Umfrage zu Silvester: Lieber nur zugucken, als selbst zu böllern

Umfrage zu Silvester : Lieber nur zugucken, als selbst zu böllern

In unserer Umfrage zu Silvester in der Jülicher Innenstadt ist der Tenor eindeutig: Die Jülicher kaufen weniger Feuerwerkskörper, sprechen sich aber nicht für Verbote aus.

Traditionsgemäß startet am letzten Wochenende des Jahres der Feuerwerkskörperverkauf unter anderem in Discountern und Baumärkten – doch wenn es nach den Jülichern geht, dürfte der Verkauf dieses Mal mau ausgefallen sein. Bei einer Umfrage in der Innenstadt gaben die meisten an, kein Feuerwerk mehr zu kaufen. Dabei haben sie unterschiedliche Gründe, die nicht alle etwas mit Umweltschutz zu tun haben.

Für Tim Sellner sind die Raketen zum Beispiel schlichtweg zu teuer: „Ich gucke lieber zu, als selbst zu böllern“, sagt der Jülicher. Der Kostenfaktor ist für eine Jülicherin, die namentlich nicht genannt werden möchte, ebenfalls der ausschlaggebende Grund. Sie spende das Geld lieber an die Tafel oder eine Organisation, die krebskranken Kinder hilft. Ralf Engels wiederum ist das Einkaufen von Raketen zu dieser Jahreszeit zu stressig: „Und wenn es irgendwann nur noch nervt, lässt man es einfach sein“, stellt er fest.

Ein Jülicher Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, findet Silvesterfeuerwerk aus einem anderen Grund nicht gut: „Das Problem ist, dass die Leute danach einfach überall ihren Müll liegen lassen.“

Sarah Hommen ist aus Sicherheitsgründen dagegen: „Viele schmeißen die Böller vor die Kinder – deswegen gucken wir nur vom Fenster aus zu“, berichtet die Mutter eines Kleinkinds. Von den Gefahren kann auch Klaus-Peter Konietzny berichten. „Ich habe so viele Verletzungen mitbekommen, bei denen vermeintlich nicht zündende Raketen den Menschen in der Hand explodiert sind“, sagt der ehemalige Rettungssanitäter.

Für Philipp Grüll gehört das Feuerwerk hingegen zur Silvesternacht dazu. „Ich kaufe immer etwas, aber erst am 31. morgens“, sagt der Jülicher. Ähnlich sieht das Ingo Herkenrath: „Ein bisschen Tradition sollte schon erhalten bleiben – ein Generalverbot finde ich nicht gut.“ Seine Frau Lydia pflichtet ihm bei: „Ein bisschen Spaß am Leben muss sein.“ Sorgen um ihre Hunde machen sich Karin Müller und Lea von Wirth. „Es ist viel zu laut“, sagt von Wirth und Müller ergänzt: „Meiner bellt dann und ist ganz aufgeschreckt.“

Henri Fischer merkt bei den Tieren im Brückenkopf-Zoo keine Auffälligkeiten: „So wie unser Zoo konzipiert ist, mit dem Abstand zu Wohngebieten, haben wir keine Störungen“, berichtet der Zooleiter. Auch wenn die Umfrage nicht repräsentativ für die Bevölkerung in Jülich ist, ähnelt das Meinungsbild dem Ergebnis einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov für das Redaktionsnetzwerk Deutschland: Nach den Angaben in der Studie befürworten 57 Prozent der Bundesbürger ein Verbot von Böllern zu Silvester.

Dem schließt sich auch Gaby Konietzny an: Der Mensch solle dankbarer sein und sich der Natur zuliebe zurücknehmen, sagt die Jülicherin. „Das hätte man schon längst verbieten müssen – die Politik muss was tun.“

Ein mögliches Verbot drohte dieses Jahr dem Titzer Ortsteil Jackerath, nachdem er in einem Bericht der Deutschen Umwelthilfe über besonders feinstaubbelastete Kommunen aufgetaucht war. Es darf zwar weiterhin geböllert werden, aber Achim Schößer, der seit fast 35 Jahren das gemeinschaftliche Böllern in der Nachbarschaft organisiert, hat sich dagegen entschieden. „Einfach mal was für die Umwelt tun“, sagt er.

Kein Feuerwerk mehr anbieten will Hornbach. Die Baumarktkette, die im Kreis Düren in Niederzier zu finden ist, gab bekannt, dass die Regelung ab 2020 gelte.