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Rödingen: Lieder über Armut, aber auch Freude

Rödingen : Lieder über Armut, aber auch Freude

Toleranz und Respekt einer unterdrückten Minderheit gegenüber wussten 50 Jugendliche aus Andrychow/Polen, Kosice/Slowakei sowie aus Bonn und Gronau auf musikalischem Wege in der ehemaligen Rödinger Landsynagoge zu vermitteln.

Als praktische Konsequenz aus der unlängst in Berlin stattgefundenen OSZE-Konferenz gegen Antisemitismus hatte die „Bezirksarbeitsgemeinschaft Musik Rheinland Süd” mit Sitz in Bonn interessierte Jugendliche eingeladen, mehr über die Geschichte und die kulturellen Wurzeln des Judentums zu erfahren, denn „Unwissenheit ist ursächlich für Rassismus und Antisemitismus”.

Im Rahmen ihres gemeinsamen Projektes „Erinnern für die Zukunft” hatte sich die Gruppe, die eine Woche lang in Bonn unter einem Dach wohnt, erst drei Tage vorher kennen gelernt. „Es hat auf Anhieb geklappt”, freut sich Projektleiterin Dagmar Gutmann. „Die Atmosphäre ist sehr gut. Die Verständigung funktioniert mehrsprachig.”

Fünf Stunden studieren die Jugendlichen täglich unter Leitung des Sängers und Komponisten Manfred Lemm nicht nur jiddische und hebräische Texte ein, sondern auch jeweils ein Lied in der Sprache der anderen beiden Teilnehmerländer.

Mit großem Erfolg, wie nun die Kostprobe im Hof der Synagoge eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Dirigiert und auf der Gitarre begleitet von Manfred Lemm im Zusammenspiel mit seinem Ensemble mit Akkordeon, Klarinette und Violine brachte der „europäische Drei-Tages-Chor” jiddisches Liedgut des ermordeten Krakauer Textschreibers und Komponisten Mordejai Gebirtig zu Gehör.

Hebräische Festlieder aus dem Jahreskreis ergänzten die beeindruckende Vokaldarbietung, denn laut Manfred Lemm sind das „zwei Welten, die zusammengehören”.

„Lieder der Freude, aber auch Lieder über die unerträgliche Armut” wurden den etwa 25 Zuhörern vorgestellt, wie „Hungerik dajn Kezele”, ein Wiegenlied für ein hungriges Kind, das für Betroffenheit sorgte, die nachdenklich die Köpfe neigten. Bei anderen rhythmisch-fröhlichen Liedern wie „Schibolet bassadé” (Erntet die Ähren des Feldes) oder „Huljet, Huljet, Kinderlech” (Tanzt, tanzt, so lange ihr jung seid) hingegen hellten sich die Gesichter wieder auf und es wurde begeistert mitgeklatscht.