich mit 1,8 Millionen Euro veranschlagten Bausumme des Projekts.

Während in einigen Bereichen der großen Halle bereits die Deckenplatten montiert werden, warten noch große Lüftngselemete  auf ihren Einbau. Foto: Otto Jonel

Die Idee hinter dem Sonderprogramm „Hilfen im Städtebau für Kommunen zur Integration von Flüchtlingen“ ist eine soziale: Im Grunde stellt die Kommune mit der Begegnungsstätte ein Haus zur Verfügung. „Beleben“ werden es die Vereine und gesellschaftliche Institutionen der Stadt. Auch wenn sich die Gewichtung der Flüchtlingsintegration etwas verändert hat, trägt die Raumkonzeption diesem Grundgedanken Rechnung. Neben dem Bühnenbereich liegen drei Büroräume. Sie stehen Vereinen zur Verfügung.

Interesse ist reichlich vorhanden. Pol.-TuS, Geschichtsverein und der Arbeitskreis Asyl könnten hier eine fest Anlaufstelle gewinnen. „Wir werden aber noch miteinander besprechen, wer hinein kann“, ist die „Mieterliste“ noch nicht geschlossen. Ein kleiner Besprechungsraum sowie Toiletten für Damen und Herren und sogar eine Dusche komplettieren diesen Funktionsbereich. Dank zweier eigener Zugänge ist der Bürotrakt quasi autark.

Hinter der Bühne sind weitere kleinere Räume. Sie dienen als Künstlergarderobe oder -umkleide. Karnevalistische Garden oder aufmarschierende Schützenregimenter würden dieses begrenzte Platzangebot allerdings sprengen.

Mit dem Raum für Technik und dem Stuhllager ist der Bühnenbereich ausgereizt. Die Spielfläche selbst wird mit rund 11 x 6 Metern den unterschiedlichsten Inszenierungen genügend Entfaltungsmöglichkeiten bieten. Mittels einer Hubvorrichtung können sogar Rollstuhlfahrer auf die Bühne gehoben werden.

Vor der Bühne ist reichlich Platz – oder so viel, wie man braucht. Bei absehbar geringerem Publikumsaufkommen lässt sich die große Halle nach Bedarf verkleinern. Mit Trennwänden können vier Räume abgeteilt werden. Sie lassen sogar parallel stattfindende Veranstaltungen zu.

„Auf dem neuesten Stand“

Mit den beiden Toilettenanlagen neben dem Bühnenbereich und im Anschluss an das Foyer ist der „Entsorgung“ ausreichend Genüge getan. Die Ära der Toilettenwagen bei den Großveranstaltungen der Schützen oder der Karnevalisten neigt sich ihrem Ende. Sicherlich ein Zugewinn an Komfort. Das gilt nicht nur im übertragenen Sinne für das Klima. Eisige Zeiten wie bei einem Heizungsausfall im Festzelt sind in der Kultur- und Begegnungsstätte nicht zu befürchten.

„Wir sind hier technisch auf dem neuesten Stand“, versichert Dominik Foit vom städtischen Bauamt mit Stolz. Fußbodenheizung und Lüftung werden für angenehme Temperaturen und Raumatmosphäre sorgen. Auch dem Schallschutz wird mit Blick auf die benachbarte Wohnbebauung besondere Aufmerksamkeit gewidmet. In der Halle werden schalldämpfende Materialien verarbeitet, und zur Bebauung hin hat die Kultur- und Begegnungsstätte keine großen Öffnungen.

Die Investition in moderne Technik erfolgte mit Bedacht, beugt die Bürgermeisterin angesichts der Verteuerung des Bauprojekts auf deutlich über 3 Millionen Euro Spekulationen in die falsche Richtung vor. „Es ist nicht so, das wir hier das Geld mit vollen Händen rausgeworfen hätten. Wir haben mit dem Planer immer sehr eng zusammen gearbeitet. Das ist alles sehr solide.“

Einen Aspekt betont die Bürgermeisterin mit Nachdruck. Die neue Kultur- und Begegnungsstätte ist keine exklusive Stadthalle für Linnich. Sie soll vielmehr ein Haus für alle sein. Sie hoffe, dass die Ortschaften dieses offene Angebot als solches annehmen. „Wir brauchen Bezugspunkte in einer Zeit, in der Gesellschaft auseinander driftet.“

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