Jülicher Land: Lesermeinung: Touristische Nutzung der Sophienhöhe

Jülicher Land: Lesermeinung: Touristische Nutzung der Sophienhöhe

Auch wenn die Menschen in Jülich die Sophienhöhe als ihren „Hausberg” betrachten: Geht es um dessen touristische Erschließung in Form einer „Bergwelt”, liegen sie auf der falschen Seite, „dr schääl Sick”. Die Pläne liegen auf dem Tisch und wurden inzwischen auch im Jülicher Rathaus vorgestellt.

Das Echo war nicht unfreundlich, da dem Planungs-, Umwelt- und Bauausschuss die „Fernlage” durchaus bewusst war. Und dennoch gibt es Berühungspunkte. Winfried Cremerius (FDP): „Wir sehen die Gefahr einer Konkurrenzanlage zum Brückenkopf-Park.”

Auch in der Gemeinde Titz, die unmittelbarer Nachbar der auf Niederzierer Gebiet geplanten „Bergwelt” wäre, scheint es Skeptiker zu geben. Als „Zaungäste” in Jülich verfolgten einige Bürger aus Rödingen-Höllen die Ausführungen von Christoph Schrahe (Planungsbüro Montenius Consult).

Der Plan besteht aus zwei Teilen: Im Tal soll es ein Servicegebäude, Parkplätze, einen Wohnmobilhafen und „kleinere Freizeitangebote” geben, so Schrahe. Oben auf dem Gipfel-Plateau starten die „Abwärts”-Aktivitäten. Die größte Sommerrodelbahn „nördlich des Schwarzwalds” von fast 1,7 Kilometern Länge und ein ausgiebiger Bike-Park mit verschiedenen Angeboten zählen dazu, ein Restaurant/Hotel natürlich auch. Verbunden würden Tal und Gipfel über eine Bergbahn, die 170 Höhenmeter überbrückt und 900 Meter lang ist.

Die Bergbahn ist die große finanzielle Unbekannte in der Rechnung von Montenius Consult. Sie ist in einem Kostenrahmen von 2,2 bis 6,7 Millionen Euro zu haben. Die kalkulierten Gesamtinvestitionen differieren jedenfalls zwischen 12 und 17,4 Millionen Euro, die von einem privaten Investor aufgebracht werden müssten. Der würde nicht die öffentliche Hand „anzapfen”, sondern maximal vorhandene Landes- oder Bundesfördertöpfe nutzen. Diesen Investor gibt es allerdings noch nicht.

35 Millionen Euro Erlöse?

Ein Potenzial von mindestens 140 000 Bergwelt-Besuchern wird in der größeren Region gesehen, die Jahr für Jahr 35 Millionen Euro ausgeben. 50 feste Beschäftigungsverhältnisse prophezeit die Studie ebenfalls.

Die befürchtete Konkurrenz zum Brückenkopf-Park sieht Christoph Schrahe nicht. Der Park ziele eher auf Familien mit kleinen Kindern ab, die „Bergwelt” auf Jugendliche und junge Erwachsene. Auf Nachfrage von Hans Günter Engels (CDU) erklärte der Planer, dass alle Flächen auf dem Gipfel und dem Weg dorthin Eigentum des Bergbautreibenden seien. Im Bereich der Talstation sei das allerdings nicht der Fall. Während das Jülicher Gremium den Vortrag zur Kenntnis nahm, schienen die Gäste aus Rödingen-Höllen schon festgelegter in ihrer Meinung. Sie befürchten Beeinträchtigungen für ihren Ort. Er liegt gut einen Kilometer von den geplanten Parkplätzen entfernt. Dem Vernehmen nach hat sich schon eine Initiative „Rettet die Sophienhöhe” gebildet.

Und was denken Sie? Ist das eine sinnvolle Nutzung der Sophienhöhe? Kann das langfristig wirtschaftliche Vorteile bringen, ohne die frisch geschaffene Natur auf dem künstlichen Berg zu beeinträchtigen? Reden Sie auch bei diesem Thema mit. Hier ist die Planung in einem noch so frühen Stadium, dass keine Fakten geschaffen sind. Sagen Sie uns Ihre Meinung - unter http://www.juelicher-meinung.de.

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