Koslar: Liebe und Gnade Gottes feiern: Auftakt der ökumenischen Gebetswoche

Koslar: Liebe und Gnade Gottes feiern: Auftakt der ökumenischen Gebetswoche

„Uns ist es am Wichtigsten, über die Konfessionsgrenzen hinweg zu beten, nicht die Massen zu bewegen.“ Das sagte Dr. Peter Hill aus dem lokalen Organisationsteam der ökumenischen Gebetswoche. Diese wird weltweit jedes Jahr zeitgleich vom 18. bis 24. Januar oder zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten begangen.

Vorbereitet wird sie von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), der auch Baptisten, Methodisten und orthodoxe Christen angehören. Gut 20 Menschen nahmen am gut einstündigen Eröffnungsgottesdienst zur Gebetswoche zum Thema „Die Liebe Christi drängt uns“ teil, wie der Apostel Paulus es in seinem zweiten Brief an die Korinther formuliert.

Der Gebetsabend in St. Adelgundis Koslar war mit der Paulus-Erkenntnis „Einer ist für alle gestorben“ überschrieben. Hill betonte in seiner Einführung die gesetzten Akzente der Gebetsreihe, „die Liebe und die Gnade Gottes zu feiern“, der den Menschen allein aus Gnade rechtfertigt. Letzteres ist Hauptanliegen der durch Martin Luthers Reformation geprägten Kirchen.

Zum anderen soll der „Schmerz der Spaltung“, (die aus der Reformation folgte) benannt und Schuld offen bekannt werden. So werde die Möglichkeit eröffnet, „Wege der Versöhnung zu beschreiten“. Unterschiede in den Konfessionen seien „extrem wichtig“, aber nur „ein kleiner Teil“ des gemeinsamen Glaubens. „Seht, wie sie einander lieben“, heißt es in einem Paulus-Brief an die Gemeinden. So sollten Christen „sukzessive zu einer größeren Einheit zusammenwachsen“.

Den Wortgottesdienst im liturgischen Rahmen leitete Jörg Breuer. Er begann mit einer Vorstellung der Kirche St. Adelgundis nach Aufzeichnungen des einstigen Pfarrers Toni Fabry, der Koslar zu „einer betenden Gemeinde“ machen wollte.

Reger Gedankenaustausch

Die Teilnehmer des Eröffnungsgottesdienstes beteten, sangen — und diskutierten, was ungewöhnlich innerhalb eines Gottesdienstes ist. Anstelle einer Predigt bat Breuer die Gläubigen nämlich, Formulierungen aus dem Evangelium zu erklären und zu diskutieren, etwa: „Bleibt in meiner Liebe“ oder „Er hat uns erwählt, nicht wir ihn“. Breuer fügte hinzu: „Hierbei gibt es kein richtig oder falsch.“ Und so entstand ein reger Gedankenaustausch untereinander, in dem sich die Teilnehmer im Grunde einig waren. Sie stellten heraus, dass sie sich selbst auf Gott einlassen und als Christen reifen müssen, um in seiner Liebe zu bleiben.

Ebenso sahen sie die zehn Gebote als Wegweiser für ihr Leben und das „Doppelgebot der Liebe als wichtigstes Gebot, das alle anderen umschließt“. Christen müssten Gottes Hände oder „Täter seines Wortes“ werden. Vergessen wurde auch nicht, dass die Nächstenliebe, beziehungsweise Wertschätzung der Mitmenschen alle Andersgläubigen und Andersdenkenden einschließt.

Nicht zuletzt brachten Menschen ihre Sorge um den Glaubensschwund und sterbende Gemeinden auf den Punkt. Die ökumenische Gebetswoche wird in Jülich um einen Tag verlängert. Zu einem Schnupperabend in den ökumenischen Gebetskreis in Jülich, der auch ganz konkret für Jülicher Anliegen betet, wird am 25. Januar um 19 Uhr ins Gemeindehaus in Barmen geladen.

(ptj)
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